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Warum weniger Kurzstreckenflüge auch nach Ansicht von Fridays for Future dem Klima kaum helfen

·Lesedauer: 3 Min.

Grüne und SPD wollen weniger Kurzstreckenflüge, doch die Statistik zeigt: Das Einsparpotenzial fürs Klima ist überschaubar.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock will Inlandsflüge überflüssig machen – jedoch nicht verbieten
Grünen-Chefin Annalena Baerbock will Inlandsflüge überflüssig machen – jedoch nicht verbieten

Der Schutz des Klimas wird ein entscheidendes Thema im Bundestagswahlkampf. Das zeigt sich bereits vier Monate vor dem Wahltag. Am Wochenende sprach sich Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock dafür aus, Kurzstreckenflüge einzuschränken. "Kurzstreckenflüge sollte es perspektivisch nicht mehr geben", sagte sie der "Bild am Sonntag" und wandte sich gegen "Dumpingpreise" beim Fliegen. Auch SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hatte gefordert, eine Preisuntergrenze für Flugreisen einzuführen. 

Doch wie groß ist der Anteil von Flügen, besonders auf der Kurzstrecke, tatsächlich? Verschwindend gering. Innerdeutsche Flüge verursachten 2019 rund zwei Millionen Tonnen CO2. Was nach viel klingt, fällt im Vergleich mit den Gesamtemissionen Deutschlands kaum ins Gewicht. Sie lagen 2019 bei 805 Millionen Tonnen. Somit hatte der innerdeutsche Flugverkehr einen Anteil von 0,25 Prozent am Deutschlands Treibhausgasemissionen.

Wird hier also eine Symboldebatte ums Fliegen geführt? Fridays for Future (FFF) kritisiert die Diskussion. "Ein Verbot von Kurzstreckenflügen kann nur einen Bruchteil der notwendigen Emissionsreduktionen im Flugverkehr leisten", sagte FFF-Aktivistin Carla Reemtsma im Gespräch mit Business Insider. Nach Ansicht von Reemtsma lenkt die Diskussion um persönliche Einschränkungen im Lebensstil nur ab. "Der Pfad zur Klimaneutralität führt allein über eine grundlegende Transformation von Wirtschaft und Produktion", sagte sie.

Lohnt es sich also überhaupt den Flugverkehr auf der Kurzstrecke einzuschränken? Experten sagen ja. Denn meint man es ernst mit dem Klimaschutz, muss es in Zukunft weniger Kurzstreckenflüge geben. Auch wenn die Emissionen vergleichsweise gering sind, lassen sie sich leicht einsparen, etwa mit schnelleren Zugverbindungen. Seit man mit dem ICE-Sprinter etwa von Berlin nach Nürnberg fahren könne, seien die Flugverbindungen auf dieser Strecke eingestellt worden, heißt es vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). 

Allerdings zeigt sich, dass der Effekt begrenzt ist. Auf der Flugstrecke Berlin-München habe es laut BDL sogar ein Passagierplus gegeben, seit die Bahn ab 2017 den ICE-Sprinter zwischen beiden Städten fahren ließ. Der ICE benötigt für die Strecke rund vier Stunden, das Flugzeug ist eine Stunde und zehn Minuten in der Luft. Was den CO2-Ausstoß angeht, ist die Bahn jedoch im klaren Vorteil. Pro Person verursachen Hin- und Rückflug rund 308 Kilogramm CO2, die Bahnfahrt auf gleicher Strecke 34 Kilogramm. Allerdings ist das Flugticket oft günstiger als die Bahnfahrkarte. Ein weiteres Problem ist die Bauzeit. Die Schnellstrecke von Berlin nach München dauerte 25 Jahre von der Idee bis zur Fertigstellung. So viel Zeit kann man sich beim Ausbau der Bahn nicht nehmen, wenn man die Klimaziele ernst nimmt. 

Auf ein Verbot bestimmter inländischer Flugstrecken wie in Frankreich wollte sich Grünen-Chefin Baerbock in einer Pressekonferenz am Montag dennoch nicht festlegen. Sie sagte lediglich, "die Bahn müsse ausgebaut werden, damit sich Kurzstreckenflüge erübrigen." So weit, so schwammig. Einen harten Kurs will Baerbock vermeiden, um dem Image der Grünen als "Verbotspartei" entgegenzutreten. Dies hatte die Partei bei vergangenen Wahlen Stimmen gekostet. Doch die Partei muss auch für Wähler der Mitte attraktiv sein, wenn es tatsächlich etwas werden soll, mit der Eroberung des Kanzleramts. Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) nutzte die Vorlage am Montag sofort. Er nannte Baerbocks Vorschlag populistisch und "ohne jede klimapolitische Wirkung".

Doch wie groß ist das Einsparpotenzial beim Flugverkehr insgesamt? Der gesamte weltweite Flugverkehr verursacht drei Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen. Zum Vergleich: Die weltweite Zementproduktion ist für fast acht Prozent verantwortlich. Doch Flugzeuge lassen die Temperaturen nicht allein durch ihren CO2-Ausstoß steigen. Die weißen Kondensstreifen sorgen ebenfalls dafür, dass sich das Klima erwärmt. "Besonders schädlich ist es, wenn Flugzeuge lange in großen Höhen von 10.000 Metern fliegen", erklärt Jakob Graichen vom Freiburger Öko-Institut. Das geschehe vor allem auf interkontinentalen Strecken. Auch aus diesem Grund ist das Flugzeug für Graichen das "klimaschädlichste Verkehrsmittel".

VIDEO: Keine Kurzstreckenflüge mehr: Baerbock erntet für Vorschlag Kritik

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