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Nach Crash-Drama: Segler zofft sich mit Fischkutter-Kapitän

SPORT1
·Lesedauer: 3 Min.

Segler Boris Herrmann hat sich trotz der Kollision mit einem Fischerboot einen starken fünften Platz bei der Vendée Globe erkämpft.

Der 39 Jahre alte Hamburger überquerte am Donnerstag um 11:19 Uhr vor Les Sables-d'Olonne/Frankreich die Ziellinie mit einer Rennzeit von 80 Tagen, 14 Stunden, 59 Minuten und 45 Sekunden. Herrmann hielt Leuchtfackeln in beiden Händen, die Beschädigungen an seinem Boot waren deutlich zu erkennen.

Den Sieg bei der wohl härtesten Regatta der Welt hatte sich in der Nacht der Franzose Yannick Bestaven gesichert, während der unverletzte Herrmann nach dem schweren Zwischenfall und dem Verlust der Chance aufs Podium um die Beendigung seines Rennens kämpfte.

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Crash kostet Herrmann Siegchance bei Vendée Globe

Am Mittwochabend hatte sich 85 Seemeilen vor dem Ziel der Schock für den zu dem Zeitpunkt drittplatzierten Herrmann ereignet, der gleich bei seinem Vendee-Debüt theoretisch auch noch Siegchancen besaß.

"Plötzlich sah ich eine Wand neben mir, die Schiffe verhakten sich, ich hörte Männer rufen", berichtete Herrmann später von Bord seiner Yacht "Seaexplorer". Der Unfall, der ihn aus dem Schlaf riss, sei sein bisher "größter Albtraum" gewesen und er "bitter enttäuscht".

So etwas habe er auf See noch nie erlebt, sagte der enorm erfahrene Herrmann weiter. Er fragte sich, weshalb seine Alarmsysteme nicht angesprungen waren. "Kein Alarm ist losgegangen. Normal muss ich jeden einzeln am Gerät bestätigen. Wie konnte das Radar dieses Schiff nicht erkennen? Manchmal schalten die Fischer ihren AIS nicht an", mutmaßte er und fügte an: "Aber das wichtigste ist, dass niemand verletzt wurde."

Fischkutter-Kapitän weist Vorwürfe von sich

Der Kapitän des spanischen Fischkutters ist sich keiner Schuld bewusst und verbittet sich Vorwürfe. Das Automatische Identifikationssystem (AIS) bei seinem Schiff "Hermanos Busto" sei "zu jedem Zeitpunkt" eingeschaltet gewesen, versicherte Jose Zaldumbide am Donnerstag in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Das garantiere er. "Erstens sind wir dazu verpflichtet, zweitens lässt es sich sehr einfach überprüfen, weil: Das wird automatisch aufgezeichnet. Mal ganz abgesehen davon, dass bei uns immer einer Wache schieben muss, rund um die Uhr", sagte der 55-Jährige.

Herrmann hatte vermutet, der Kutter sei womöglich ohne scharfes Alarmsystem unterwegs gewesen. "Das sollte er nicht sagen, verdammt!", sagte Zaldumbide und richtete in Richtung des Deutschen weitere Vorwürfe. "Der war so schnell weg, dass ich dachte: Ist das ein Schmuggler? Ich habe versucht, über die Notfallfrequenz mit ihm in Kontakt zu treten."

Erfolg hatte dieser Versuch nicht.

Boot von Herrmann beschädigt

Hermanns Boot wurde deutlich beschädigt, unter anderem am Bug und am Foil (Tragflügel). Besonders kritisch sei gewesen, dass eine Leine riss, die den Mast seitlich gegen ein Umfallen sichert, teilte sein Team mit.

Herrmann habe in den Stunden nach der Kollision "fieberhaft" daran gearbeitet, das Boot fahrtüchtig zu halten.

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Im Zielort feierte unterdessen Bestaven, dessen Siegerzeit 80 Tage, 3 Stunden, 44 Minuten und 46 Sekunden beträgt. Er kam erst als Dritter hinter seinen Landsmännern Charlie Dalin und Louis Burton in Les Sables-d'Olonne an, profitierte aber von einer Zeitgutschrift für die Rettungsaktion des schiffbrüchigen Teilnehmers Kevin Escoffier.

Auch Herrmann wurden mit Ankunft sechs Stunden gutgeschrieben.

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mit Sport-Informations-Dienst (SID)