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US-Wahl Briefing: Spekulationen über Trumps Zukunft – Biden in der Warteschleife

·Lesedauer: 4 Min.

Joe Biden hat das Rennen gemacht, doch Donald Trump gibt sich noch nicht geschlagen. Im Newsletter US-Wahl Briefing verfolgen Sie alle wichtigen Geschichten in Folge der US-Wahlen.

Während Donald Trump weiterhin bockig ist und seine Wahlniederlage nicht einräumt, blickt der Rest der Welt nach vorn. Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident Emmanuel Macron und der britische Premier Boris Johnson telefonierten am Dienstag mit dem künftigen US-Präsidenten Joe Biden, um ihm persönlich zu gratulieren.

Die Protokolle der Gespräche, die Bidens Team herumschickte, waren so unaufgeregt, wie man es in Washington schon lange nicht mehr erlebt hat: Kooperation, Augenhöhe oder Gesprächsbereitschaft waren Stichworte, mit denen Biden internationale Partner begrüßte.

Der neue Sound der nächsten US-Regierung, er ist schon jetzt zu hören. Doch bis Biden die Geschäfte übernehmen kann, steht ihm eine zähe Übergangsphase bevor. Momentan ist es völlig unklar, ob und auf welche Weise sich Trump freiwillig zurückzieht – geschweige denn, ob er sich mit seinem designierten Nachfolger für eine vertrauliche Amtsübergabe treffen wird, wie es eigentlich üblich ist.

Formal hängt Biden in der Warteschleife fest, denn seine Mitarbeiter bekommen erst dann Einblick in Akten und Zugang zu Regierungsgebäuden, wenn die zuständige Behörde General Services Administration (GSA) grünes Licht gibt.

Bislang regt sich deren Chefin Emily W. Murphy nicht. Und bevor sie Biden nicht offiziell als nächsten Präsidenten anerkennt, sind seinem sogenannten Transition-Team die Hände gebunden. Seit dem Rechtsstreit zwischen Al Gore und George W. Bush im Jahr 2000 dauerte es nicht mehr so lange, bis die Übergangsphase offiziell losgehen konnte. Prescht Murphy eigenständig vor oder wartet sie auf Trump? Das ist die Frage der kommenden Tage – oder auch Wochen.

Von einem geordneten Übergang zu einer neuen Regierung ist Trump weit entfernt. Wie die „New York Times“ schreibt, lenkt seine Wahlkampagne ab sofort Spenden in ein „Political Action Comittee“ (PAC) namens „Save America“ um. Das gibt Trump mehr Flexibilität, Gelder für Gerichtskosten einzusetzen und die Wahl anzufechten.

Dass die Klagen Erfolg haben, wird mit jedem Tag unwahrscheinlicher. Auch wird es für Trump immer schwieriger, seine Botschaft zu transportieren: Twitter sperrt einen Tweet nach dem anderen, sein Haussender „Fox News“ berichtet kritisch.

US-Medien spekulieren über Trumps Zukunft: Geht er auf dem Golfplatz in Rente, gründet er einen Fernsehsender, wandert er aus? Wild wuchern die Theorien, und Trump heizt sie an, indem er laut Analyse-Portal „Axios“ bereits mit dem Gedanken spielt, 2024 erneut anzutreten. Doch im Hintergrund ist das Rennen um seine Nachfolge längst eröffnet.

Bei den Republikanern, die sich in den vergangenen Jahren dem Trumpismus verschrieben, dürfte sich bald ein brutaler Machtkampf entzünden. Unter anderem interessiert sich Trumps frühere UN-Botschafterin, Nikki Haley, für eine Präsidentschaftskandidatur. Die frühere Gouverneurin von South Carolina hält eine kluge Balance aus kritischer Distanz und Unterstützung, sie gilt als eine von vielen Favoritinnen.

Wer sich neben Haley und Pompeo noch in Stellung bringt, lesen Sie hier.

Die Nachricht der Woche hatte mit den Wahlen nur indirekt etwas zu tun, doch sie wird die Politik einer neuen US-Regierung bestimmen. Trump hat seinen Corona-Kurs voll auf die Entwicklung eines Impfstoffs ausgerichtet, jetzt hat das im Test befindliche Vakzin BNT162b2 von Pfizer und Biontech einen Höhenrausch an den Börsen ausgelöst. Dabei sollte trotz aller berechtigter Vorfreude klar sein: Eine wirksame, massentaugliche Impfung kann nur der erste Schritt sein auf dem Weg, die Pandemie zu überwinden.

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  • Nach 73 Jahren: Das politische Ende der Kennedy-Dynastie steht bevor.

  • Kampf gegen Pandemie: Das ist Joe Bidens Corona-Task-Force.

  • Strafverfahren und Schulden: Warum Trump nicht verlieren will.

What's next?

Die Demokratin Stacey Abrams sammelt Spenden im Akkord, der Tech-Unternehmer und Ex-Präsidentschaftskandidat Andrew Yang verlegt seinen Wohnsitz von der Westküste nach Atlanta. Dazu hält der Republikaner Marco Rubio erste Kundgebungen in Georgia ab – obwohl eigentlich Florida sein Revier ist.

Warum das alles? Im südlichen Bundesstaat wird im Januar entschieden, ob die Demokraten oder die Republikaner die Mehrheit im mächtigen US-Senat bekommen. Zwei Stichwahlen um Senatsposten sind angesetzt, die Rennen werden extrem spannend. Über Nacht hat sich Georgia, eigentlich eine konservative Hochburg, in einen Battleground-Staat verwandelt.