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60 Tote bei Anschlägen in Kabul. 12 US-Soldaten sind gestorben

·Lesedauer: 3 Min.
Chaos auf den Straßen in Kabul nach zwei Explosionen in der Nähe des Flughafens.
Chaos auf den Straßen in Kabul nach zwei Explosionen in der Nähe des Flughafens.

Außerhalb des Flughafens der afghanischen Hauptstadt Kabul ist es zu zwei Explosionen gekommen. Das schrieb der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Donnerstag auf Twitter. In den Explosionen starben laut Pressemeldungen mindestens 60 Menschen, darunter auch 12 US-Soldaten. In den vergangenen Tagen hatte es zunehmend Warnungen vor Terroranschlägen rund um den Flughafen in Kabul gegeben.

https://twitter.com/PentagonPresSec/status/1430888975917453313

Der Verdacht richtet sich auf den örtlichen Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Den IS-Kämpfern in Afghanistan sind die militant-islamistischen Taliban häufig nicht radikal genug gewesen. Der IS und die Taliban sind verfeindet, in der Vergangenheit haben sie sich Gefechte geliefert. Der IS hat in Afghanistan immer wieder schwere Anschläge verübt.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem oder mehreren Selbstmordattentätern und verurteilte die Bluttat als „absolut niederträchtig“. In deutschen Sicherheitskreisen hieß es, dass das Attentat von außerhalb des Flughafens verübt worden sei, nicht von einer oder mehreren Personen, die sich auf das Gelände des Flughafens geschmuggelt hätten, hieß es weiter.

In einem Schreiben des deutschen Verteidigungsministeriums hieß es am Donnerstagabend, dass keine deutschen Soldatinnen und Soldaten bei den Anschlägen verletzt wurden. Der Kommandeur des deutschen Kontingents vor Ort löste „die Notfallpläne für eine Emergency Departure“ aus. „Bis auf zwei Soldaten haben alle deutschen Einsatzkräfte den Flughafen in Kabul verlassen und sind auf dem Weg nach Taschkent,“ informierte das Verteidigungsministerium. Die beiden Soldaten mussten sich Schutzräume suchen und konnten nicht an Bord der deutschen Flugzeuge gehen. Mittlerweile befinden sie sich auch auf dem Weg nach Taschkent.

Hier könnt ihr die Unterrichtung des Verteidigungsministeriums zu den Anschlägen in Kabul lesen

Aus dem deutschen Verteidigungsministerium heißt es, dass alle Soldaten, Angehörige des Auswärtigen Amtes und der Bundespolizei, die dort im Einsatz waren, aus Kabul ausgeflogen seien. „Seit Montag, den 16. August, haben wir damit insgesamt 5347 Personen aus mindestens 45 Nationen evakuiert,“ schreibt das Ministerium. Die, die nach dem letzten deutschen Rettungsflug immer noch in Kabul befinden, will das Ministerium mit einem Call-Center der Bundeswehr und mit dem Einsatz von Militärattachés in den Nachbarländern Afghanistans unterstützen.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und auch Kanzlerin Merkel betonten, dass die Bundesregierung weiter versuchen werde, schutzbedürftigen Menschen die Ausreise zu ermöglichen. „Wir beenden die Luftbrücke mit dem heutigen Tag“, sagte Merkel. „Wir sind mit Hochdruck und Nachdruck dabei, eben Bedingungen auszuhandeln mit den Taliban darüber, wie weitere Ausreisen auch möglich sein werden.“

Tägliche Angriffsversuche auf den Kabuler Flughafen

Der lokale Fernsehsender Tolo-News veröffentlichte auf Twitter Bilder, auf denen zu sehen ist, wie Verletzte in Schubkarren transportiert werden. Ein Augenzeuge erzählte dem TV-Sender, die Explosion sei sehr stark gewesen. Manche Menschen seien ins Wasser gefallen - an einem Gate ist ein langer Wassergraben - und mehrere ausländische Soldaten seien zu Boden gefallen.

Der gut vernetzte afghanische Journalist Bilal Sarwari schrieb auf Twitter, ein Selbstmordattentäter habe sich in einer großen Menschenmenge in die Luft gesprengt. Mindestens ein weiterer Angreifer habe danach das Feuer eröffnet. Sarwari berief sich auf mehrere Augenzeugen in dem Gebiet.

Die Sicherheitslage rund um den Flughafen hatte sich zuletzt noch einmal deutlich zugespitzt. Die Bundeswehr hatte bereits am Dienstag berichtet, das zunehmend potenzielle Selbstmordattentäter der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Kabul unterwegs seien. Ähnlich hatte sich US-Präsident Joe Biden geäußert. Praktisch täglich versuche ein örtlicher Ableger des IS, den Flughafen anzugreifen, hatte er erklärt. Die Terrormiliz sei auch ein „erklärter Feind“ der Taliban. Biden begründete unter anderem mit dieser Terrorgefahr auch sein Festhalten an dem Plan, die US-Truppen bis zum 31. August aus Afghanistan abzuziehen.

Dieser Artikel wird aktualisiert, sobald es weitere Details zu dem Fall gibt.

toh/dpa

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