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Unternehmer Engin Ergün macht Millionen mit Lifestyle-Eistee: "Kunden sprachen mich oft auf Englisch an wegen meines Namens"

·Lesedauer: 7 Min.
Engin Ergün ist Gründer und Geschäftsführer von 4Bro.
Engin Ergün ist Gründer und Geschäftsführer von 4Bro.

Was ist ein Bro? Auf diese Frage hat Engin Ergün gewartet.

Denn der Unternehmer, der unter der Marke "4Bro" unter anderem Eistee mit Bubblegum Aroma und Chips mit Sucuk-Geschmack vertreibt, verkauft nicht einfach nur Getränke und Knabbereien - sondern einen "Lifestyle". Er habe der sogenannten Shishabar Generation ein Gesicht gegeben, so Ergün.

" "4Bro" ist zu einer Plattform für die Gruppe Menschen zwischen 17 und 30 Jahre alt geworden. Diese Gruppe der Bros möchten sich Gehör verschaffen und mit dieser Plattform kriegen sie die Gelegenheit.“, sagt Ergün im Gespräch mit Business Insider.

Der Gründer und Geschäftsführer sieht in seinem Kerngeschäft mit der jungen Zielgruppe ein Kundenpotenzial von bis zu 7,5 Millionen Menschen.

Doch der in Datteln im Ruhrgebiet geborene Ergün hat noch viel vor. Neben dem Eistee- und Chips-Geschäft will Ergün die Begeisterung seiner Zielgruppe noch auf eine andere, lukrative Branche lenken: dem Mobilfunkmarkt. Ergün selbst hat jahrelang in diesem Feld gearbeitet, der Sektor sei seit vielen Jahren eingeschlafen und „null innovativ.“

"Null innovativ" ist etwas, das gegensätzlicher zu "4Bro" nicht sein könnte. Aktuell ist die Marke auf Social-Media ein Hit, mit 239.000 Abonnenten auf TikTok und knapp 2,5 Millionen Likes. Das gehört zur Marketingstrategie des 42-jährigen Deutschtürken, genau wie die App des Unternehmens. Über diese können "Bros" und "Sis", also das weibliche Pendant zum "Bro", Punkte für Nagelstudios, Shishabars oder Barber-Shops sammeln und einlösen. Die App hat über 800.000 Downloads.

4Bro erwirtschaftete innerhalb eines Jahres 20 Millionen Euro und möchte dieses Jahr einen Umsatz zwischen 80 und 100 Millionen erreichen. Auch andere Märkte hat Gründer Ergün im Visier, wie Österreich, Schweiz, Belgien und Frankreich.

Sein Vater kam mit 17 Jahren ganz allein nach Deutschland

Der Vater Ergüns kam mit 17 Jahren aus Zonguldak, einer Stadt an der türkischen Schwarzmeerküste, nach Deutschland. Für die Einreise 1970 hatte man ihn auf seinem Personalausweis volljährig gemacht. Während Ergüns Großvater ein angesehener Geschäftsmann in der Provinz war, wollte sein Vater nach Deutschland, um seine Bildung weiterführen zu können.

Der Vater lebte einige Jahre in den sogenannten „Gastarbeiter"-Heimen. Wenige Jahre später ging er in die Türkei, um zu heiraten und eine Familie zu gründen. Engin Ergün kam 1973 in Datteln im Ruhrgebiet zur Welt. Während seine Eltern in mehreren Schichten arbeiteten - der Vater im Bergwerk, die Mutter in einer Fabrik - passten die deutschen Nachbarn, die Ergün seine „deutsche Oma und Opa" nennt, auf ihn auf. „Als mich mein Vater als ich noch klein war, mit in ein Bergwerk nahm, stand für mich fest, dass ich mein Abitur machen und studieren muss.“, so Ergün.

"Ich war der deutsche Lieblingsenkel für meinen Opa"

Der 4Bro-Chef erinnert sich auch an seine gemeinsame Zeit mit seinem Opa zurück, den er immer in den Schulferien im Sommer besuchte. Er war sein Vorbild als Unternehmer. „Ich war sein ‚deutscher Lieblingsenkel‘, weil ich tausende Kilometer von ihm entfernt gelebt habe. Es hat mich fasziniert, wie er mit seinem kleinen Truck als Vertreter vieler Getränke- und Zigarettenmarken Geschäfte in den umliegenden Dörfern belieferte.“, so Ergün.

Der Opa soll von seinem Vater einen ähnlichen unternehmerischen Spirit erwartet haben, dieser sei allerdings ein echter Anti-Unternehmer gewesen. „Leider leben beide nicht mehr. Ich hätte es mir sehr gewünscht, wenn sie das, was ich aufgebaut habe und für die Zukunft plane, miterlebt hätten.“, so Ergün.

Schon zu seiner Studentenzeit wollte Ergün Unternehmer werden

Nachdem der Vater in Deutschland Fuß gefasst hatte, war sein erstes Ziel, dass Ergün in einer mehrheitlich deutschen Siedlung aufwächst, damit er neben der türkischen Kultur einen besseren Zugang zur deutschen Gesellschaft bekommt. „Mein Vater hat sehr viel Wert daraufgelegt, dass ich studiere. Aber in den 70er-Jahren war es eine große Herausforderung für Familien der sogenannten „Gastarbeiter“ Wohnungen zu bekommen.", erinnert sich Ergün.

Auch für die Deutschen sei es etwas Neues gewesen, mit Menschen zusammenzuleben, die eine andere kulturelle Biografie hatten. Aber in so einer deutschen Siedlung aufzuwachsen, habe ihm die Chance gegeben, beide Kulturen kennenzulernen. „Ich habe mein Abitur gemacht und habe in Dortmund BWL studiert. Schon während meiner Studienzeit war mir klar, dass ich Unternehmer werden möchte“, so Ergün.

Aus seiner Studentenzeit erinnert sich Ergün an die Gespräche in der Uni-Kantine. In der Uni-Mensa habe es zwei Gruppen von BWLern gegeben: solche, die Mehrheit, die über Selbstständigkeit nach dem Studium redete, und die Minderheit, die eher in einem sicheren und geregelten Arbeitsverhältnis sein wollte. "Diese Mehrheit, die den Schritt in die freie Wirtschaft wagen wollte, waren die Studenten mit Migrationshintergrund. Denn diese sind tendenziell etwas mutiger, etwas Neues auszuprobieren.“, sagt Ergün.

Vom Mobilfunkanbieter zur Unternehmensberatung

Doch bevor er selbst Unternehmer wurde, begann auch Ergün erst einmal in einem Angestellten-Verhältnis - beim damaligen Mobilfunkanbieter E-Plus. Da habe er zum ersten Mal erlebt, dass politische Entscheidungen dominanter waren, als kreative Ideen durchzuführen. Doch schnell für ihn stand fest, dass es nicht das war, was er eigentlich machen wollte.

„Als ich im Urlaub meine Shisha rauchte und meinen türkischen Mocca genoss, habe ich einen Anruf erhalten. Es war eine große Beratungsfirma aus Deutschland am Telefon, die mir eine Stelle als selbstständigen Berater angeboten hat. Wie das Schicksal es wollte, hatte ich zum gleichen Zeitpunkt einen Anruf von meinem Arbeitgeber E-Plus bekommen, der mich befördern wollte.“, so Ergün.

Er entschied sich dann für die Selbstständigkeit – obwohl sein Vater alles andere als begeistert war. Als freier Berater sprachen ihn Kunden bei Terminen oft erst einmal auf Englisch an - aufgrund seines Namens in der Annahme, dass er kein Deutsch sprechen könne. Die Sprachbarriere in den Köpfen setzte sich fort: Kunden waren nicht offen, mehrsprachige Konzepte für neue Zielgruppen zu erstellen, obwohl der Markt mehrsprachiger wurde, berichtet Ergün. Da habe er gemerkt, dass man gegen eine Wand redet und wenig Gehör findet.

Deutschlandweite erste türkischsprachige Kampagne

Er ging wieder zurück zu E-Plus und startete die erste deutsche Ethnomarketing-Kampagne mit einem neuen Mobilfunknetz namens „Ay-Yildiz", was "Mond und Stern" bedeutet, also die Symbole der türkischen Nationalflagge darstellt. Das Netz ermöglichte es Türken, günstiger in die Türkei zu telefonieren.

Sie entwickelten türkischsprachige Plakate, welche man überall in Deutschland in den Einkaufsstraßen zu sehen bekam. Auch die Kundenberatungen fanden in der Muttersprache statt. Für Ergün war das eine persönliche Wendung: Er lernte viel über die Community und ihre Bedürfnisse.

Dax-Konzerne als Kunden

Daraufhin folgten auch große Dax-Konzerne wie VW oder Deutsche Bank, die bei Ergün anriefen und Interesse zeigten. „Ich habe dann meine eigene und deutschlandweit erste Agentur für Ethnomarketing gegründet und mein erster Kunde wurde Citibank. Weil die Nachfrage enorm hoch war und die Anfragen zunahmen, wurde ich schnell auch zu einer Werbeagentur, die mehrsprachige Flyer oder Werbefilme erstellte und somit Kunden wie Vodafone, Eon oder aber auch Playstation gewinnen konnte.“, sagt Ergün. Ihm persönlich machte das Marketing zwar Spaß, dennoch galt seine Leidenschaft weiter dem Vertrieb.

Eines Tages kam Ergün aus seinem Sommerurlaub zurück und musste am Flughafen Düsseldorf durch die Zollkontrolle.

„Ein etwas älterer Herr war vor mir und musste seinen Koffer öffnen – der war bis oben hin gefüllt mit Gummibärchen aus der Türkei. Nach der Kontrolle eilte ich ihm hinterher und fragte "Wieso hast du so viele Gummibärchen dabei?", so Ergün. Die Antwort des Mannes: "Weil alle meine Kinder und Nachbarn sie haben wollten."

Schnell war dem Unternehmer klar, dass das ein Markt ist und anstatt nach Hause zu fahren, ging er auf direktem Wege ins Büro, erarbeitete noch am selben Abend ein Konzept für „Halal“ Gummibärchen und schickte es an Haribo. „Prompt kam die Antwort und kurze Zeit später war Haribo deutschlandweit in allen türkischen Supermärkten und Spätkäufen zu erhalten. Mit Haribo kam ich meinem Traum immer näher und wurde zum Großhändler“, erklärt Engin Ergün.

Von da aus war es nicht weit auch zu anderen Herstellern. Im April 2020 startete er dann mit seinem Eistee-Imperium unter der Marke "4Bro". Eine "Baba-Idee", wie seine eigene Zielgruppe es positiv ausdrücken würde. Dabei sei sein Erfolgsgeheimnis eigentlich ganz einfach: Zuhören, was die jungen Kunden wollen - und es umsetzen.

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