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Ukraine-Krieg treibt den Preis für Nickel, einem wichtigen Metall für E-Auto-Batterien — Tesla macht seine Autos bereits teurer

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Mercedes konnte bei den EQS-Batterien den Kobalt-Anteil senken, indem in der Zellchemie mehr Nickel verwendet wird.
Mercedes konnte bei den EQS-Batterien den Kobalt-Anteil senken, indem in der Zellchemie mehr Nickel verwendet wird.

Nicht nur die Rohöl- und Gaspreise sind als Folge von Russlands Einmarsch in der Ukraine durch die Decke gegangen. Auch Nickel hat in den vergangenen zwei Wochen eine echte Preisrallye durchgemacht. Das für die Lithium-Ionen-Batterien von Elektroautos benötigte Metall wurde zeitweise sogar für über 100.000 Dollar pro Tonne gehandelt. Somit war der Preis des Rohstoffs allein am 08. März um 50 Prozent gestiegen, im Vergleich zum Vortag hatte er sich in der Spitze sogar verdreifacht.

Aufgrund der preislichen Turbulenzen wurde der Nickel-Handel an der Londoner Rohstoffbörse daraufhin bis auf Weiteres ausgesetzt. Seit dem achten März liegt der Preis nun bei rund 48.000 Dollar. Zum Vergleich: Im Februar lag der Durchschnittspreis für den Rohstoff, der auch für die Metallbearbeitung essenziell ist, noch bei 25.000 Dollar. 2021 waren es im Schnitt noch 18.500 Dollar. Am Mittwoch, dem 15. März, soll der Handel mit dem Metall wieder aufgenommen werden.

Die Preise sollen langfristig steigen

Seit dem vergangenen Jahr ist der Wert des Metalls insgesamt deutlich gestiegen, weil es als einer der wichtigsten Inhaltsstoffe der zukunftsträchtigen Stromspeicher bei der E-Mobilität und der gesamten Energiewende eine bedeutende Rolle einnehmen wird. Schon im Januar prognostizierte eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) für 2040 einen durchschnittlichen Nickel-Preis von 44.000 Tausend Euro pro Tonne.

Dass dieser Preis jetzt schon Anfang diesen Monat, also bereits achtzehn Jahre früher als prophezeit, geknackt wurde, hängt erwartungsgemäß mit dem Einmarsch von Putins Truppen in der Ukraine zusammen. Die als Antwort darauf vom Westen verhängten Wirtschaftssanktionen richten sich nämlich gegen einen der größten Nickel-Produzenten der Welt.

Russland ist weltweit die Nummer 3

2018 wurden in Russland 272.000 Tonnen des Metalls abgebaut, während die Reserven des flächenmäßig größten Staats der Welt satte 6,9 Millionen Tonnen betrugen. Mit einer Fördermenge von 218.000 lag die Russische Föderation in dem Jahr international auf Platz drei der größten Nickel-Produzenten. Nur Indonesien und die Philippinen bauten noch größere Mengen des Rohstoffs ab.

Die jüngste Explosion des Nickel-Preises bekommen auch die Autokäufer zu spüren. Autobauer wie Mercedes oder Tesla setzen bei ihren neuesten Zellchemien nämlich verstärkt auf das Metall. Indem sie den Nickelgehalt auf teilweise bis zu 80 Prozent erhöht haben, konnten sie den Mangan- und Kobalt-Anteil auf eine niedrige einstellige Prozentzahl senken. Vor allem letzteres Metall gilt als ethisch umstritten, da es bei dessen Abbau immer noch zu Kinderarbeit und Umweltschäden kommt.

2.000 Euro-Steigerung in einem Jahr

Diese Maßnahme rächt sich jetzt aber bei den Produktionskosten. Sie könnten aufgrund der durch die Decke gegangenen Nickel-Preise nämlich deutlich teurer werden. In einer Lithium-Ionen-Batterie mit einer Energiekapazität von 100 kWh, sind laut Bloomberg-Analysten im Schnitt 66 Kilo Nickel enthalten. Im vergangenen Jahr hätte diese Menge durchschnittlich 1.221 Euro gekostet, angesichts des aktuellen Preisniveaus wären es dagegen schon über 3.160 Euro. Eine Kostensteigerung von mehr als 2.000 Euro.

Dass viele Autobauer das Gewicht ihrer Elektrofahrzeuge mithilfe von einem erhöhten Aluminium-Einsatz drücken wollen, könnte sich bei den Produktionskosten bald ebenfalls negativ bemerkbar machen. Bei der Herstellung von Aluminiumlegierungen wird nämlich ebenfalls Nickel benötigt.

2020 kam der erste Weckruf von Elon Musk

Tesla hat als erster Hersteller die Preissteigerungen bei Nickel an seine Kundschaft weitergegeben. Auf ihrem Heimatmarkt haben die Amerikaner die Preise des Model 3 Long Range und des Model Y jeweils um 1.000 Dollar erhöht. Die chinesischen Käufer müssen umgerechnet sogar 1.500 Dollar mehr an den texanischen Autobauer überweisen. Tesla-Chef Elon Musk höchstpersönlich hatte schon im Sommer 2020 auf die Wichtigkeit des Rohstoffs hingewiesen: "Baut bitte mehr Nickel ab", sagte der Tesla-Chef im Rahmen der Verkündung der Finanzergebnisse für das zweite Quartal 2020.

Und in Deutschland? Aus VW-Kreisen hat Business Insider erfahren, dass die Turbulenzen auf dem Nickel-Markt den Konzern vor keine Probleme stellen würden. Die Wolfsburger haben nach eigenen Angaben Lieferverträge, daher sei das Ganze für sie kein Thema.

Alle Hersteller dürften Probleme bekommen

Stefan Bratzel, der Direktor des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, glaubt dagegen nicht, dass der Hersteller dadurch um höhere Kosten rumkommt. "Es mag zwar die ein oder andere Gleit-Klausel geben. Die Preissteigerungen am Weltmarkt werden sich aber auch auf Volkswagen sowie andere Hersteller auswirken, die längerfristige Lieferverträge haben", sagt er im Gespräch mit Business Insider. Die Rohstofflieferanten seien mittlerweile selber starke Player, die sich absichern müssten.

Wie lang die Problematik bestehen wird, lässt sich laut dem Experten kaum sagen: "Die Dynamik des Ukraine-Kriegs und dessen wirtschaftlichen Folgen ist so groß, dass man das aktuell kaum einschätzen kann", meint Bratzel. Die Rohstoff-Problematik, die bereits vor dem Angriff seitens Putins bestand, würde durch den Konflikt aber noch verschlimmert. "Dies ist ein weiterer Grund, warum der Hochlauf der Elektromobilität nicht so schnell wie gewollt vonstattengehen kann. Auch, wenn eine hohe Nachfrage nach den Fahrzeugen da wäre."

Recycling wird auch deshalb immer wichtiger

Dass die anderen Exportnationen die normalerweise in Russland abgebauten Mengen kurzfristig ausgleichen können, hält der Auto-Analyst für unwahrscheinlich: "Man kann zwar versuchen, die ein oder andere Kapazität zu erhöhen, in der Regel ist das aber nicht auf die Schnelle möglich. Man hat immer einen gewissen Zeitverzug drin, weil man ja mehr Abbaukapazitäten und zusätzliche Maschinen braucht." Das Erschließen komplett neuer Vorkommen kann unter Umständen sogar mehrere Jahrzehnte dauern.

Da neben Nickel auch noch andere Rohstoffe, wie beispielsweise Lithium, preislich nach oben tendieren, wird Batterierecycling für die Autobauer immer wichtiger. Damit verbessert man nämlich nicht nur die Klimabilanz der Elektrofahrzeuge. Auf lange Sicht werden die Konzerne auch von Rohstoffproblematiken wie dieser unabhängiger.

Eisenphosphat-Akkus könnten ebenfalls zu einer Entspannung der Lage beitragen. Die von Tesla bereits in der Basisversion des Model 3 eingesetzten Batterien kommen nämlich ohne Nickel sowie Kobalt aus und sind in der Produktion insgesamt deutlich günstiger. Die Technologie geht aber aktuell noch mit Nachteilen bei der Energiedichte, also auch bei der Reichweite einher. Es wird sich wohl zeigen müssen, ob diese Nachteile in den nächsten Jahren durch technische Weiterentwicklungen aus der Welt geschafft werden können.

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