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Stifterverband will Umgang mit Daten zum Teil der Allgemeinbildung machen

Gillmann, Barbara
·Lesedauer: 4 Min.

Der Umgang mit Daten schafft enorme Probleme. Eine „Charta Data Literacy“ von Wirtschaft und Wissenschaft will nun, dass Datenkompetenz Teil von Schullehrplänen wird.

Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts und damit ein Milliardengeschäft. Doch ihre Erhebung, Interpretation und Nutzung wirft viele Fragen auf, vor allem für diejenigen, die nicht professionell mit ihnen umgehen oder mit ihnen Geld verdienen.

Der Stifterverband will mit einer „Charta Data Literacy“ erreichen, dass „Data Literacy“, also Datenkompetenz, „unverzichtbarer Teil der Allgemeinbildung“ wird. Sie sei „der Schlüssel, um Daten systematisch in Wissen zu verwandeln“, schreiben die Initiatoren, die versuchen, Mitstreiter für ihre Forderungen zu gewinnen. Der Stifterverband ist die Organisation der Wirtschaft und zahlreicher Stiftungen für Wissenschaft und Bildung.

Data Literacy sei entscheidend „für gesellschaftliche Teilhabe und Wohlstand in einer digitalisierten Welt“, erklärt Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbands. „Big Data, Künstliche Intelligenz, Internet der Dinge begleiten uns heute schon nicht nur im Berufsleben, sondern sind Teil unserer gesamten Lebenswelt.“ Deshalb sei es wichtig, „die Urteilsfähigkeit, die Selbstbestimmtheit und das Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit großen Datenmengen stärker zu fördern“.

Konkret will der Stifterverband deshalb, dass Datenkompetenz schnell Teil aller Schullehrpläne und Studiengänge wird, heißt es in der Charta, die dem Handelsblatt vorliegt. Zu den Erstunterzeichnern gehören der Digitalrat der Bundesregierung, das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, die Volkshochschulen, Organisationen der Statistiker bis hin zum Statistischen Bundesamt sowie Hochschulen wie die TU Dortmund und die Fernuni Hagen.

Gemeinsames Ziel ist es, die Fähigkeit zu vermitteln, Daten kritisch zu sammeln, zu managen, zu bewerten und anzuwenden. Dazu müsse klar sein, wozu Daten gesammelt werden, wie man sie technisch verarbeiten kann und was dabei erlaubt ist – vom Datenschutz bis zum Urheberrecht. Die Charta soll klären: Was will, was kann, was darf und was soll ich mit Daten machen?

Zentrales Ziel sei, Data Literacy nicht nur Spezialisten und Spezialistinnen, sondern „allen Menschen“ zu vermitteln. Und weil Daten eine wertvolle Ressource sind, hat der Stifterverband in seiner Charta auch den Anspruch formuliert, die Datenkompetenz „zum Wohl von Individuen und Gesellschaft zu nutzen“.

„Ich bin begeistert, wie viele Unterzeichnerinnen und Unterzeichner mit ihrer Unterstützung der Data Literacy Charta klar zum Ausdruck bringen, dass sie etwas beitragen wollen, um Datenkompetenz für alle zugänglich zu machen“, sagt Katharina Schüller, Mitinitiatorin der Charta und Vorständin der Deutschen Gesellschaft für Statistik. „Es wird oft viel zu viel darüber gestritten, ob Maßnahmen umsetzbar sind. Dabei braucht es erst einmal Menschen und Institutionen, die sie umsetzen wollen.“

Die fünf Prinzipien der Charta Data Literacy

Die Charta definiert fünf Prinzipien: Data Literacy müsse allen Menschen zugänglich sein, lebenslang in allen Bildungsbereichen vermittelt werden und jeweils über die Disziplinen und Fächer hinweg vermittelt werden. Zudem sollte sie „den gesamten Prozess der Erkenntnis- und Entscheidungsfindung mit Daten systematisch abdecken“ und schließlich auch „Wissen, Fähigkeiten und Werthaltungen für einen bewussten und ethisch fundierten Umgang mit Daten umfassen“.

Damit stellten sich die Unterzeichner zugleich hinter die vergangene Woche vom Kabinett verabschiedete Datenstrategie der Bundesregierung, die ebenfalls den Ausbau der Datenkompetenz anstrebt. Das Paket von mehr als 240 Einzelmaßnahmen soll die „innovative und verantwortungsvolle Datennutzung“ in Deutschland erhöhen. Dazu gehört, dass Unternehmen und Behörden Daten bereitstellen sollen, damit diese gewerblich genutzt werden können.

Eine mögliche Verpflichtung zum Teilen von nicht personenbezogenen Daten soll über das Wettbewerbsrecht oder eine spezielle Regulierung durchgesetzt werden – jedoch ohne Geschäftsgeheimnisse oder geistiges Eigentum zu verletzen oder den Austausch von personenbezogenen Daten zu erzwingen.

In Deutschland sei der Umgang mit Daten oft mit negativen Assoziationen und Ängsten behaftet, sagte Digitalstaatsministerin Dorothee Bär (CSU) bei der Vorstellung der Datenstrategie. Dabei könnten Daten heute Wertschöpfung, Wohlstand, Innovation und echte Lebenserleichterungen für den einzelnen Menschen bedeuten. Es gehe nicht nur um die Technik, so Bär. Mindestens genauso wichtig seien „die Menschen, wenn wir mit Daten innovativ, bewusst und verantwortungsvoll umgehen und sie nutzen wollen.“

Die 114 Seiten lange Charta fordert nicht nur „leistungsfähige und nachhaltige Dateninfrastrukturen“, woran es vielfach noch mangelt. Der Staat soll danach sogar zum Vorreiter bei der Digitalisierung werden. Vertreter der Wirtschaft und der Opposition hatten zuletzt auf große Defizite bei der Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung hingewiesen.