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Start-ups profitieren von Kapitalhilfen der Regierung

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Die staatliche Förderbank KfW zieht positive Zwischenbilanz. Jungunternehmer nehmen Milliardensumme in Anspruch.

Insgesamt sind rund 1,4 Milliarden Euro an rund 500 junge wachstumsorientierte Unternehmen bewilligt worden. Foto: dpa
Insgesamt sind rund 1,4 Milliarden Euro an rund 500 junge wachstumsorientierte Unternehmen bewilligt worden. Foto: dpa

Die Jungunternehmer in Deutschland greifen in die Geldtöpfe des Bundes, um in der Coronakrise zu überleben. Aus der Kapitalhilfe der Regierung für Start-up-Unternehmen sind über die staatliche Förderbank KfW und ihre Tochtergesellschaft KfW Capital bislang insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro an rund 500 junge, wachstumsorientierte Unternehmen bewilligt worden. Die Bank und ihre Tochtergesellschaft verfügen dafür über zwei Geldtöpfe, die sogenannte „Säule 1“ und „Säule 2“.

Über „Säule 1“, die über die KfW-Tochtergesellschaft KfW Capital und den Europäischen Investitionsfonds EIF abgewickelt wird, wurden nach Angaben der Förderbank bisher 36 Anträge von Venture-Capital-Fonds mit einem Volumen von rund 845 Millionen Euro bewilligt. Die Fonds wollen damit ungefähr 350 junge Unternehmen finanzieren. Dieser Geldtopf zielt auf die Förderung von Start-ups, die Kapital von Venture-Fonds erhalten und nicht von beispielsweise Business-Angels.

Aus „Säule 2“ hat der KfW-Mutterkonzern – und nicht die Tochter KfW Capital – selbst inzwischen Verträge über Globaldarlehen an die Förderinstitute der Länder in Höhe von 522 Millionen Euro abgeschlossen.

Die Länder können daraus dann wiederum selbst Förderprogramme für ihre jeweiligen Regionen bereitstellen. Diese Mittel stehen damit bundesweit flächendeckend zur Verfügung. Aus den von der KfW bereitgestellten Mitteln ist bereits ein Volumen von 129 Millionen Euro zugesagt, von dem aktuell 321 Unternehmen profitieren.

„Die Zahlen zeigen, dass Bund und KfW ihr Wort halten und Start-ups nach Kräften dabei unterstützen, die Folgen der Pandemie abzufedern“, sagt KfW-Vorstandsmitglied Ingrid Hengster. Das System aus den zwei Säulen habe sich gut bewährt.

Finanzierung des Wachstums durch Venture-Capital

In Deutschland lag der Bestand an Start-ups im Jahr 2019 wie im Jahr zuvor bei 70.000. Der Anstieg aus den beiden vorangegangen Jahren hat sich damit nicht fortgesetzt. Deutlich gestiegen ist hingegen der Anteil der Jungunternehmer, die zur Finanzierung ihres künftigen Wachstums auf Venture-Capital zurückgreifen wollen. So plant inzwischen knapp jedes fünfte Start-up und damit doppelt so viele wie im Jahr zuvor, Venture-Capital-Partner einzubeziehen.

Auch die jüngsten Daten des Branchenverbands BVK deuten darauf hin, dass die Krise die deutsche Gründerszene nicht in den Abgrund gestürzt hat. Laut den BVK-Angaben haben Beteiligungsgesellschaften im bisherigen Jahresverlauf 1,02 Milliarden Euro als Venture Capital investiert.

„Ein Covid-19-Einbruch ist im Venture-Capital-Markt erfreulicherweise nicht zu beobachten. Hier dürften auch die schnellen Maßnahmen der Bundesregierung über den Start-up-Schutzschild geholfen haben“, sagt Ulrike Hinrichs, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Verbands.

Zum Vergleich: In den beiden Halbjahren 2019 waren es 0,87 Milliarden beziehungsweise 1,05 Milliarden Euro gewesen. „Mit Blick auf das Gesamtjahr bleibt abzuwarten, ob die Marktdynamik ausreicht, den seit 2015 laufenden Aufwärtstrend bei den Venture-Capital-Investitionen fortzusetzen“, ergänzt Hinrichs.

Mega-Deal wird Statistik beeinflussen

Deutliche Bremsspuren sieht man allerdings bei den Investments in die etablierten Mittelständler und beim Kauf von Konzernteilen. Die sogenannten Buy-out-Investitionen erreichten in den ersten sechs Monaten des Jahres nicht das Niveau des Vorjahres.

Insgesamt 4,44 Milliarden Euro wurden bei Übernahmen investiert und damit deutlich weniger als in den beiden Halbjahren 2019. In der Vergleichszeit des Vorjahres waren es beispielsweise 5,24 Milliarden gewesen. „2019 war allerdings das mit Abstand investitionsstärkste Jahr in Deutschland. Vor dem Hintergrund der Covid-19 Epidemie war klar, dass dieses Investitionsniveau nicht erreicht werden kann“, sagt Hinrichs.

Im dritten Quartal wird die Statistik von einem Mega-Deal gekennzeichnet sein: die im Februar angekündigte und dann letztendlich im Juli abgeschlossene Übernahme von Thyssen-Krupp Elevator durch Finanzinvestoren mit einem Transaktionsvolumen von fast 17 Milliarden Euro.

Insgesamt wurden rund 540 Unternehmen in den ersten sechs Monaten des Jahres mit Beteiligungskapital finanziert, davon gut 360 mit Venture-Capital. Die meist im Mittelstand erfolgten Minderheitsbeteiligungen summierten sich von Januar bis Juni auf 260 Millionen Euro und blieben damit deutlich unter dem Niveau des Vorjahres.