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Daten-Start-up Xpay bietet Firmen-Kreditkarten ab null Euro

Das Münchner Start-up will Firmen die Ausgabe von Kundenkreditkarten erleichtern und wertet dafür Zahlungsströme aus. Nun hat Xpay eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen.

Der Zahlungsdienstleister Xpay hat eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen. Sieben Millionen Euro erhielt das Münchner Start-up von Investoren und will sein Geschäft nun deutlich ausbauen, wie das Handelsblatt erfuhr. Aktuell hat Xpay 80. 000 Endkunden, bis Jahresende soll die Zahl auf eine Million steigen.

Die 2016 gegründete Firma ist klein, wächst aber rasch. Sie ist jetzt nach eigenen Angaben mit 47 Millionen Euro bewertet und agiert in einem Zukunftsmarkt: Xpay hat sich auf die Ausgabe von Prepaid-Kreditkarten spezialisiert. Firmen erhalten diese ab null Euro und können sie an ihre Endkunden ausgeben. Nach der Aufladung können die Kunden mit den Karten bezahlen, sie erhalten Rabatte und Vergünstigungen.

Xpay gibt Mastercard-Karten aus, später soll auch Visa dazukommen. Basis ist die Lizenz des Münchener Zahlungsdienstleisters Wirecard. Geld verdienen wollen die Gründer um Denis Raskopoljac mit Gebühren für die Endkunden, vor allem aber mit der Auswertung von Daten.

„Unsere Mastercard-Kundenkarten ermöglichen es Unternehmen jeder Größe ohne nennenswertes Investment, ihre Kunden über eine eigene Karte günstig an sich zu binden. So können stationäre Händler, aber auch Onlineshops auf Basis von Transaktionsdaten ihren Kunden passgenaue Angebote zur Verfügung stellen“, sagt Raskopoljac.

Die Idee hat sich Xpay von großen Onlineshops wie Amazon und Co. abgeschaut. Eine ihrer Stärken ist der Datenschatz, der beim Onlineshopping anfällt und den die Portale für gezielte Werbung nutzen. Mit Xpay soll das auch der Laden um die Ecke können. „Der Kampf zwischen Amazon und dem Einzelhandel ist noch lange nicht entschieden. Dank Xpay verschieben sich die Chancen wieder zugunsten des Einzelhandels“, so Raskopoljac.

Zum Beispiel könnte ein Sportausrüster mithilfe der Datenanalyse-Tools, die ihm Xpay zur Verfügung stellt, einem Kunden, der gerade einen Strandurlaub gebucht hat, gleich die passende Tauchermaske anbieten.

In einem weiteren Schritt will Xpay seine Karten unter zwei eigenen Marken auch direkt an Endkunden verteilen. Diese müssen der Analyse und Weitergabe ihrer Daten zustimmen, um die Karte nutzen zu können.

Xpay hat mit seiner Idee mehrere Investoren überzeugt. Früh eingestiegen sind verschiedene Family Offices sowie einer der größten deutschen Finanztechnologie-Investoren, Christian Angermayer, der unter anderem an den Start-ups Deposit Solutions und Block.One beteiligt ist. Er sagt: „Xpay hat viele Funktionalitäten von Neobanken wie etwa N26, ohne deren größtes Problem: die hohen Kundengewinnungskosten. Xpay kann durch Partnerschaften mit Einzelhandelsketten schnell viele Nutzer ansprechen.“

Partner Wirecard kommentiert: „Xpay ist eines von vielen innovativen Fintechs, mit denen wir weltweit zusammenarbeiten.“ Angebunden werde es über die digitale Wirecard-Plattform, gemeinsame wolle man das bargeldlose Zahlen vorantreiben.

Zu den ersten Kunden gehört der Prepaid-Kartenpionier Epay, der etwa mit den großen Tankstellenketten zusammenarbeitet. Als Nächstes soll der Lieferdienst Telepizza Kunde werden, weitere Einzelhändler stehen vor dem Abschluss.

Doppelte Marke

Experten wie Carsten Hahn von der Unternehmensberatung Capco sehen das Potenzial des Unternehmens, weisen allerdings auch auf den Knackpunkt des Geschäftsmodells hin: „Die Deutschen haben verstanden, dass ihre Daten eine Währung sind. Der Erfolg hängt davon ab, inwieweit Xpay transparent machen kann, wem Zugriff auf die gesammelten Daten gegeben wird und welchen Mehrwert das für den Kunden schafft“, sagt Hahn.

Bei Vertragsabschluss müssten die Kunden abwägen, „ob es ihnen für eine kostenlose Kreditkarte wert ist, die Hoheit über ihre Daten abzutreten“.

Eine weitere Herausforderung, die das geplante Wachstum von Xpay bremsen könnte, sollte leichter aus der Welt zu schaffen sein: Der geplante neue Bezahldienst der deutschen Banken und Sparkassen soll ebenfalls den Namen „X-Pay“ tragen. Aber da die Münchner ihre Marke als Erste eingetragen haben, sind sie in einer starken Verhandlungsposition.