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Starbucks: LGBTQ-freundliches Werbevideo sorgt für Aufregung

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo

Starbucks wollte sich mit einem Werbevideo als tolerant und weltoffen präsentieren. Doch der Schuss ging nach hinten los. Im Internet werfen Kunden und Mitarbeiter dem Konzern Diskriminierung Anderslebender vor.

Wofür steht Starbucks? (Bild: Getty Images)

Dieser Schuss ging nach hinten los. Die Kaffeekette Starbucks stellt sich in einem aktuellen Werbespot als weltoffen und tolerant gegenüber Anderslebender und -seiender dar. Doch die Selbstdarstellung des Konzerns wird von vielen Kunden, aber auch zahlreichen derzeitigen und ehemaligen Mitarbeitern durchkreuzt. Der allgemeine Tenor: Starbucks ist alles andere als aufgeschlossen gegenüber Normabweichungen.

Werbeclip auf Twitter bringt Starbucks Ärger ein

Stein des Anstoßes war das Werbevideo, das Starbucks auch auf dem sozialen Netzwerk Twitter veröffentlichte. Der Spot zeigt einen Teenager, der offenbar mit seiner sexuellen Identität hadert. In seinem sozialen Umfeld wird der Transjunge mit dem Zwitter-Namen "Jemma" gerufen. Erst an der Theke von Starbucks findet er zu sich selbst. Als der Verkäufer nach seinem Namen fragt, um ihn – wie es Brauch bei Starbucks ist – auf den Kaffeebecher zu schreiben, sagt der Junge: "James".

Auf Twitter schreibt Starbucks zu dem LGBTQ-freundlichen Video: "Bei Starbucks ist es ein Symbol für einen herzlichen Empfang, wenn du deinen Namen auf den Becher schreibst", heißt es in dem Anfang Februar veröffentlichten Kommentar. "Starbucks heißt dich willkommen, wer auch immer du bist." Es folgen der Hashtag #whatsyourname und ein Link, über den sich Interessierte näher über das Thema informieren können.

Alles Lüge?

Alles schön und gut, nur: So richtig abnehmen wollen viele Menschen dem Konzern seine tolerante Haltung nicht. Unter den mehr als 17.300 Retweets auf Twitter haben sich auch viele Nutzer zu Wort gemeldet, die die Botschaft des Videos in Frage stellen. "Ihr kümmert euch einen Dreck um die Namen eurer Kunden", schreibt eine Twitter-Userin, "aber ihr nutzt das Gender-Thema aus, damit wir euren überteuerten Bohnensaft kaufen."

"Starbucks wollte mich bei der Anmeldung (auf der Webseite) nicht meinen Namen ändern lassen, bevor ich ihn nicht legal geändert habe", schreibt ein anderer Nutzer und fügt hinzu. "Sie haben auch den Antrag mehrerer Trans-Mitarbeiter auf eine geschlechtsbestimmende Operation abgelehnt."

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Viele derzeitige und ehemaligen Starbucks-Mitarbeitern stimmen ihm zu. Demnach sei der Konzern nicht nur nicht tolerant, sondern geradezu feindlich eingestellt gegenüber LGBTQ-Menschen. "Wenige Tage, nachdem mein Chef erfahren hat, dass ich trans bin, wurde ich unter fragwürdigen Umständen gefeuert", beklagt ein Nutzer. Seine Beschwerde beim Filialleiter hätte nichts gebracht. Stattdessen wäre jener "bigotte Manager" neuer Leiter geworden.

Ein weiterer Twitter-Nutzer stellt ernüchtert fest: "Ich habe in meinen sieben Jahren bei Starbucks mit mehr transphobischen und homophoben Managern/Schichtleitern gearbeitet als bei jedem anderen langweiligen Bürojob".

So reagiert Starbucks

Starbucks wehrt sich gegen die Vorwürfe. In einer Stellungnahme gegenüber dem Online-Magazin The Daily Dot teilt der Konzern mit, dass die Kommentare auf Twitter "besorgniserregend" seien. Sie würden nicht zu den Werten des Unternehmens passen. Starbucks lege Wert darauf, dass sich "alle Partner willkommen und wohlfühlen, wenn sie ihr komplettes Selbst zur Arbeit mitbringen."

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