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Staat prüft eigenes Vergleichsportal für Kontoentgelte – Grüne wollen Bafin beauftragen

Drost, Frank Matthias
·Lesedauer: 2 Min.

Für Verbraucher gibt es derzeit keine Vergleichswebsite für Kontokosten. Eine staatliche Lösung ist nun denkbar – möglicherweise sogar durch die Finanzaufsicht.

Die Vergleichsplattform von Check24 ist bereits wieder Geschichte. Foto: dpa
Die Vergleichsplattform von Check24 ist bereits wieder Geschichte. Foto: dpa

Die Bundesregierung schließt ein staatliches Vergleichsportal für Kontoentgelte nicht mehr aus. Das geht aus einer Anfrage der Grünen hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Der private Anbieter Check 24 hatte seine nichtkommerzielle Seite kürzlich geschlossen.

Das Vergleichsportal soll den Verbraucher in die Lage versetzen, Kontoentgelte wie Dispozinsen, Überweisungen, Daueraufträge oder Bargeldabhebungen besser zu vergleichen. Nach der EU-Zahlungskontenrichtlinie kann die Vergleichswebsite sowohl von privaten Anbietern als auch von staatlichen Stellen betrieben werden.

Die Bundesregierung hatte für die Umsetzung der EU-Richtlinie allerdings ein kompliziertes Modell gewählt. Erst mit fast zweijähriger Verspätung wurden die Anforderungen erfüllt. Das Vergleichsportal Check 24 durchlief den langwierigen Zertifizierungsprozess. Doch nach fünf Monaten stellte Check 24 seine nichtkommerzielle Vergleichswebsite entnervt ein, nachdem Verbraucherschützer moniert hatten, es würde ein zu geringer Teil des Bankenmarkts abgedeckt, und eine Klage einreichten.

Die Bundesregierung bedaure den von Check 24 vollzogenen Schritt, hieß es in der Antwort. Verschiedene Optionen würden nun geprüft. Dabei sei die Einrichtung eines staatlichen Vergleichsportals eine der möglichen Optionen. Gleichzeitig räumte die Bundesregierung ein, dass insbesondere private Anbieter hier über eine erhebliche Expertise verfügten.

Der Finanzexperte der Grünen, Stefan Schmidt, warnte die Verantwortlichen vor falschen Konsequenzen nach dem Rückzug von Check 24. „Ich halte es für einen systematischen Fehler, einen privaten Anbieter für die Organisation eines neutralen Vergleichsportals für Kontoentgelte zu beauftragen“, sagte Schmidt. „Welchen Anreiz sollte es für private Anbieter geben, eine Vergleichswebsite anzubieten, ohne nicht irgendwie davon zu profitieren?“

Staatliche Lösung ist gewollt

Einen möglichen Anbieter des Portals haben die Grünen bereits im Auge. Seine Partei fordere die Bundesregierung auf, so Schmidt, „schnell zu prüfen, ob eine öffentlich-rechtliche Organisation wie beispielsweise die Finanzaufsicht Bafin die Aufgabe übernehmen könnte“. Bereits jetzt würde die Bafin die Entgelte für die Basiskonten überprüfen. Auch Verbraucherschützer setzen sich für eine staatliche Lösung ein.

Check 24 hatte nach eigenen Angaben die Kontoentgelte aller großen Banken abgedeckt, dazu die 50 größten Onlinebanken, alle PSD-Banken sowie die großen Sparkassen und Volksbanken. Gemessen an der Anzahl der rund 1700 Banken sind das zwar nur rund ein Drittel, doch entfallen 80 Prozent der Bilanzsumme auf die Institute, die Check 24 erfasst hat.

Damit erfüllte das Portal die Vorgaben. Das reichte den Verbraucherschützern allerdings nicht aus. Zudem bemängelten sie, dass häufig nur ein Kontomodell der entsprechenden Banken herangezogen wurde.