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Sophia Thiel über ihr Startup: „Damals hätte ich so eine App gebraucht, wie wir sie machen wollen"

·Lesedauer: 5 Min.
Sophia Thiel und Raphael Birchner sind sind seit eineinhalb Jahren ein Paar und haben gemeinsam gegründet.
Sophia Thiel und Raphael Birchner sind sind seit eineinhalb Jahren ein Paar und haben gemeinsam gegründet.

Irgendwann habe sie mit dem Druck nicht mehr umgehen können und sich eine Auszeit genommen, sagt Sophia Thiel. Die stets gut gelaunte Fitness-Influencerin aus dem oberbayrischen Rosenheim kehrte ihren Followern zwei Jahre lang den Rücken, um sich um ihre geistige Gesundheit zu kümmern. Diagnose: Bulimia Nervosa, auch Ess-Brech-Sucht genannt. Ein Wort, dass sie lange nicht habe aussprechen können, sagt Thiel.

Nun gründet die 26-jährige mit ihrem Partner Raphael Birchner das Startup SR-Health, dass die mentale Gesundheit in den Fokus nehmen soll. Aktuell arbeite das Paar an einem Prototyp einer App. Das Motto: Schluss mit Stigmen rund um die eigene Psyche. Die beiden wollen Nutzern sozialer Medien das Thema „Mental Health“ schmackhaft machen und dazu andere Influencer in das Projekt einbinden. Gründerszene hat nachgefragt, wie das funktionieren soll.

Sophia und Raphael, wie kam es dazu, dass ihr beide nun ein Mental-Health-Startup gründet?

Sophia Thiel: Ich bekomme jeden Tag Nachrichten, in denen mir vorwiegend Frauen sagen, wie sehr sie leiden und dass sie eventuell auch eine Essstörung haben. Die Hemmung, sich über solche Dinge zu informieren oder über professionelle Hilfe nachzudenken, ist leider noch sehr groß. Ich spreche da aus Erfahrung: Bevor ich professionelle Hilfe in Anspruch nahm, habe ich versucht, mir auf eigene Faust zu helfen. Aber irgendwann hat das nicht mehr ausgereicht. Damals hätte ich so eine App gebraucht, wie wir sie machen wollen.

Raphael Birchner: Bei mir war es so: Ich kannte lange nur Liebe und Hass, alles dazwischen war für mich schwierig. Als ich dann zur Psychotherapie gegangen bin, habe ich das erste Mal eine Gefühlsanalyse gemacht und meine körperlichen Signale besser kennengelernt. Unsere App soll Menschen dazu animieren, sich viel früher mit ihrer mentalen Gesundheit auseinanderzusetzen, um den riesen Druckfaktoren im Leben standzuhalten.

Sophia, hast du als Influencerin nicht auch selbst deine Zuschauerinnen und Zuschauer mit Fitness- und Kochvideos unter Druck gesetzt?

Thiel: Mit den Videos wollte ich hauptsächlich motivieren. Ich habe immer alles mit vollem Herzen gemacht und nicht, um Leute hinters Licht zu führen. Von meinem täglichen Trainingspensum haben sich manche vielleicht unter Druck gesetzt gefühlt, das kann sein. Letztendlich habe ich nach außen hin immer etwas anderes empfohlen, als ich tatsächlich selbst getan habe. Ich dachte, dass ich entsprechend aussehen muss, um ein Vorbild sein zu können. Ich führte quasi ein geheimes Doppelleben, unter dem ich immer mehr gelitten habe.

Warum wollt ihr kein Medizinprodukt sein und Nutzern Therapien anbieten, so wie etwa Selfapy?

Birchner: Entweder entscheidest du dich für eine Therapie oder nicht. Aber es fehlt noch ein Tool, das einen sanften Einstieg in die Materie ermöglicht. Das wollen wir sein. Auch für diejenigen, die lange auf einen Therapieplatz warten müssen und unsere App als Überbrückung nutzen.

Thiel: Wir wollten eben keine Online-Therapie anbieten, weil wir die früher selbst gar nicht in Anspruch genommen hätten. Die Hemmungen waren da einfach zu groß. Daher haben wir uns gefragt, wie man dieses Hindernis für Betroffene minimieren kann.

Wie genau wollt ihr eure Nutzer an das Thema mentale Gesundheit heranführen?

Birchner: Unsere App soll verschiedene Module haben, zum Beispiel Mind, Body, Soul und Motivation. In denen sollen Influencer als Testimonials zu Wort kommen und aus eigener Erfahrung sprechen. Dazu soll es dann jeweils noch einen Psychologen geben, der das Ganze aus professioneller Sicht betrachtet. Wir trennen in unserem Konzept zwischen Influencern, die eine bestimmte Situation durchlebt haben und Psychologen, die einen wissenschaftlichen Hintergrund haben. Das eine schafft Nahbarkeit, das andere schafft Vertrauen.

Du wärst dann also ein Testimonial in der App, Sophia?

Thiel: Ja, ich werde über meine eigenen Erfahrungen sprechen. Etwa darüber, wie sich die Essstörung bei mir aufbauen konnte, was aufrechterhaltende Faktoren waren, wie ich es hätte besser machen können und wie ich letztendlich meinen Weg da herausgefunden habe. Nutzer sollen dabei anfangen, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren, um dann vielleicht festzustellen, dass es Parallelen gibt. Die Leute sollen sehen: Hey mein Idol ist auch nur ein Mensch und hat ähnliche Herausforderungen wie ich. Wir brauchen eine Bewegung, um die Scheinwelt auf Social Media zu entkräften.

Mit welchen Influencern wollt ihr zusammenarbeiten?

Birchner: Das dürfen wir noch nicht verraten.

In Youtube-Kommentaren wurde euch vorgeworfen, dass ihr keine psychologische Ausbildung habt. Was sagt ihr dazu?

Thiel: Wir arbeiten mit Psychologen zusammen, weil wir wissen, dass wir keine solche Ausbildung haben. Wir wollen Menschen mit echten Geschichten einbinden, denn als Hilfesuchender kann man das von einer Person, die das schon mal durchlebt hat, besser aufnehmen als von jemandem, der das nur studiert hat. Außerdem haben wir nie gesagt, dass das Produkt nur allein von uns kommt. Wir sind zwar die Gründer, aber natürlich haben wir auch ein professionelles Team hinter uns.

Was werden Hilfesuchende für euren Service zahlen müssen?

Birchner: Das Preismodell wird erschwinglich sein. Wir möchten so vielen Menschen wie möglich helfen.

Wie wollt ihr das Geschäftsmodell skalieren?

Birchner: Wir müssen schauen, ob wir ein Abo-Modell einführen. Idealerweise können Nutzer monatlich kündigen.

Thiel: Das Produkt soll wachsen, indem immer wieder neue Inhalte erstellt werden, etwa in Form von Video-Animationen oder Übungsaufgaben. Mithilfe von Livestreams wollen wir auch den Community-Gedanken fördern.

Nun beschäftigst du dich auch noch beruflich mit mentaler Gesundheit, Sophia. Andere Betroffene wären froh, wenn sie ein paar Stunden am Tag an etwas anderes denken könnten. Könnte das nicht auch für dich zum Problem werden?

Thiel: Obwohl ich das schlimmste eigentlich schon überstanden habe, ist es ganz normal, dass alte Verhaltensmuster wieder hochkommen werden. Das ist bei vielen so, die in therapeutischer Behandlung sind. Wenn es mir wieder schlechter gehen sollte, bin ich froh, dass ich jede Woche oder jede zweite mit meiner Therapeutin sprechen kann. Das hilft mir, meine Gedanken zu sortieren.

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