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In Sommerschulen sollen Kinder die Lernlücken der Corona-Zeit schließen – doch der Lehrerpräsident warnt

·Lesedauer: 5 Min.
Kurze Programme im Sommer sollen Lernlücken schließen
Kurze Programme im Sommer sollen Lernlücken schließen

In der Corona-Pandemie hat wohl kaum eine Gruppe so gelitten wie Kinder und Jugendliche. Seit dem Frühjahr 2020 gab es immer wieder Wechsel- und Digitalunterricht, oft kurzfristig angesetzt. Hinzu kamen Probleme bei der Ausstattung mit Laptops und digitalen Lernplattformen. Richtiger Unterricht war viele Wochen lang nicht möglich, auch der Kontakt mit Gleichaltrigen fehlte. Um den negativen Auswirkungen dieser Zeit zumindest ein wenig entgegenzuwirken, haben mehrere Bundesländer Sommerschulen eingerichtet, in denen die Kinder verpassten Stoff aufholen. Dafür nehmen Bund und Länder zwei Milliarden Euro in die Hand.

Das Land Berlin stellt dafür 5000 Plätze für die Klassen 1 bis 3 sowie 7 und 8 zur Verfügung. Für die Jahrgangsstufen 9 und 10 sowie für die gymnasiale Oberstufe gibt es noch einmal 2400 Plätze. Bei den jüngeren Schülern sei die Nachfrage nach dem zweiwöchigen Kurs sogar noch größer gewesen als das Angebot, bei den älteren Schülern etwas geringer. Am Ende rechnet man mit 7250 Teilnehmern, das gesamte Programm soll 5,3 Millionen Euro aus der Landeskasse kosten.

In Hamburg rechnet man mit rund 10.000 Teilnehmern, teilt die Schulbehörde mit. Etwa fünf bis zehn Prozent der Schüler würden bei dem freiwilligen Angebot mitmachen, heißt es. Wie in anderen Ländern auch gibt es die Möglichkeit, sich gezielt auf den Übergang auf eine weiterführende Schule oder auf einen Abschluss vorzubereiten. In Baden-Württemberg schätzt man, das 61.000 Kinder und Jugendliche an dem Programm "Lernbrücke" teilnehmen werden. Dabei liege der Fokus auf den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Fremdsprache. Bei vier Unterrichtsstunden pro Tag soll Stoff aufgeholt und wiederholt und gezielt an Lernschwierigkeiten gearbeitet werden. Auch um die Förderung im "sozial-emotionalen Bereich" will man sich kümmern, etwa um Lernblockaden zu lösen.

Bei diesen Programmen geht es jedoch nicht allein darum, Schulwissen zu vermitteln. Aus dem bayerischen Kultusministerium heißt es, man wolle es möglich machen, „Gemeinschaft erleben" zu können. Besonders wegen der Corona-Zeit seien Kontakte für Schüler besonders wichtig.

Gutscheine für private Nachhilfe

In Schleswig-Holstein will man sich auf die Schulen konzentrieren, die besonders viel Distanzunterricht im vergangenen Schuljahr hatten und in denen es viele Kinder mit ausländischen Wurzeln gibt. Neben den Kernfächern soll es auch Angebote in den Bereichen Sport, musikalische und kulturelle Bildung geben. Daneben will das Land Schülern auch Gutscheine für private Nachhilfe von bis zu 30 Stunden zur Verfügung stellen.

Wer die Sommerprogramme leitet, ist durchaus unterschiedlich. Unter den 1.700 Freiwilligen für die Sommerschule in Rheinland-Pfalz sind drei Viertel Lehramtsstudierende, wie das zuständige Ministerium mitteilt. Auch Referendare, pensionierte Lehrer und Betreuer aus Ganztagsschulen sind dabei. In Schleswig-Holstein sind je nach Angebot auch Künstler, ältere Schüler sowie das Personal von Museen und anderen Institutionen eingebunden, ebenso wie reguläre Lehrer.

Doch nicht in allen Bundesländer machen die Schüler im Sommer Extra-Schichten. Mecklenburg-Vorpommern bietet keine Sommerschule an. Stattdessen können Schulen individuell Ferienprogramme erarbeiten, zudem übernimmt das Land die Kosten für private Kurse. Das Angebot reicht dabei von regulärem Unterricht bis zu Schwimmkursen. Einen Schwerpunkt legt man zudem auf die psychologische Gesundheit von Kindern. Beratungsangebote, auch für Eltern, sollen ausgebaut werden. Sachsen geht einen ähnlichen Weg: Eine klassische Sommerschule werde es nicht geben, heißt es. "Schüler, Lehrer und Eltern haben sich jetzt eine Zeit des Durchatmens verdient", teilt das Kultusministerium mit. Daher sollen die meisten Angebote wie gezielte Förderung erst nach den großen Ferien starten.

Da nicht alle Länder Sommerkurse anbieten, stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie schließt man die Lernlücken der Coronazeit am besten? Heinz-Peter Meidinger hat große Zweifel am Konzept der Sommerschulen. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes sagt Business Insider: "Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Einen Verdurstenden wird das nicht retten." Für jeden Schüler seien in der Pandemie zwischen 350 und 900 Stunden Präsenzunterricht ausgefallen. "Das kann man nicht mit einem zweiwöchigen Sommerkurs ausgleichen", sagt Meidinger. Die Politik schaffe eine Erwartungshaltung, die nicht erfüllbar ist.

Allein die geschätzten Teilnehmerzahlen zeigen: Die Sommerschulen werden nur einen geringen Anteil der rund 10 Millionen Schülern in Deutschland erreichen. Ein weiteres Problem: Die Sommerschulen werden häufig nicht diejenigen nutzen, die sie am meisten brauchen, sondern diejenigen mit "bildungsaffinen Eltern", wie er es ausdrückt.

Was aber kann man stattdessen tun? Meidinger sagt: "Das Aufholen klappt nur über die Langstrecke, nicht über den Sprint." Die nächsten ein bis zwei Schuljahre müsse es andere Angebote geben, gezielte Förderung für jedes Kind und jeden Jugendlichen mit auffälligen Defiziten – und zwar verpflichtend zusätzlich zum regulären Unterricht.

Und was wollen die Schüler? Dario Schramm, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, hatte bei den Schulministern der Länder für die Sommerschulen geworben. Vom Konzept ist er überzeugt, sagt im Gespräch mit Business Insider jedoch: "Das Angebot könnte noch deutlich breiter und besser sein." Doch auch er glaubt nicht, dass die Rückstände bald aufgeholt sind. "Wir brauchen mehr Geld für individuelle Nachhilfe, gerade für Kinder mit schwachem wirtschaftlichen Hintergrund."

Klar scheint: Mit dem gegenwärtigen Kurs wird es nicht gelingen, die Defizite der Pandemie auszugleichen. Lehrerpräsident Meidinger glaubt, dass man die Konsequenzen in einigen Jahren sehen werde. Er sagt: "Ich fürchte, es wird mehr Studienabbrecher geben, zahlreiche junge Menschen werden trotz Schulabschluss nicht die notwendigen Kenntnisse haben, um eine Ausbildung erfolgreich abzuschließen." So droht Corona einen Schatten auf das Leben der aktuellen Schülergeneration zu werfen – lange, nachdem die Pandemie vorbei ist.

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