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Was soll eigentlich der ganze Hype um die Kryptowährung?

Plötzlich reden alle darüber: Bitcoins & Co. sind zum großen Gesprächsthema geworden. (Bild: AP)

In der Zeitung, der „Tagesschau“ oder bei Gesprächen in der Lieblingsbar: Das Thema „Kryptowährung“ ist mittlerweile aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Was es mit Bitcoins & Co. auf sich hat und ob es sich lohnt, sich näher damit zu beschäftigen, erfahren Sie hier!

Es gibt ein neues Lieblingsgesprächsthema, das nichts mit Serien oder dem Thermomix zu tun hat, aber genauso unausweichlich scheint: Kryptowährung. Bis vor rund zwei Jahren noch eher der nerdigen Computerszene zuzuordnen, beschäftigt sich nun auch die „Bild“-Zeitung fast täglich mit Bitcoins & Co. und auch die „Tagesschau“, die sich von vielen anderen Trends gänzlich unbeeindruckt zeigt, berichtet regelmäßig über Gefahren, Kurse und Meinungen von (selbsternannten) Experten. Wer bislang verständnislos gelauscht, aber brav mit den Kopf genickt hat, um sich nicht anmerken zu lassen, dass er von diesem Thema keine Ahnung hat, kann sich hier einen groben Überblick über die scheinbar unausweichliche digitale Währung verschaffen.

Basis-Wissen in 30 Sekunden: Was ist Kryptowährung?

Im Bereich Kryptowährung ist zwischen unterschiedlichen Phänomenen zu unterscheiden. Das Flagship Bitcoin dürfte dabei inzwischen allseits bekannt sein, während bei Monero, Litecoin, Ethereum oder Iota in Gesprächsrunden eher mit ungläubigen Blicken zu rechnen ist. Gemeinsam haben die meisten, dass sie entweder im Internet auf „Börsen“, beziehungsweise sogenannten Exchanges oder Online-Wallets, aber auch privat auf dem heimischen Computer (Hot-Wallet) oder gar mittels QR-Code auf einem Stück Papier (Cold-Wallet) aufbewahrt werden. Nichts anderes also als das Internetbanking oder das dörfliche Sparkassenkonto im Kontrast zur Lagerung von Cash unter der heimischen Matratze.

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Die digitalen Währungen können mit mobilen Apps sowohl online als auch persönlich für Transaktionen genutzt werden. Bitcoins & Co. werden selbst oder in „Mining-Pools“ geschürft. Das bedeutet: Computer berechnen die Währung mit Verschlüsselung über komplizierte Algorithmen, graben also nach digitaler Kohle (mining). Hinter dem Bitcoin beispielsweise steckt die sogenannte Blockchain-Technologie: ein webbasiertes, dezentralisiertes, öffentliches Buchhaltungssystem, das alle Bitcoin-Transaktionen abspeichert, die jemals getätigt wurden. Kryptowährungen existieren getrennt von allen globalen Währungen, die täglich gehandelt werden – ihr Wert ist davon unabhängig. Aus diesem Grund ist der Begriff „Kryptowährung“ auch teilweise irreführend, da die digitalen Coins auch immer öfter als Anlage wie zum Beispiel Immobilien oder Gold angesehen werden, wenn auch das Anlagerisiko im letzteren Falle deutlich konservativer ist.

Warum wird so ein Wirbel um die Kryptowährung gemacht?

So kompliziert die Hintergründe der Digitalwährung sind, so einfach ist der Trend zu erklären: Im Jahr 2017 stieg der Bitcoin-Kurs um 1.400 Prozent. Wer also schon ziemlich früh in die Digitalwährung investiert hat, konnte richtig viel Geld verdienen. So wurden auf einmal viele (wahre) Geschichten über Menschen publik, die quasi über Nacht zum Bitcoin-Millionäre wurden.

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Doch es gibt ebenso viele Storys ohne Happy End – beispielsweise die des 32-jährigen Briten James Howells, der zu Beginn der Bitcoin-Ära 7500 Bitcoins sammelte, dann aber leider seine Festplatte entsorgte – und sie heute noch auf der Müllkippe sucht. Denn: Seine Bitcoins waren zwischenzeitlich rund 80 Millionen Euro wert. Wo es so gute Geschichten gibt, gibt es immer auch Medien, die diese aufgreifen. Damit hat der Bitcoin schnell an Popularität gewonnen.

Die größten Vorteile der Kryptowährung

Ein entscheidender Vorteil der Kryptowährung: Die Kontrolle liegt nicht etwa bei einem Finanzinstitut, sondern bei den Nutzern der Währung selbst. Zudem sind die digitalen Transaktionen zu Unternehmen oder Dienstleistern um ein Vielfaches schneller möglich. Während eine Standard-Überweisung von Bank zu Bank beispielsweise bis zu vier Tage dauern kann, können Bitcoins in bis zu fünf Minuten den Besitzer wechseln. Korrespondenzbanken und der Umtausch fallen bei der Zahlung mit Kryptowährung weg und machen den Vorgang damit wesentlich schneller, so die Hoffnung vieler Anhänger. Die Wege der digitalen Währung sind zwar für alle einsehbar, aber anonym.

Im Dezember wurden sogenannte Futures auf den Bitcoin an der US-Terminbörse CBOE in den Handel aufgenommen. (Bild: AP)

Das sind die Gefahren der Kryptowährung

Der große Vorteil der Anonymität ist bei der Kryptowährung auch der oft aufgeführte Nachteil: Nutzer könnten beispielsweise Drogen oder Waffen kaufen, ohne dass dies für die Polizei nachvollziehbar wäre, lautet eine der viel geäußerten Sorgen. Ganz ohne Gebühren kommt auch die Kryptowährung nicht aus. Denn die Überweisung von beispielsweise Bitcoins zieht eine Transaktionsgebühr nach sich, welche je nach Überweisungsaufkommen stark variieren kann.

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Unangreifbar sind die Online-Plattformen leider auch nicht: So gelang es Hackern im August 2016, Bitcoins auf der Bitcoin-Tauschbörse Bitfinex im Wert von 58 Millionen Euro zu stehlen, was den Kurs zeitweise um 20 Prozent drückte. Viele Finanzexperten und Politiker warnen ausdrücklich vor der mangelnden Regulierung der digitalen Währung, was jedoch für die Befürworter das wichtigste Alleinstellungsmerkmal ist. Digitale Währungen sind immer wieder massiven Kursschwankungen ausgesetzt. Der Bitcoin fluktuierte schon mal um 30 Prozent – und zwar innerhalb eines Tages.

Wie kann ich Kryptowährung kaufen?

Es gibt zahlreiche Plattformen, auf denen Bitcoins, Ethereum, Iota & Co. gehandelt und gekauft werden können. Dabei gibt es zwei wesentliche Unterschiede:

1. Kryptowährung handeln

Zum einen können die Kryptowährungen über einen CFD-Broker gehandelt werden – das ist vor allem für all diejenigen interessant, denen der anonyme Aspekt weniger wichtig ist. Denn: Auf den Plattformen müssen sich Käufer durch Personalausweis und Meldebescheinigung offiziell registrieren. Die Kontoeröffnung dauert rund zehn Minuten, eingezahlt werden können alle gängigen Währungen wie Euro oder Dollar via Kreditkarte, PayPal oder Sofortüberweisung. Diese können anschließend zum aktuellen Kurs in die Kryptowährung eingetauscht werden. Über diesen Weg partizipieren Investoren direkt an den Kursen der digitalen Währung, besitzen diese aber nicht im physischen Sinne.

2. Kryptowährung besitzen

Der große Vorteil, die Kryptowährung tatsächlich zu besitzen, besteht darin, dass Käufer jederzeit ein Konto eröffnen können, ohne Nachweise erbringen zu müssen. Weil die Konten weder einem Namen noch einer Adresse zugeordnet sind, lassen sich Überweisungen komplett anonym tätigen. Um Bitcoins & Co. tatsächlich zu erwerben, gibt es unterschiedliche Wege, die sich je nach Kryptowährung unterscheiden. Die Grundvoraussetzung dafür ist jedoch immer der Besitz einer Wallet. Jede Wallet besteht aus einer langen Zeichenkette, die nur einmal existiert und das Guthaben des Käufers speichert. Neben der Möglichkeit, die Wallet auf dem Smartphone oder Desktop zu nutzen, gibt es auch reine Online-, Offline – oder Hardware-Wallets.

Sollte ich heute noch in Kryptowährung investieren?

Die wohl wichtigste Frage für Einsteiger ist wohl auch die umstrittenste. Während beispielsweise „wallstreet-online.de“ drei gute Gründe zum Kauf von Kryptowährung aufzählt (mutmaßlicher Aktien-Crash in den nächsten Jahren, zunehmende Akzeptanz an den Börsen, reichliche Liquidität der Marktteilnehmer) und die dänische Saxo Bank dem Bitcoin noch einen Anstieg auf 60.000 US-Dollar voraussagt, raten beinahe täglich Finanzexperten und Politiker vom Kauf ab. Sie vergleichen den großen Trend oftmals mit der Tulpenblase.

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Wegen den extrem starken Kursschwankungen sehen Skeptiker Bitcoins also nicht als Währung an, sondern sprechen von einem reinen Spekulationsobjekt. Wer den Vergleich mit den holländischen Tulpen ernst nimmt, darf allerdings Optimismus hegen – schließlich ist Holland heute in Sachen Blumen globaler Markführer. Prinzipiell tut wahrscheinlich jeder gut daran, die Investitionen in dem Maße zu tätigen, das auch für Aktien gilt: Der Verlust sollte stets einkalkuliert und verkraftbar sein.

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