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So will Lyxor den ETF-Markt aufrollen

Der französische Vermögensverwalter will mit Indexfonds deutsche Privatkunden gewinnen. So könnte Lyxor auch den starken Verlust an Marktanteilen wettmachen.

Rund 40 Mitarbeiter des Vermögensverwalters Lyxor Deutschland sitzen jetzt im 22. Stock eines Frankfurter Hochhauses in der Neuen Mainzer Straße. Die meisten betreuten früher für die Commerzbank börsengehandelte Indexfonds (ETF) oder computergesteuerte Anlagemodelle für Großinvestoren. An diesem Mittwoch geht die Sparte offiziell an die Société Générale über. Vor über einem Jahr hatte die Bankenmutter des französischen Asset-Managers die Vermögensverwaltungsaktivitäten des deutschen Geldinstituts mit rund 16 Milliarden Euro Kapital gekauft.  

„Jetzt sind rund zwei Jahre Integration beendet“, sagte Arnaud Llinas, Leiter der Lyxor-ETF-Sparte, dem Handelsblatt. Lyxor Deutschland wird künftig gemeinsam von Guillaume de Martel und Thomas Timmermann geführt. Llinas plant einen Neustart des Geschäftes. „Unser Ziel sind vor allem die deutschen Privatanleger; ohnehin ist Deutschland der wichtigste ETF-Markt in Europa“, unterstreicht er. Gefeiert hat er das Vorhaben mit den Mitarbeitern bereits am Dienstag.

Die Jubelstimmung fällt in eine schwierige Zeit für Lyxor. Der drittgrößte ETF-Anbieter in Europa hatte in den vergangenen zehn Jahren massiv an Einfluss verloren. Der Marktanteil sank um zehn Prozentpunkte auf etwas über sieben Prozent. Und immer wieder war spekuliert worden, die Lyxor-Muttergesellschaft Société Générale könnte die Tochter vielleicht verkaufen.

Llinas geht diese Punkte im Gespräch offensiv an. Mit rund 75 Milliarden Euro ETF-Kapital sei die Sparte schon wieder spürbar gewachsen. Und im künftigen deutschen Vorsorgemarkt wolle er dank der guten Verbindungen der Commerzbank zu Privatanlegern punkten.

„Bei diesen Kunden wollen wir die Nummer eins unter den ETF-Markennamen werden“, sagt Llinas. Das klingt kühn, hat doch bereits der weltgrößte Asset-Manager Blackrock auf dem knapp 700 Milliarden Euro großen europäischen ETF-Markt einen Marktanteil von fast 50 Prozent, zumindest was die Kapitalverteilung angeht.

„Ich habe von diesem Deal schon seit zehn Jahren geträumt“, sagt Llinas mit Blick auf die Commerzbank. Die Frage, ob mit der Neuaufstellung auch die Gerüchte über einen möglichen Verkauf durch die Mutterbank vom Tisch sei, könne er nicht beantworten: „Da bin ich der falsche Ansprechpartner.“

Llinas prognostiziert für den europäischen ETF-Markt in den kommenden Jahren ein Wachstum von jährlich 15 Prozent. „Für uns planen wir mehr“, sagt er. Gerade in Deutschland sieht er sich mit der Vertriebskraft der Commerzbank gut aufgestellt. Die Expertise der sogenannten Market Maker komme dazu. Diese Spezialisten machen an der Börse Kursangebote, zu denen Anleger ETF kaufen und verkaufen können.

Bei den Produkten plant Lyxor die Zusammenlegung von rund 50 Fonds im ersten Halbjahr kommenden Jahres. In diesen Fällen würden sich die bisherigen Angebote von Lyxor und Commerzbank überschneiden. Aus der Gebührenperspektive werde man sich dann für die jeweils preiswertere Variante entscheiden.

Großes Potenzial sieht der Lyxor-Stratege in den ETF-Angeboten, die wie Mischfonds eine umfassende Vermögensverwaltung in einem Produkt bieten. Von solchen Produkten gebe es bisher wenige: „Und genau die haben Zukunft im Geschäft mit Privatkunden.“

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