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So können Anleger Kryptowährungen kaufen

·Lesedauer: 5 Min.

Trotz starker Kursschwankungen hält der Krypto-Hype an. Ein Überblick, was Anleger bei Investments in Bitcoin und Ripple beachten sollten.

Anleger können entweder in Kryptowährungen investieren oder sich selbst Münzen anschaffen. Foto: dpa
Anleger können entweder in Kryptowährungen investieren oder sich selbst Münzen anschaffen. Foto: dpa

Spätestens seitdem Facebook mit dem Libra-Projekt den Schritt in die Krypto-Welt wagt, sind die virtuellen Währungen bekannt. Um Bitcoin, Ethereum und Ripple hat sich in den vergangenen Jahren eine große Kryptoszene formiert.

Mehr als 3000 solcher Digitalwährungen sind bereits im Umlauf – Tendenz steigend. Entstanden sind sie 2008 kurz nach der Finanzkrise. Denn das Vertrauen in Banken ist seitdem rapide gesunken.

Immer mehr Menschen sehen in der Blockchain-Technologie die Zukunft unseres Bezahlsystems. Einige von ihnen hoffen, mit Investments in die Währungen Rendite zu erzielen. So verlassen Bitcoin und Co. allmählich die libertär-anarchistische Nische und etablieren sich als Anlageoption.

Doch wie funktioniert der Handel mit dem Asset Kryptowährungen – und welche Risiken bestehen bei einem Investment?

Es gibt verschiedene Wege, um Bitcoin und andere Kryptowährungen zu kaufen. Im Grunde gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder können Anleger von der Wertentwicklung der Coins profitieren oder sie kaufen tatsächlich Münzen.

Wo kann ich Kryptowährungen kaufen?

Wer die zweite Option wählt, kann das auf zwei verschiedene Arten tun: Erstens können sich Anleger über Kryptobörsen – auch Krypto-Exchanges genannt – wie Binance oder eToro mit dem digitalen Geld eindecken. Dort können Anleger nach Kontoeröffnung ihr Fiat-Geld, so werden Währungen wie Euro oder Dollar im Fachjargon genannt, gegen Kryptogeld eintauschen. Es lassen sich auch nur Bruchteile eines Coins erwerben, da beispielsweise derzeit 1 Bitcoin mehr als 9000 Euro kostet.

Im Vorfeld sollten Investoren jedoch einzelne Börsenhandelsplätze miteinander vergleichen. Die Konditionen der Anbieter unterscheiden sich zum Teil nämlich erheblich voneinander. Wie viele Münzen zu welchem Kurs erhältlich sind, kann von Plattform zu Plattform abweichen.

Zudem bieten manche Börsen eine kostenlose Ein- und Auszahlung von Fiat-Geld sowie eine kostenlose Verwahrung des Kryptogeldes an, während andere hohe Gebühren verlangen. Außerdem erschüttern immer wieder Betrugsmeldungen an Kryptobörsen die Szene. Es ist also Vorsicht geboten.

Und nicht nur die Auszahlungsgebühren unterscheiden sich: Manche Börsen verlangen eine Identitätsprüfung, andere hingegen verzichten auf die Verifizierung.

Eine zweite Möglichkeit ist, Kryptowährung über sogenannte Marktplätze wie bitcoin.de zu erwerben. Dort findet ein direkter Handel zwischen Käufer und Verkäufer statt – übergeordnete Instanzen wie Broker gibt es nicht. Haben sich beide Verkaufsparteien über die Transaktion geeinigt, wandert der Coin ins Wallet – quasi die digitale Geldbörse – des Käufers.

Ich möchte nur von der Wertentwicklung profitieren. Wie geht das?

Wer einfach nur an der Wertentwicklung der Kryptowährungen teilhaben will, kann beispielsweise in Zertifikate investieren. Die Schweizer Bank Vontobel bietet solche Papiere an. Dabei besitzt der Anleger überhaupt keine Coins, sondern ein Derivat. Steigt der Kurs zum Beispiel um fünf Prozent, dann steigt auch das Zertifikat um fünf Prozent. Diese Art des Krypto-Investments ist recht einfach. Anleger benötigen dann kein Wallet, sondern bloß ein Wertpapier-Depot.

Eine zweite Möglichkeit der indirekten Anlage ist, über einen CFD-Broker in Kryptowährungen zu investieren. CFD steht für „Contracts for Difference“. Ähnlich wie bei Zertifikaten, spiegeln auch Krypto-CFDs die Kursentwicklung wieder. Die Broker akzeptieren für den Tausch von Fiat-Währung in Kryptogeld verschiedene Zahlungsmethoden – von Überweisungen bis Paypal.

Außerdem können Anleger die CFDs mit einem Hebel versehen, um die Kursgewinne zu multiplizieren. Ein Beispiel: Steigt der Kurs um einen Prozent und liegt der CFD-Hebel bei fünf, beläuft sich der Gewinn auf fünf Prozent. Der Nachteil: Dies gilt auch, wenn der Kurs fällt. CFDs sind also äußerst spekulative Produkte und führen oft zu Totalausfällen.

Was mache ich mit meinen Coins?

Wer direkt Kryptowährungen wie Bitcoin kauft und nicht bloß auf deren Wertentwicklung spekuliert, braucht ein Wallet. Die digitale Brieftasche ist Grundvoraussetzung für den Besitz der Krypto-Token, also den Code unter dem die Währung gespeichert ist. Vom Prinzip her funktionieren Wallet-Überweisungen genauso wie bei einer Bank. Der Unterschied: Statt einer Kontonummer haben Inhaber eine Empfangsadresse.

Nach Download und Installation des Wallet sollten Neu-Anleger ihr digitales Portmonee mit einem starken Passwort versehen – einer sogenannten Passphrase. Diesen Coden müssen sie künftig vor jeder Transaktion angeben.

Wichtig: Die Zugangsdaten merken. Denn es gibt keine Möglichkeit das Passwort zurückzusetzen. Digitalwährungen verfolgen die Philosophie der Dezentralität. Im schlimmsten Fall versperrt man sich mit dem Verlust der Zugangsdaten den Weg aufs Konto. So mancher Krypto-Enthusiast ärgert sich darüber, sein Passwort vergessen zu haben. Denn mittlerweile wären ihre Coins ein Vermögen wert.

Was kosten Kryptowährungen?

Das ist sehr unterschiedlich. Die bekannteste und älteste Kryptowährung ist Bitcoin. Mittlerweile ist der Kurs stark gestiegen. Im Spätsommer 2020 kostete ein Bitcoin über 10.000 US-Dollar. Zum Vergleich: Juli 2010 kostete 1 Bitcoin noch 0,08 US-Dollar. Ethereum, die zweitrelevanteste Kryptowährung, notiert Anfang Oktober bei 351 US-Dollar. Genau wie bei teuren Aktien, investieren die meisten Krypto-Anleger nicht gleich in ganze Coins, sondern in Bruchteile oder setzen auf die Wertentwicklung.

Sind Kryptowährungen eine sichere Geldanlage?

Geldanlagen sind per se unsicher. Je stärker die Werte schwanken, desto mehr Risiko tragen die Investoren. So mancher Krypto-Guru sinniert über astronomische Kurssprünge auf bis zu 500.000 US-Dollar. Sollte das wahr werden, könnten Nutzer ordentlich Kapital herausschlagen. Die Wahrheit aber ist: Kryptowährungen bergen viele Risiken, der Kurs ist sehr volatil. Das zeigt vor allem der Bitcoin: Das Allzeithoch lag Ende 2017 bei fast 20.000 US-Dollar. Seitdem ist die virtuelle Währung wieder stark gefallen.

Mehr: So müssen Anleger den Handel mit Kryptowährungen versteuern.