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Die SNB wird unergründlich bleiben: Fünf Themen des Tages

(Bloomberg) -- Bastian Benrath über Beharrungsvermögen. — Abonnieren Sie unseren Newsletter Fünf Themen des Tages und erhalten Sie Sonntags das Hauptstadtgeflüster direkt in Ihre Mailbox.

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Kontinuität über Transparenz

Zentralbanken sollen unabhängig sein. Ungeachtet der Begehrlichkeiten der Politik sollen sie für Preisstabilität sorgen und sich dabei nicht ins Handwerk pfuschen lassen. Die Schweizerische Nationalbank nimmt dieses Mantra sehr ernst. Ein bisschen zu ernst, meinen Kritiker — denn sie nutze es auch, um jeglichen Einblick in ihre internen Prozesse abzublocken.

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Für die Unnahbarkeit der SNB steht niemand so symbolhaft wie ihr Langzeitpräsident Thomas Jordan, der im September nach zwölfeinhalb Jahren an der Spitze und mehr als 17 Jahren im Direktorium abtreten wird. Er stellt sich zwar jedes Vierteljahr den Fragen von Journalisten (und einem Bloomberg-Interview), sagt dabei aber stets nur etwas zu den Dingen, die er kommentieren will. Die Idee, Protokolle der Direktoriumssitzungen zu veröffentlichen — wie es EZB und Fed tun — wirkt in Bezug auf die SNB geradezu absurd. Die unausgesprochene Botschaft: Vielen Dank, wir wissen selbst am besten wie’s geht.

Die eidgenössische Inflation gibt ihm recht. Denn während die im Euroraum bis über 10% kletterte, war zwischen Genf und St. Gallen der Gipfel bei 3,5% erreicht. Doch geht das nur mit einer Zentralbank, die sich so gar nicht in die Karten schauen lässt?

In der Schweiz herrscht diese Meinung vor. Denn auch wenn die Kritik von Fachleuten und der politischen Linken seit Jordans Abschiedsankündigung deutlich hörbarer geworden ist, gibt es weder im Parlament eine Mehrheit noch im Volk besonderen Druck für eine Reform. Ändern könnte sich das nur, wenn die SNB-Führung selbst auf die Wünsche einsteigen würde. Bis dahin ändert sich voraussichtlich nichts — ganz schweizerisch eben.

Was Marktteilnehmer heute noch bewegen könnte, berichten Ihnen Alexander Kell, Verena Sepp und Stephan Kahl: Zuckerbrot und Peitsche, Fette Woche, Showdown, Rüstung ist gefragt und Krypto-Frühling.

Zuckerbrot und Peitsche

Das war ein schönes vorösterliches Geschenk für den öffentlich-rechtlichen Bankensektor: Am späten Freitag hat Moody’s die Langfrist-Ratings der großen Landesbanken und der DekaBank angehoben. Im Fall der NordLB sogar gleich um mehrere Stufen. Bessere Noten bedeuten im Regelfall günstigere Refinanzierung. Begründet wurde der Schritt von Moody’s auch mit dem Umbau des Institutssicherungssystems, der unter anderem die Schaffung eines 5,2 Milliarden Euro schweren Rettungstopfs für angeschlagene Banken vorsieht. Dabei war die von der Aufsicht geforderte Reform des Systems bei Landesbanken und Sparkassen anfangs wegen der hohen Kosten auf wenig Gegenliebe gestoßen. Das Zuckerbrot von Moody’s am Freitag folgte auf einen Peitschenhieb der Ratingagentur nur wenige Tage zuvor, der mit einer Senkung des Ausblicks für den deutschen Bankensektor verbunden war. Laut Moody’s stehen die Institute nämlich vor Belastungen, etwa im Immobilienkreditbereich, wo wegen der gestiegenen Zinsen Ausfälle drohen. Neun große deutsche Immobilienfinanzierer haben für das vergangene Jahr zusammen mehr als 2 Milliarden Euro an Rückstellungen speziell für diesen Bereich gebildet, wie eine Erhebung von Bloomberg zeigt. Erst am Freitag kamen 132 Millionen Euro bei der NordLB hinzu.

Fette Woche

Für die Händler auf den Geld-, Bond- und Devisenmärkten ist die Agenda diese Woche vollgepackt. Für sechs der zehn meistgehandelten Währungen stehen Leitzins-Entscheidungen an, allen voran die der Federal Reserve. Die Währungshüter in Washington dürften die Geldpolitik zwar das fünfte Mal in Folge unverändert lassen. Die neuen Dotplots zu den Zinserwartungen der Notenbanker werden dem Markt aber wesentliche Impulse zum Lockerungsfahrplan liefern. In Tokio ist am morgigen Dienstag ein Paukenschlag möglich. Goldman Sachs und viele andere erwarten erstmals seit 2007 eine Zinserhöhung und damit das Ende der Negativzinsen. In der Schweiz, wo die SNB am Donnerstag über die weitere Geldpolitik befindet, erwarten Ökonomen im Juni den Zinssenkungsbeginn. Dann könnte er laut Spaniens Notenbankchef Pablo Hernandez de Cos auch im Euroraum kommen.

Showdown

Heute ist es im Wiener Handelsgericht soweit: Die Gläubiger der insolventen Haupt-Gesellschaften aus René Benkos kollabiertem Signa-Konglomerat legen ihren Gläubigern den Sanierungsplan vor und bitten um Genehmigung. Sollte der Plan durchfallen — er braucht die Mehrheit sowohl der Zahl als auch der Forderungssumme nach — kommt es zum Regel-Konkurs; der Insolvenzverwalter behauptet, dass dann weniger für die Gläubiger herauskommt, was nicht alle so sehen: Die Behörde, die die Interessen der Republik Österreich vertritt und auf den wunderbaren k.u.k.-Namen Finanzprokuratur hört, hat angekündigt, gegen den Plan zu stimmen. Dass man einige Assets der Signa gut verkaufen kann, sieht man etwa an dem großen Interesse, das am Hotel Bauer Palazzo in Venedig besteht. Signa-Prime-Aktionär und Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne erwägt unterdessen einen Massekredit für die Signa Prime, berichten Insider.

Rüstung ist gefragt

Es braucht mehr Mittel für die Verteidigung, und in Berlin und Paris sowie zwölf anderen EU-Ländern will man die auch von der Europäischen Investitionsbank (EIB), heißt es in einem Schreiben, das Bloomberg eingesehen hat. Das Thema wird auch beim EU-Gipfel zu Verteidigungsfragen in dieser Woche aufs Tapet kommen. Eine neue EIB-Strategie hätte “Signalwirkung”, und würde private Investitionen nach sich ziehen. Die Anleger haben offenbar schon genug an Signalen gesehen und suchen heute wieder Rheinmetall. Thyssenkrupp kommt indessen voran beim Verkauf der Marine-Systems-Sparte, die U-Boote, Kriegsschiffe und Schiffselektronik baut. Finanzinvestor Carlyle könnte bald in tiefergehende Gespräche einsteigen. Das Angebot liegt offenbar bei rund 1,5 Milliarden Euro, die Aktie ging um bis zu 5,8% in die Höhe.

Krypto-Frühling

Die Bitcoin-Rekorderholung nach dem Ende des Kryptowinters könnte auch den Effekt haben, dass die Kunden der Pleitebörse FTX komplett entschädigt werden — und verheißt dadurch Hochrisiko-Investoren lukrative Gewinne. Wer wie die Londoner Attestor mit dem Erwerb von FTX-Anteilen auf eine sanfte Bruchlandung des Imperiums von Sam Bankman-Fried gesetzt hat, könnte ein Plus von 200% verbuchen. SBF selbst soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft 40 bis 50 Jahre hinter Gitter für sein “historisches” Verbrechen, das mehr als 1 Million Kunden um Geld gebracht hat. Der Chef des Krypto-Börsenriesen Binance rechnet indessen damit, dass die jüngste Bitcoin-Rally weitergeht und sieht schon Werte von mehr als 80.000 Dollar. Dabei verweist er auf das steigende Interesse institutioneller Anleger an Krypto-ETFs. Vom Rekordhoch bei knapp $73.800 am Mittwoch ist Bitcoin gerade auf zeitweise weniger als $65.000 zurückgefallen. Heute hat sich der Kurs auf $67.800 erholt.

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