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Sewing leistet Abbitte bei Bafin für harsche Analyse: Kreise

·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Christian Sewing hat sich beim Bundesfinanzministerium und der Bankenaufsicht Bafin für die scharfzüngige Kritik entschuldigt, die ein Analyst der Deutsche Bank AG am Finanzplatz Deutschland geäußert hat. In der heißen Phase des Wahlkampfs bemüht sich der Chef von Deutschlands größter Bank offenbar, Spannungen mit der Politik zu vermeiden.

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Der Analyst Jan Schildbach hatte in einem Bericht der Deutsche Bank Research zur Lage der deutschen Finanzindustrie diese Woche die Qualifikation der Aufseher in Zweifel gezogen und die “strukturell sklerotische” deutsche Bankenlandschaft beklagt. Weder er noch die Deutsche Bank teilen diese Ansichten, machte Sewing gegenüber den Offiziellen deutlich, berichten darüber informierte Personen.

Der außergewöhnliche Bußgang illustriert, wie heikel die Beziehung der Bank zur Aufsicht und wie wichtig ihr ein guter Draht zur nächsten Bundesregierung ist - nicht zuletzt, da Finanzminister Olaf Scholz der derzeit aussichtsreichste Kandidat für die Nachfolge von Angela Merkel ist.

Eine Sprecherin der Bafin lehnte eine Stellungnahme ab, ebenso der Analyst Schildbach. Auch die Deutsche Bank wollte nichts zu ihren Kontakten mit den Behörden sagen. Das Finanzministerium antwortete nicht sofort auf eine Anfrage per E-Mail.

Im internationalen Vergleich ist der deutsche Finanzsektor im letzten Jahrzehnt tatsächlich zurückgefallen. Verschärfte Regulierung traf deutsche Banken zum Teil härter als die Konkurrenz, das Niedrigzinsumfeld traf sie besonders hart, und langwierige Verfahren - nicht zuletzt der Deutschen Bank - sorgten für milliardenschwere juristische Kosten.

Der Bericht von Schildbach ist zwar nicht mehr abrufbar, eine am Dienstag per E-Mail versendete Zusammenfassung nannte jedoch die folgenden Beispiele für den konstatierten Reformbedarf:

  • Aufsicht: “Die Vielzahl von Skandalen weist auf Defizite bei der Aufsichtskultur, Mitarbeiterqualifikation und Standortwahl hin”

  • Struktur: “Das starre Drei-Säulen-System steht international mittlerweile fast allein auf weiter Flur. Es behindert Konsolidierung und begünstigt Auslandsbanken”

  • Steuern: “Gewinne von Kapitalgesellschaften werden hierzulande mit 30% besteuert, im internationalen Durchschnitt nur noch mit 22%”

  • Europa: “Die Fragmentierung der EU-Kapitalmärkte hat durch den Brexit weiter zugenommen. Auch viele Banken-Regularien werden unverändert national angewendet und überwacht”

  • Altersvorsorge: “Die Riester-Rente ist gescheitert, obwohl private Vorsorge immer dringlicher wird. Statt die Förderung der Kapitalanlage auszuweiten, hat der Staat sie gekürzt”

  • “Die Wahlprogramme der Parteien sprechen nicht dafür, dass die Politik dem Niedergang des Finanzstandorts Deutschland bald entgegenwirken wird”

Das Onlinemagazin Finanz-Szene hat unterdessen ausführlichere Exzerpte aus der Studie veröffentlicht.

Auf einer Konferenz Anfang September hatte Sewing erklärt, im Hinblick auf die Vervollständigung der Europäischen Bankenunion sei er mit dem Finanzministerium ganz auf einer Linie. Scholz wisse genau, dass für die Implementierung strikterer Kapitalanforderungen für Banken ein nuancierter Blick auf die deutsche Konjunktur nötig ist, sagte Sewing in der Diskussion.

Das Geldhaus und seine Research-Abteilung hatten sich am Mittwoch bereits öffentlich in aller Form “von der in Inhalt und Form unangemessenen Kritik an Aufsichtsbehörden und politischen Entscheidungsträgern, die in der Studie zum Ausdruck kam” distanziert. Die Studie sei von der Führung der Deutsche Bank Research nicht autorisiert gewesen, erklärte ein Sprecher in einer E-Mail.

Der Fall ist nicht das erste Mal, dass Banken sich für ihre Analysten entschuldigen. Die Schweiter UBS Group AG suspendierte ihren Chefökonomen 2019 wegen Bemerkungen über Schweine in China. JPMorgan Chase & Co. entschuldigte sich 2010 für einen Ökonomen, der Senatoren mangelndes Verständnis der Marktwirtschaft vorwarf. Und in Deutschland kassierte die Commerzbank AG 2019 einen Bericht ihrer Wirecard-Analystin, als diese der Financial Times vorwarf, “fake news” zu verbreiten.

Überschrift des Artikels im Original:Deutsche Bank’s Sewing Says Sorry After Critical Analyst Report

(Neu: Ähnlicher Vorfall bei UBS)

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