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Scholz auf Wirtschaftsmission in China: Der Tag mit Bloomberg

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Drei Corona-Tests mussten die Bosse von BASF, Deutscher Bank und VW absolvieren, um mit Bundeskanzler Olaf Scholz Peking besuchen zu können und die Zusammenarbeit mit China voranzutreiben. Hin- und Rückflug dauern zusammen gut 23 Stunden - doppelt so lang wie der 11-stündige Besuch vor Ort. Das Signal ist deutlich: Scholz und die deutsche Industrie scheuen keine Mühe, den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen mit der Volksrepublik zu fördern.

Der Ukrainekrieg hat Deutschlands Abhängigkeit von Russland offengelegt und dadurch auch die Risiken im Verhältnis zum Reich der Mitte stärker ins Rampenlicht gerückt. Dennoch setzt Scholz unverändert auf den Wachstumsmarkt China. Auf die wachsenden Sorge, dass Berlin im Verhältnis zu China in eine ähnliche Falle tappt wie mit Russland, antwortet Scholz mit dem Ziel der Diversifizierung: Das Wachstum bei Absatzmärkten, Ressourcen und Lieferketten soll auch aus anderen asiatischen Märkten und Lateinamerika kommen.

Natürlich dürfe man im Umgang mit China nicht naiv sein, heißt es in Regierungkreisen. Man werde den Besuch nutzen, um sich ein Bild davon zu machen, in welche Richtung China sich weiterentwickelt. Allerdings dürfte diese Richtung nach dem Parteitag vor wenigen Tagen klar sein: weiter in Richtung eines autoritären Staates.

AKTUELLE MELDUNGEN:

  • Chinas Präsident Xi hat sich gegenüber Bundeskanzler Scholz dafür ausgesprochen, in der gegenwärtig “chaotischen” Welt bei der Sicherung des Friedens zusammenzuarbeiten.

  • Zur Eindämmung der Rekordinflation hat die Europäische Zentralbank laut Christine Lagarde bei der Anhebung der Zinsen noch einen weiten Weg vor sich.

  • Vonovia hat die Jahresziele bestätigt, die GEA Group hebt den Ausblick für die organische Umsatzentwicklung an.

  • Bundeswirtschaftsminister Habeck ist optimistisch zu den Aussichten für die Gaspreise im kommenden Jahr, obgleich Gas-Futures darauf hindeuten, dass die Preise erhöht bleiben könnten

  • Die Erste Group hat mit ihrem Quartalsgewinn die Erwartungen übertroffen

ANALYSEN:

  • Joe Bidens harter Ton gegenüber Peking weckt bei Analysten die Sorge, Washington könnte überreagieren und sowohl Probleme mit den Partnern in der Welt auslösen als auch einen Krieg.

  • Die BTP-Spreads stehen laut Bloomberg Intelligence vor dem perfekten Sturm

  • Die Pekingreise des Bundeskanzlers illustriert Europas China-Dilemma.

  • Bloomberg gibt einen Überblick über sieben Optionen, die die EU beim Umbau des Energiemarktes in Betracht zieht.

AKTIENMÄRKTE | Chinesische Aktien sind am heutigen Freitag begehrt wie selten: Der Hang-Seng-Index klettert fast 7%, Hongkings Chinawerte-Index gewann zeitweise sogar knapp 9%. Schub bringen Fortschritte bei der US-Buchprüfung von Unternehmen aus der Volksrepublik sowie weitere Wetten auf Lockerungen der chinesischen Corona-Regeln. Informierten Kreisen zufolge will Peking von der Praxis abgehen, Fluggesellschaften dafür abzustrafen, wenn Passagiere Corona ins Land bringen. An der Wall Street fielen gestern die Kurse mit Rezessionsbefürchtungen. Für den Handel in Europa signalisieren die Futures eine freundliche Eröffnung.

RENTENMÄRKTE | Am europäischen Rentenmarkt kam es am Donnerstag zu einem Abverkauf. Nach den Falkensignale der Fed nahmen am Geldmarkt die Wetten auf Zinserhöhungen der EZB um bis zu 22 Bp zu. Heute begibt Belgien 0,8% 2025-Bonds über eine Reverse-Auktion. US-Treasuries tendieren im frühen Freitagsghandel minimal fester, wobei die Invesion der 2j10j Renditekurve mit -58 Bp einen neuen Extremwert erreichte. Im Fokus stehen die US-Arbeitsmarktzahlen für Oktober.

ROHSTOFFMÄRKTE | Am Ölmarkt klettern die Kurse mit der Hoffnung auf chinesische Lockerungen beim Umgang mit Corona. “Niemand will bei der China-Wiederöffnungsparty spät dran sein”, sagt Stephen Innes von SPI Asset Management. “Der Markt spürt, dass hier etwas im Gange ist und denkt, wo Rauch ist, ist auch Feuer.” Derweil legt auch der Goldpreis deutlich zu. Austraiens größte Goldraffinerie sieht starke Nachfrage aus China.

TERMINE AM FREITAG

  • Bundeskanzler Scholz besucht die Volksrepublik China in Begleitung zahlreicher Industrieller. Gespräche mit Staatspräsident Xi und Ministerpräsident Li

  • Quartalsberichte Europa: Societe Generale, Vonovia, Gea Group, Krones, Erste Group Bank, Andritz, Telefonica, RTL Group, Bertelsmann, Intesa Sanpaolo

  • Ab 09:45 Uhr Einkaufsmanagerindizes für Italien, Frankreich, Deutschland und EU (2. Veröffentlichung)

  • Ab 09:30 Uhr sprechen EZB-Ratsmitglieder, darunter Bundesbankpräsident Nagel, Vizepräsident de Guindos (10:15), Präsidentin Lagarde (10:30). Später auch EZB-Aufsichtschef Enria (13:30)

  • 11:00 Erzeugerpreise EU

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