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Söders listiges Lob für Laschet

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Ausgerechnet Markus Söder stellt die Biografie von Armin Laschet vor. Der CSU-Chef versieht seine freundlichen Worte mit kleinen Spitzen gegen den Kollegen.

Der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident stellt in Berlin die neue Biografie über Armin Laschet vor. Foto: dpa
Der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident stellt in Berlin die neue Biografie über Armin Laschet vor. Foto: dpa

Es war ein Auftritt ganz nach dem Geschmack von Markus Söder (CSU). Der bayerische Ministerpräsident beherrscht die Disziplin der kleinen Sticheleien vorzüglich. Und an diesem Mittwochmorgen hatte er in Berlin ausreichend Gelegenheit, das zu demonstrieren.

Söder war der Stargast bei der Vorstellung der Biografie von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Es wurde das, was es werden musste: zurückhaltende Anerkennung bei ausgiebiger Selbstinszenierung. Laschet selbst war nicht vor Ort, er war auf dem Weg Richtung Rom zu einer Audienz beim Papst. Und so standen Söder und seine Beziehung zu Laschet ganz im Mittelpunkt der Veranstaltung.

Die beiden Ministerpräsidenten haben sich in den vergangenen Monaten einen Wettbewerb um das bessere Corona-Krisenmanagement geliefert. Und sie sind potenzielle Konkurrenten beim Kampf um die Kanzlerkandidatur der Union. Das bietet Spielraum für Interpretationen von Söders Ausführungen über Laschet.

Laschet sei „ein humorvoller und ernsthafter, heimatbewusster und sehr lebensfroher Mensch“, sagte Söder. Was er geleistet habe, sei „nicht schlecht“. Ob das für einen Kanzler ausreicht? Bei dieser Frage wollte Söder sich so wenig festlegen wie die Biografen Tobias Blasius und Moritz Küpper in ihrem Buch „Der Machtmenschliche“.

Die Biografie beschreibt Laschet als einen Politiker, der häufig zögerte und immer unterschätzt wurde, aber doch aufstieg. Dass Laschet die Wahl in Nordrhein-Westfalen gewonnen hat, das sei schon eine „große Leistung“, konstatierte Söder. Und wie er das größte Bundesland nun regiere, „das ist schon ein Punkt, den man anerkennen muss“.

Parallelen zur eigenen Biografie

Überschwänglich klingt sein Lob nicht. Zumal Söder es noch mit Parallelen zur eigenen Biografie versah. „Bei mir waren immer alle gegen mich“, sagte er mit Blick auf den eigenen Aufstieg. Auch Söder hat es zum Ministerpräsidenten geschafft, obwohl sein Weg beschwerlicher war.

Dass er in der Schule wie Laschet Geschichte-Leistungskurs hatte, ergänzte Söder mit dem Hinweis: „Ich habe mein Abitur in Bayern gemacht.“ Laschet ist gut, aber Söder ein bisschen besser – das war der launige Subtext dieses Auftritts.

Auf die unterschiedlichen Herangehensweisen der beiden Bundesländer in der Coronakrise angesprochen, erzählte Söder eine Geschichte über die Zeit vor dem Lockdown im Frühjahr. Er habe sich von Anfang an für Schulschließungen eingesetzt, Laschet sei zunächst dagegen gewesen.

Als sich auch der Virologe Christian Drosten auf die Seite der Bayern geschlagen hatte, lenkte Laschet ein. Laschet habe ihm dann geschrieben: „Du hattest recht, das war der richtige Weg", erinnerte sich Söder.

Der CSU-Chef beschreibt sein Verhältnis zu Laschet als professionell: „Wir arbeiten gut zusammen.“ Natürlich habe er Laschet auch vorher angerufen und gefragt, ob es in Ordnung sei, wenn er die Biografie vorstelle, berichtete er. Und für die anderen beiden Kandidaten im Rennen um den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz und Norbert Röttgen, würde er so einen Termin im Übrigen auch machen, so Söder.

Wenn er die aktuelle Umfragestärke der Union auf das Ansehen von Kanzlerin Angela Merkel zurückführt und betont, wie wichtig ein guter Übergang sei, dann könnte man das aber durchaus als Präferenz für Laschet interpretieren. Auch wenn Söder natürlich versicherte, dass die CSU sich aus der Frage des CDU-Vorsitzes komplett raushalte.

Sollte Laschet CDU-Chef werden, muss er sich mit Söder wegen der Kanzlerkandidatur verständigen. Bisher hat der CSU-Vorsitzende eigene Ambitionen stets abgestritten. Sein Platz sei in Bayern, sagte er auch nun wieder, um dann doch auf „das Prozessuale“ zu verweisen: Erst werde der CDU-Vorsitz geklärt, dann die Kanzlerkandidatur. Söder: „Jetzt warten wir halt ab, wie es weitergeht.“