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ROUNDUP: Sperrstunde in Berlin - Kritik und Verständnis auf der Straße

·Lesedauer: 2 Min.

BERLIN (dpa-AFX) - Wegen steigender Infektionszahlen in Berlin gilt in der Hauptstadt seit diesem Wochenende eine Sperrstunde. Das weltberühmte Nachtleben der Stadt pausiert nun erstmal von 23.00 Uhr bis 06.00 Uhr. Restaurants, Kneipen und die meisten Geschäfte müssen in dieser Zeit schließen. Auch andere Städte in Deutschland haben ihre Regeln verschärft.

In der ersten Nacht mit der neuen Regelung in Berlin veranlassten Polizisten die Schließung mehrerer Betriebe. Das sagte eine Polizeisprecherin am Samstag. Eine Bilanz mit Zahlen sollte demnach aber erst in der kommenden Woche vorliegen. Wie die Sprecherin erläuterte, rücken die Beamten nicht zu gesonderten Einsätzen aus, sondern kontrollierten die Sperrstunde im Rahmen ihrer üblichen Dienste. Für die nächste Zeit wolle man prüfen, ob sich Schwerpunkte bilden, an denen dann gegebenenfalls verstärkt kontrolliert wird.

Mehrere Medien berichteten von Verstößen. Manche Imbisse, Kneipen und Spätis seien trotz Sperrstunde offen geblieben, laut "Berliner Morgenpost" etwa auf der beliebten Ausgehmeile Simon-Dach-Straße in Friedrichshain. Wie der "Berliner Kurier" (Online) schrieb, soll es teils zu Diskussionen zwischen Betreibern und Polizisten gekommen sein. Beide Zeitungen berichten, dass in einem Restaurant am Kreuzberger Oranienplatz mehr als 80 Teilnehmer einer Feier nicht auf Anweisungen der Polizei reagiert haben sollen.

Fragt man die Leute auf der Straße, was sie davon halten, fallen die Meinungen unterschiedlich aus. "Ich bin froh, dass das jetzt so kommt", sagte ein Mann in der Nacht auf Samstag. "Es ist ja offensichtlich, dass die Leute sich nicht unter Kontrolle haben." Anders sieht das eine junge Frau. Sie halte das nicht für förderlich, weil sich die Partys einfach ins Private verlagerten.

Nach Meinung der Soziologin Talja Blokland unterschätzt die Politik mitunter, wie wichtig Kneipen für die Gesellschaft sind. Die Sperrstunde in Berlin sieht sie kritisch. "Es kommt rüber, als wären Bars und Cafés zum Feiern da und nichts Notwendiges", sagte die Professorin am Georg-Simmel-Zentrum für Metropolenforschung an der Humboldt-Universität Berlin.

Auch die Berliner Gastronomie kritisierte die Sperrstunde heftig. Mehrere Gastronomen gehen auch mit einem Eilantrag beim Verwaltungsgericht dagegen vor. Mit einer Entscheidung ist nach Angaben des Gerichts wohl in der kommenden Woche zu rechnen.

In immer mehr Großstädten steigt die Zahl neuer Infektionen. Mehrere Städte zählten in einer Woche zuletzt mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner. Bremen beschloss ebenfalls die Verhängung einer allgemeinen Sperrstunde und ein Alkoholverkaufsverbot von 23.00 Uhr bis 6.00 Uhr.

In Köln darf auf Straßen und Plätzen abends ab 22.00 Uhr kein Alkohol mehr konsumiert werden. An den Wochenenden gilt an Party-Hotspots ein Verkaufsverbot für Alkohol. Außerdem dürfen sich nur noch bis zu fünf Personen aus verschiedenen Haushalten in der Öffentlichkeit treffen - bisher waren es zehn. In Fußgängerzonen müssen die Menschen Masken tragen. Eine Sperrstunde gibt es aber derzeit nicht.