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ROUNDUP: Spanischer Großaktionär Acciona will Nordex übernehmen

HAMBURG/MADRID (dpa-AFX) - Der Windanlagenbauer Nordex <DE000A0D6554> steht womöglich vor einer Übernahme seines Großaktionärs Acciona <ES0125220311>. Das spanische Unternehmen will den restlichen Aktionären ein Kaufangebot unterbreiten, den Preis erwartet Acciona bei 10,32 Euro je Aktie, wie die Spanier am Dienstag in Madrid mitteilten. Zuvor war der Anteil von Acciona durch die Beteiligung an einer Kapitalerhöhung von Nordex auf mehr als 30 Prozent gestiegen. Bei Überschreiten dieser Schwelle ist nach den Regularien ein Übernahmeangebot fällig.

Die 10,32 Euro je Aktie würden dem gewichteten durchschnittlichen Börsenkurs der letzten drei Monate von Nordex vor Bekanntwerden der Entscheidung über ein Angebot entsprechen. Nach Berechnungen der Großbank RBC würde Acciona für die Transaktion rund 700 Millionen Euro aufwenden müssen. Das Papier hatte am Montag bei 10,14 Euro geschlossen. Nach Bekanntwerden der Offerte sprang die Aktie am Dienstag im morgendlichen Handel um mehr als 5 Prozent auf 10,72 Euro.

Nordex hatte zuvor am Dienstag sein Kapital um 10 Prozent mittels Privatplatzierung an Acciona erhöht und damit 99 Millionen Euro erzielt. Acciona steigerte so seinen Anteil von 29,9 auf rund 36,27 Prozent.

Nordex selbst hatte die Beteiligung von Acciona an der Kapitalerhöhung positiv gewertet. "Wir begrüßen, dass Acciona ihr Engagement verstärkt und als größte Einzelaktionärin Nordex mit weiterem Eigenkapital unterstützt", kommentierte Nordex-Vorstandschef José Luis Blanco. Mit dem Geld soll die Kapitalstruktur gestärkt werden. Das zusätzliche Eigenkapital soll zudem helfen, das starke Auftragsmomentum bedienen zu können, hieß es.

Die Entscheidung Accionas, das Engagement bei Nordex zu verstärken, habe auch die "volle Unterstützung" des zweiten strategischen Aktionärs, der Gruppe Skion/Momentum, erklärte Blanco. Skion ist die Beteiligungsgesellschaft der BMW-Erbin Susanne Klatten. Sie hielt vor der Kapitalerhöhung 5,7 Prozent an Nordex. Der Rest ist im Streubesitz.

Nordex hatte in Erwartung eines Übernahmeangebots bereits erklärt, dieses prüfen zu wollen, sobald es vorliege und dann eine begründete Stellungnahme abgeben zu wollen.

Nordex schreibt seit längerem Verluste. Das Unternehmen leidet unter dem Preisdruck in der Windbranche sowie höheren Kosten. Die Auftragslage hatte sich zuletzt jedoch wieder deutlich erholt. Die Bücher sind prall gefüllt. Das Unternehmen hatte seinen Fokus verstärkt in Wachstumsmärkte gelegt, um unabhängiger vom problematischen deutschen und dem gesättigten europäischen Markt zu werden.