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ROUNDUP: Wer führt künftig die Eurogruppe? Spanierin Calviño kandidiert

MADRID/BRÜSSEL (dpa-AFX) - Spaniens Wirtschaftsministerin Nadia Calviño will neue Vorsitzende der Eurogruppe werden. Ihre Kandidatur bestätigte die 51-Jährige auf Twitter. Kurz vor Ende der Bewerbungsfrist am Donnerstagnachmittag wurde noch über zwei weitere mögliche Interessenten für den Vorsitz der 19 Eurostaaten spekuliert: Irlands Finanzminister Paschal Donohoe und Luxemburgs Ressortchef Pierre Gramegna. Gewählt wird am 9. Juli.

Der einflussreiche Posten wird frei, weil der portugiesische Finanzminister Mario Centeno sich nicht um eine zweite Amtszeit bewirbt. Sein Mandat endet am 12. Juli. Aufgabe im Vorsitz der Eurogruppe ist die Leitung und Verhandlungsführung bei Themen des gemeinsamen Währungsgebiets. Der 53 Jahre alte Centeno hatte im April nach sehr schwierigen Gesprächen das 540 Milliarden Euro schwere Paket mit Corona-Kredithilfen unter Dach und Fach gebracht. Es gab aber auch Kritik, der Volkswirt sei nicht durchsetzungsstark.

Calviño wäre die erste Frau, die die Geschicke der 19 Euro-Länder koordiniert. Sie hat langjährige Erfahrungen in der EU-Kommission in Brüssel gesammelt. Die Bundesregierung soll einer möglichen Kandidatur der Sozialistin ebenfalls aufgeschlossen gegenüberstehen. Finanzminister Olaf Scholz schätzt sie dem Vernehmen nach.

Doch hat sich nach Medienberichten auch der irische Finanzminister Donohoe zur Kandidatur entschlossen. Er wolle dies am Donnerstagnachmittag (16.00 Uhr) offiziell bekannt geben, meldete der Sender Euronews. Der 45-Jährige Christdemokrat ist seit 2017 Finanzminister seines Landes. Ebenfalls als Kandidat gehandelt wurde der luxemburgische Liberale Gramegna, der seit 2013 Finanzminister seines Landes ist.

Die besten Chancen wurden Calviño eingeräumt. Sie ist seit Mitte 2018 Wirtschaftsministerin. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez bezeichnete es als eine Ehre, dass Calviño die Eurogruppe führen könnte, wie die Zeitung "El País" berichtete. "Diese Verantwortung habe bisher weder Spanien noch eine Frau je übernommen", betonte Sánchez.

Für sie spricht, dass sie wie Centeno dem sozialdemokratischen Lager angehört und einen südlichen EU-Staat vertritt. Nach gängiger Lesart bringt dies die Balance der Brüsseler Spitzenposten am wenigsten durcheinander.