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ROUNDUP 2: Johnson nach Radtour unter Druck - Debatte um schärfere Corona-Regeln

·Lesedauer: 3 Min.

(durchgehend aktualisiert)

LONDON (dpa-AFX) - Mitten in der Debatte über eine Verschärfung und härtere Kontrolle der Corona-Regeln gerät ausgerechnet der britische Premier Boris Johnson wegen einer umstrittenen Radtour unter Druck. Johnson war am Wochenende im Olympia Park im Osten Londons gesichtet worden - mehr als elf Kilometer von seiner Dienstwohnung in der Downing Street entfernt. Nach den Lockdown-Regeln darf man zwar zum Sport die Wohnung verlassen, soll sich jedoch nur im lokalen Umfeld bewegen. Für Johnson kommt die Debatte zur Unzeit: Angesichts hoher Fallzahlen versucht die Regierung gerade alles, um die Menschen zu besserer Einhaltung der Regeln zu bewegen.

Da das "lokale Umfeld" jedoch nicht genauer festgelegt ist, bekam Johnson Rückendeckung von der Londoner Polizeichefin Cressida Dick. Die Tour "war nicht gegen das Gesetz - so viel ist klar", sagte Dick am Dienstag im BBC-Interview. Gesundheitsminister Matt Hancock hatte zuvor bereis ausgeführt, ein ausgedehnter Spaziergang über elf Kilometer sei in Ordnung. Die Regierung wollte sich jedoch zunächst nicht dazu äußern, ob Johnson mit dem Rad von seinem Wohnsitz aus zum Olympia-Park gefahren war oder mit dem Auto dorthin gebracht wurde.

In Großbritannien breitet sich derzeit mit großer Geschwindigkeit eine neue Variante des Coronavirus aus, die deutlich ansteckender sein soll als die bislang vorherrschende. Vor allem in London stehen die Krankenhäuser unter enormem Druck. Insgesamt starben bereits mehr als 80 000 Menschen in dem Land nach einer Corona-Infektion. Der medizinische Direktor der Krankenhäuser in London, Vin Diwakar, sprach bei einer Pressekonferenz am Dienstag vom "größten Gesundheitsnotfall des Landes seit dem Zweiten Weltkrieg".

In England und Wales sind im vergangenen Jahr so viele Menschen gestorben wie zuletzt im Jahr 1918 - dem Jahr der spanischen Grippe. Zwischen Januar und Dezember gab es in den Landesteilen 608 002 Todesfälle, wie aus vorläufigen Zahlen der britischen Statistikbehörde hervorgeht. Allerdings sind die Zahlen über so lange Zeiträume schwierig zu vergleichen, da sich die Größe und die Altersstruktur der Bevölkerung deutlich verändert haben. Vergleicht man die Todeszahlen von 2020 für England und Wales mit dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019, so starben knapp 76 000 Menschen mehr.

Die britische Polizei will angesichts der angespannten Situation bei Verstößen gegen die Corona-Regeln künftig härter durchgreifen. "Wir haben deutlich gemacht, dass diejenigen, die gegen die Covid-19- Gesetzgebung verstoßen, zunehmend mit Geldstrafen rechnen müssen", schrieb Polizeichefin Dick in einem Beitrag für die "Times" (Dienstag). Eine kleine rücksichtslose Minderheit der Bevölkerung gefährde die Gesundheit der Bevölkerung, warnte auch Innenministerin Priti Patel am Dienstag.

Unterdessen hadert auch die britische Post mit den Auswirkungen der Pandemie: Landesweit kann sie in 28 Gegenden zurzeit kaum noch Briefe und Pakete ausliefern. In diesen Regionen - 27 in England und eine in Nordirland - stehe zu wenig Personal zur Verfügung, weil viele Mitarbeiter krank seien oder sich in Selbstisolation befänden, teilte die Royal Mail mit. Mancherorts warten Menschen bereits seit mehr als einem Monat auf Sendungen, wie britische Medien berichteten. Nun wächst vor allem bei Älteren die Furcht, dass sie ihren Termin für eine Corona-Impfung nicht rechtzeitig erhalten.