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Renten am Morgen: Scheitern ist für Italien keine Option

Dirk Gojny
·Lesedauer: 6 Min.

(Bloomberg) -- Bis zum Handelsschluss am Montag haben die Bonds aus dem Euroraum ihre Kursverluste weitestgehend aufgeholt. Das dürfte vor allem den zwischenzeitlich sinkenden Treasury-Renditen geschuldet sein. Nachdem die Rendite des 30-jährigen T-Bonds kurzzeitig die Marke von 2% überschritten hatte, ging dem Anstieg die Luft ein wenig aus.

Zugleich flachte die US-Kurve etwas ab. Eine Kehrtwende hinsichtlich der Reflation Trades ist das nicht. Solche Pausen sind nach deutlichen Renditeanstiegen üblich. Außerdem müssen die Investoren im Lauf der Woche noch neue 10-jährigen T-Notes und 30-jährigen T-Bonds verdauen, was durchaus Druck auf die Treasury-Kurse ausübern sollte.

Damit der Reflation Trade tatsächlich an Schwung verliert, müssten wohl erhebliche Zweifel an der Umsetzung des US-Kojnunkturpakets der US-Administration aufkommen. Es dürfte zwar kleiner ausfallen als die avisierten 1,9 Billionen Dollar. Durch die demokratische Mehrheit in beiden Kammern des US-Parlamanets wird es jedoch weiterhin einen signifikanten Umfang haben. Außerdem ist ja nicht ausgeschlossen, dass einige Republikaner mit den Demokraten zusammenarbeiten.

Das Vertrauen der Finanzmärkte in Mario Draghi ist ungebrochen. Das lässt sich an erneut rückläufigen italienischen Staatsanleiherenditen ablesen. Wenn die Bewegung so anhält, dürften sie demnächst neue Allzeittiefs erreichen.

Im Verlauf des Dienstags könnte es im Hinblick auf die Regierungsbildung in die letzte Phase gehen. Der designierte Regierungschef wird die zweite Runde der Sondierungsgespräche mit den Parteien wahrscheinlich im Verlauf des Dienstags beenden. In der Nacht zum Mittwoch könnte es bereits die Entscheidung geben, ob Draghi eine Mehrheit in beiden Kammern des Parlaments zustande bekommt. In den kommenden Tagen dürfte er - Mehrheit vorausgesetzt - dann sein Kabinett vorstellen.

Obwohl er von vielen Parteivertretern Unterstützung erfährt, bleibt das Risiko des Scheiterns. Der Preis dafür ist nach dem deutlichen Spread- und Renditerückgang der italienischen Staatsanleihen seit 22. Januar sehr hoch. Es wären aber nicht nur die zu erwartenden stark steigenden Renditen und Spreads, die Italien dann trotz wahrscheinlicher EZB-Interventionen zu schaffen machen würden, sondern vor allem das Verspielen einer Chance mit europäischem Geld das Potenzialwachstum durch Investitionen langfristig anzuheben.

Ein Scheitern Draghis dürfte zu Neuwahlen führen, so dass viel Zeit für die Planung der Verwendung der Mittel aus dem Aufbaufonds und der Implementierung der Mittelverwendung vergehen würde. Das wäre sicher ein Worst Case-Szenario für Italien.

Trotz des Renditeanstiegs, der in der abgelaufenen EZB-Berichtswoche für die Anleihekäufe vor allem die Staatsanleihen aus den Kern- und Semi-Kernländern traf, hatte das System Europäischer Notenbank wenig Grund, stark zu intervenieren.

Schließlich gingen die Spreads der Anleihen der Peripherie zu den Kernländern zurück oder blieben auf niedrigem Niveau. Die EZB konnte also Pulver für Zeiten höherer Spreadvolatilitäten trocken halten. Entsprechend kaufte sie öffentliche Anleihen lediglich in Höhe von rund 16 Milliarden Euro an. Davon entfielen auf das PEPP 13,5 und auf das PSPP 2,5 Milliarden Euro.

Der Tag mit Bloomberg: Rekordjagd bei Aktien verliert an Schwung

In den Dienstag dürften die Kernlandbonds mit kaum geänderten Kursnotierungen starten. Die Vorgaben aus Asien mit sinkenden Treasury-Renditen sind zwar positiv. Die europäischen Bondmärkte schlossen jedoch, als die Treasury-Renditen im US-Handel ihren Tiefstand am Montag markierten, von dort aber wieder leicht anzogen. Die Peripherie dürfte ihre Outperformance beibehalten, wobei das lange Ende der spanischen Kurve von der zu erwartenden Platzierung der 50-jährigen Anleihe belastet sein sollte. Dem dürften sich die portugiesischen Bonds nicht völlig entziehen können.

Konjunkturdaten

Der Datenkalender ist erneut überschaubar gefüllt. Die bereits veröffentlichten deutschen Außenhandelsdaten für den Dezember und die Informationen zur Industrieproduktion in Italien sind die Highlights des Tages. Einfluss auf die Renditeentwicklung werden sie jedoch nicht nehmen. Sie sind bereits im Bruttoinlandsprodukt des vierten Quartals verarbeitet. Die US-Daten gehören eher in die zweite Reihe. Es soll sich allerdings die Stimmung der Kleinunternehmer im Januar aufgehellt haben.

Primärmarkt

Die Bundesfinanzagentur wird den Investoren einen neuen Linker mit Laufzeit April 2033 anbieten. Das Startvolumen liegt bei 1,5 Milliarden Euro. Aufgrund der anziehenden Inflationserwartungen dürfte sich das Papier guter Nachfrage erfreuen.

Außerdem wird die Niederlande eine neue 10-jährige Benchmark platzieren. Das Volumen ist auf 6 Milliarden Euro festgelegt worden. Das Schatzamt wird mit einem Spread von +12 bis +15 Basispunkten zur Februar 2031 Bundesanleihe in die Vermarktung gehen.

Der jüngste Renditeanstieg dürfte bei der Emission hilfreich sein. Dennoch dürften die Investoren vor Abschluss der Transaktion Renditezugeständnisse durchzusetzen versuchen, was eine leichte Underperfomance des langen Endes der niederländischen Zinskurve gegeb ihre Peers zur Folge haben dürfte.

Das spanische Schatzamt mandatierte am Montag ein Konsortium für die Platzierung einer 50-jährigen Anleihe. Erstmals seit Mai 2016 wird es in diesem Laufzeitenbereich wieder neues Material aus Spanien geben. Da die Renditen am langen Ende der spanischen Kurve auf diese Nachricht hin bereits anzogen, dürften sich die weiteren Zugeständnisse im Verlauf der Platzierung in Grenzen halten.

Die Anleihe dürfte gerade von Investoren mit langen Passivseite nachgefragt sein. Aus der Erfahrung mit der Platzierung des neuen 10-jährigen Papiers zu Jahresbeginn sollte das Tesoro gelernt haben, dass es mit der Spreadeinengung im Verlauf der Platzierung etwas vorsichtiger sein sollte, da sich ansonsten das Orderbuch schnell erheblich verkleinern kann.

Mit Belgien, Finnland, der Slowenien und Spanien werden außerdem vier Euroländer Geldmarktpapiere anbieten. Aus Belgien sind Kurzläufer in einem Umfang von bis zu 2,2 Milliarden Euro zu erwarten, die zwischen drei und zwölf Monaten laufen. Finnland geht mit zwei Emissionen mit Laufzeiten von sechs und neuen Monaten von jeweils 1 Milliarde Euro an den Start. Spanien geht mit Papieren an den Start, die sechs und zwölf Monate laufen. Damit sollen bis zu 7 Milliarden Euro erzielt werden. Slowenien wird drei Laufzeiten zwischen drei und zwölf Monaten anbieten.

Dem stehen Fälligkeiten aus Finnland mit 3,7 Milliarden Euro sowie aus Spanien mit rund 8 Milliarden Euro gegenüber. Das sollte mehr als ausreichend sein, um für eine gute Aufnahme der Geldmarktpapiere zu sorgen.

Am Abend wird das Treasury mit Cash Management Bills sowie der ersten Kapitalmarkttransaktion in der laufenden Woche aktiv. den Investoren werden 58 Milliarden Dollar einer neuen 3-jährigen T-Note angeboten. Durch die feste Verankerung des kurzen Endes der US-Zinskurve wegen der auf absehbarer Zeit niedrigen Leitzinsen dürfte die Platzierung problemlos verlaufen. Emissionszugeständnisse dürften sehr gering ausfallen.

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