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Renten am Morgen: Renditejagd nimmt mehr Fahrt auf

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: Renditejagd nimmt mehr Fahrt auf

(Bloomberg) -- Die Staatsanleihen aus dem Euroraum haben am Mittwoch den Großteil ihrer Kursverluste vom Vortag wieder aufgeholt. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen näherte sich wieder der Marke von -0,4% an. Unterstützt wurde die Bewegung durch ebenfalls nachgebende Treasury-Renditen. Zentrale Treiber für die Abwärtsbewegung dürften die Sorgen vor den wirtschaftlichen Folgen der Ausbreitung des Coronavirus sowie die Suche nach Rendite gewesen sein.

Gerade die Kurse der italienischen Staatsanleihen legten erneut zu, was die Rendite der 30-jährigen Papiere auf weniger als 2% und den niedrigsten Stand seit dem 9. Oktober letzten Jahres trieb. Die Bonds von der iberischen Halbinsel hielten da nicht mit: Selbst gegen die Anleihen aus den Kern- und Semi-Kernländern zeigten sie eine Underperformance.

Spanische Bonds könnten unter den Plänen des katalanischen Regierungschefs, Joaquim Torra, gelitten haben, in Katalonien ein neues Parlament wählen zu lassen. Da Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez auf die Unterstützung der katalanische Separatistenpartei, Esquerra Republican de Catalunya (ERC), im Parlament angewiesen ist, könnten Neuwahlen in Katalonien die Unterstützung der ERC für die Zentralregierung schwinden lassen. Die portugiesischen Bonds wurden in diesem Zusammen in Mitleidenschaft gezogen.

Geldpolitisch gab es von der US-Notenbank am Mittwochabend wenig Neues. Allerdings wurden die Ausgaben der Haushalte nur noch als “moderat” und nicht mehr als “stark” bezeichnet. Die wirtschaftliche Entwicklung entspricht in etwa den Vorstellungen der Notenbanker. Die geldpolitische Ausrichtung wird nicht geändert.

In den Katalog potenzieller Risiken für die wirtschaftlichen Perspektiven wurde das Coronavirus von Jerome Powell explizit aufgenommen. Abgesehen davon, dass die Fed Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum in China erwartet, gab es jedoch keine weiteren Einschätzungen. Dafür ist es letztlich auch zu früh.

Powell zeigte sich jedoch unzufrieden darüber, dass die Teuerung unter dem Zielwert der Fed liegt. Sie würde sich aber in die Richtung des Ziels bewegen. Zugleich betonte er, dass das Inflationsziel symmetrisch sei, man eine Überschießen über die 2% also wohl zulassen werde. Außerdem werde sich die Notenbank gegen eine Abwärtsbewegung der Inflationsentwicklung stemmen, die in andere Regionen der Welt zu beobachten sei.

Die Finanzmärkte waren am Donnerstagmorgen fest im Griff der potenziellen ökonomischen Folgen der Virusinfektion. Das wird sich im Tagesverlauf vermutlich auch nicht ändern. Zahlreiche Fluggesellschaften gaben bekannt, dass sie ihre Flüge nach China vorerst einstellen oder die Kapazitäten erheblich verringern werden. Die Auswirkungen der Infektionskrankheit werden also allmählich messbar.

Die Aktienmärkte in Asien gaben nach und auch die US-Aktienfutures lagen im Minus. Die Renditen der Treasuries waren über die gesamte Kurve rückläufig, so dass sich diejenige der 10-jährigen T-Notes allmählich in Richtung 1,5% bewegt.

Dementsprechend werden die Staatsanleihen aus dem Euroraum mit Kursanstiegen in den Donnerstag starten, zumal die Kasse den Teil der Bewegung der US-Treasuries vom späteren Abend noch nicht nachvollzogen hat.

Wahrscheinlich wird auch die Jagd nach Renditen anhalten, so dass vor allem das lange Ende der Kurven gesucht sein dürfte. Das sollte zu einer Fortsetzung der Abflachung der Zinskurven führen. Zudem dürfte die Renditejagd zu einer leichten Outperformance der Semi-Kernländer sowie der Peripherie führen.

Laut la Repubblica verschiebt die Fünf-Sterne-Bewegung ihren für den 15. März geplanten Parteitag. Das sollte keine Auswirkungen auf die BTP-Performance haben. Für BTPs sprechen nach wie vor ihre hohen Indexgewichtungen und ihre Carry.

Bei der Peripherie ist jedoch zu beachten, dass die geplanten Neuwahlen in Katalonien erneut auf den Kursen der Bonos lasten könnten. Schließlich ist die Sanchez-Regierung auf die Unterstützung der ERC angewiesen, um ihre Gesetzesvorhaben im spanischen Parlament beschließen zu lassen.

Gerade im Bezug auf die Haushaltsplanungen müssen diese potenziellen Schwierigkeiten jedoch nicht nachteilig für spanische Bonds sein. Findet Sanchez nicht ausreichend Unterstützung für seine Haushaltsplanungen, würde weiterhin auf Basis der Finanzplanung der Rajoy-Regierung agiert werden müssen. Diese Pläne waren auf eine Konsolidierung der Staatsfinanzen ausgerichtet. Allerdings sorgte das Fehlen einer Mehrheit für den Beschluss des Haushalts im vergangenen Jahr für Neuwahlen und somit für politische Unsicherheit.

Außerdem wird die Bank of England ihre geldpolitischen Entscheidungen veröffentlichen. Dabei kommt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte einem Münzwurf nahe.

Konjunkturdaten

Die erste Schnellschätzung für die Entwicklung der Verbraucherpreise im Januar werden aus Deutschland veröffentlicht. Während im Monatsvergleich ein kräftiger Rückgang erwartet wird, gehen die von Bloomberg befragten Volkswirte für die Jahresrate von einer leichten Beschleunigung auf 1,7% aus. Trotz des Anstiegs und der Annäherung an die Marke von 2% werden die Investoren darauf kaum reagieren, sondern ihren Risk-off-Fokus beibehalten.

Außerdem werden Arbeitsmarktdaten aus Deutschland gemeldet. Trotz der Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität hierzulande sowie den zahlreichen angekündigten Entlassungen blieb der Arbeitsmarkt bislang in einer robusten Verfassung. Bei den Daten werden die Zahl der offenen Stellen sowie der Kurzarbeiter zu beachten sein. Schließlich wären weniger offene Stellen ebenso wie mehr Kurzarbeit Hinweise auf eine Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds. Zeichen für eine Abkühlung des Arbeitsmarkts dürften trotz der gestern von der Bundesregierung für das laufende und das kommende Jahr angehobenen Wachstumsprognosen das Niedrigzinsumfeld stützen.

Die Stimmungsindizes der Europäischen Kommission werden abgesehen von demjenigen für das Dienstleistungssektor im Januar etwas besser als im Dezember erwartet. Das würde zu dem Bild passen, dass die bisher veröffentlichten Stimmungsindikatoren abgeben. Allerdings dürften sie von den Anlegern weitestgehend ignoriert werden. Das selbe Schicksal wird den Stimmungsindikatoren, Informationen zur Industrieproduktion und Einzelhandelsumsatzdaten aus Portugal zu Teil werden.

Am Nachmittag wird die erste Schätzung für das US-Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal veröffentlicht. Von den Volkswirten wird eine leichte verlangsamte Wachstumsdynamik erwartet, verursacht durch eine Abschwächung des privaten Konsums zum Vorquartal.

Primärmarkt

Aus dem Euroraum wird am Donnerstag lediglich Italien mit Emissionen auftreten. Die aktuellen fünf und zehn Jahre laufenden Benchmarks werden um bis zu 2,75 Milliarden Euro bzw. 3,25 Milliarden Euro aufgestockt. Dazu wird den Investoren ein neuer Floater mit Laufzeit bis zum 15. Dezember 2023 angeboten. Mit diesem Instrument sollen bis zu 2,75 Milliarden Euro eingeworben werden. Insgesamt muss der Kapitalmarkt bis zu 8,75 Milliarden Euro an Italienrisiken verarbeiten.

Die Rally der BTP-Kurse sollte für eine gute Aufnahme der Bonds sorgen. Außerdem wird am 1. Februar eine BTP in Höhe von 22,6 Milliarden Euro zuzüglich Zinsen fällig. Das sollte ein zweiter Faktor sein, der die Emissionen unterstützen.

Am Abend wird das Treasury den Geldmarkt anzapfen. Mit T-Bills mit Laufzeiten von vier und acht Wochen sollen insgesamt 90 Milliarden Dollar eingesammelt werden, wobei die Fälligkeiten 107 Milliarden Dollar betragen.

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Kontakt Reporter: Dirk Gojny in Frankfurt dgojny2@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Katrin Haertel

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