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Renten am Morgen: Keine Einigung zum Haushalt bei EU-Ratstreffen

Dirk Gojny
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Die Staatsanleihen aus den Kern- und Semi-Kernländern des Euroraum haben ihre leichten Kursgewinne bis zum Handelsschluss am Donnerstag behauptet. Die Zunahme der Risikoaversion wegen der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie trieb die Anleger einmal mehr in Staatsanleihen. Jüngst wies der Internationale Währungsfonds daraufhin, dass die wirtschaftliche Erholung wegen der zweiten Viruswelle gefährdet sei.

Mit Ausnahme der griechischen Staatsanleihen schlossen die Kurse der Papiere aus der Peripherie ebenfalls leicht im Plus. Sie hinkten den Kernländern jedoch etwas hinterher. Griechische Titel gaben hingegen einen Teil ihrer Gewinne von den Vortag ab. Das deutet auf Gewinnmitnahmen hin. Schließlich lag die Rendite der 10-jährigen griechischen Papiere nur noch ganz leicht über derjenigen für die entsprechenden italienischen - trotz nach wie vor deutlich besserer Bonitätseinschätzung für Italien.

Das virtuelle Treffen der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union brachte keine Fortschritte zur Beilegung des Konflikts über den EU-Haushalt. Polen und Ungarn behielten ihre ablehnende Position bei. Nun wird es darauf ankommen, ob es gelingt, auf dem nächsten Treffen des Europäischen Rats am 10./11. Dezember eine Lösung zu finden. Ansonsten besteht tatsächlich das Risiko mindestens einer erheblichen Verzögerung der Implementierung des Aufbaufonds.

Obwohl das gestrige Ergebnis zum EU-Haushalt nicht unerwartet kam, könnte es nun doch erste Reaktionen bei den Bonds aus der Peripherie und möglicherweise auch der Semi-Kernländer geben. Bislang gaben sich die Investoren zwar entspannt. Das Risiko eines vorläufigen Scheiterns des Haushalts nimmt aber zu, obwohl die EU einen Track Record hinsichtlich Einigungen in letzter Minute hat. Allerdings wird die Europäische Zentralbank versuchen, zu starke Spreadausweitungen und Renditeanstiege zu dämpfen.

Im Verlauf des Freitags werden sich erneut zahlreiche europäischen Notenbankvertreter äußern, unter anderem die EZB-Präsidentin Christine Lagarde sowie ihr Vize Luis de Guindos. In Anbetracht des Stillstands zum EU-Budget dürfte die EZB-Chefin noch einmal auf die Bedeutung der fiskalischen Unterstützung für die Geldpolitik hinweisen und die Politik auffordern, den Aufbaufonds schnellst möglich auf den Weg zu bringen. Reaktionen an den Finanzmärkten auf den die Auftritte der Notenbankvertreter sollte es aber nicht geben, da sie vermutlich keine neuen Einblicke in die Geldpolitik geben werden.

Der Tag mit Bloomberg: Mnuchin-Powell-Streit, EU ohne Einigung

Die Vorgaben für den Handelsstart mit Staatsanleihen aus dem Euroraum sind durchwachsen. Einerseits dürfte die Hoffnung, erste Impfstoffe gegen die Virusinfektion könnten bereits vor Weihnachten in Europa eine Zulassung erhalten, die Sorgen vor noch tiefgreifenderen Auswirkungen der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie dämpfen. Andererseits könnte die Diskussion zwischen dem US-Finanzministerium und der US-Notenbank über die Verwendung nicht abgerufener finanzieller Mittel sowie ein Ausbleiben der Verlängerung von Maßnahmen zur Abmilderung der ökonomischen Auswirkungen in den USA die Sorgen vor einer erheblichen Verlangsamung des US-Aufschwungs schüren.

Die Staatsanleihen aus den Kernländer dürften daher kaum geändert in den Freitag starten. Ihre Renditeentwicklung wird dann von der Änderung der Risikowahrnehmung getrieben. Die Bonds aus der Peripherie sollten dagegen als Reaktion auf die wenig enttäuchenden Ergebnisse der Tagung des EU-Rats unter ganz leichten Abgabedruck geraten. Bei italienischen Staatsanleihen könnten die Aussagen aus dem Finanzministerium, wonach es auch im kommenden Jahr eine signifikante Emissionsaktivität geben wird, zusätzlich negativ auf die Bondkurse wirken.

Konjunkturdaten

Zum Wochenschluss sind Wirtschaftsdaten Mangelware. Die Auftragseingänge bei der italienischen Industrie im September sind zusammen mit der Schnellschätzung für den Wert des Verbrauchervertrauens der Europäischen Kommission für den November die wesentlichen neuen Informationen.

Die italienischen Auftragseingänge konnten in den vorangegangenen vier Monaten durchaus überzeugen. Sie lagen im Vormonat auf Jahresbasis wieder deutlich im Plus. Da die neuen, strickten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie erst nach September eingeführt wurden, könnte es durchaus noch einen weiteren Monat mit einem Zuwachs in den Auftragsbüchern geben.

Das Konsumentenvertrauen sollte dagegen von den zahlreichen Lockdown-Maßnahmen geprägt sein und entsprechend erneut nachgeben. Einfluss auf die Renditeentwicklung der Staatsanleihen im Euroraum werden die Daten nicht nehmen.

Mit Robert Kaplan, (stimmberechtigt), Esther George und Thomas Barkin werden sich erneut drei regionale US-Notenbankpräsidenten zu Wort melden. Impulse für die Treasuries dürften von ihren Aussagen nicht ausgehen. Die Linie der Fed bleibt bis auf weiteres abwarten. Die Fiskalpolitik ist am Zug. Sie dürften sich jedoch dafür starkt machen, die bestehende Instrumente zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie über das Jahr 2020 hinaus zu verlängern.

Bonitätsaktualisierungen

Für den Freitagabend sind die Aktualisierungen der Bonitätseinschätzungen von Portugal durch Fitch sowie von Lettland durch DBRS Morningstar sowie Moody’s geplant. Änderungen der Bonitätsnoten sind für beide Länder nicht zu erwarten, da die Ausblicke auf die jeweiligen Ratings mit einem stabilen Ausblick versehen sind.

Es könnte allenfalls zu einer Anpassung der Ausblicke kommen. Das ist jedoch wenig wahrscheinlich, da sich das Umfeld für die Länder seit der letzten Prüfung der Bonitätseinschätzungen kaum geändert hat.

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