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Renten am Morgen: Italienische/griechische Bonds als Safe Haven

Dirk Gojny
·Lesedauer: 6 Min.

(Bloomberg) -- Nach einem verhaltenen Handelsauftakt am Dienstag haben die Kurse der Staatsanleihen aus dem Euroraum im Fahrwasser der Treasuries zulegen können. Gesucht wurde vor allem das lange Ende der Zinskurven, so dass diese sich abflachten. Die Rendite der 30-jährigen Swaps tauchte ganz leicht unter die Marke von Null Prozent ab.

Erneut waren es die italienischen zusammen mit den griechischen Staatsanleihen, die die höchsten Renditerückgänge am langen Ende der Zinskurve verzeichnen konnten. Die Suche nach Rendite setzte sich fort, so dass die Renditen der BTPs am langen Ende erneut Allzeittiefs markierten.

Die Hoffnung auf eine Ausdehnung der Anleiheankäufe durch die Europäische Zentralbank dürfte neben den Spreads ein wesentlicher Antreiber für die Bewegung der italienischen und griechischen Bonds sein. Die Staatspapiere von der iberischen Halbinsel konnten mit dieser Bewegung nicht mithalten.

Ihre Underperformance dürfte zum einen darauf zurückzuführen sein, dass ihre Spreads zu den Kernländern bereits erheblich geschrumpft sind. Zum anderen könnten die politischen Probleme in Spanien den einen oder andere Investor doch beunruhigen. Und letztlich liegt die Rendite der 10-jährigen Papiere aus Portugal und Spanien nur noch leicht über der Nulllinie und diejenige der 30-jährigen bereits unter 1%.

Fiskalische Risiken, die aus den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie für Italien und Griechenland entstehen, werden weitestgehend ausgeblendet. Die Anleger scheinen darauf zu setzen, dass sowohl EZB als auch der Aufbaufonds dazu beitragen werden, dass die fiskalischen Risiken nicht auf die einzelnen Euroländer durchschlagen werden. Auch die Drohung der polnischen Regierung, ihr Veto gegen den EU-Haushalt und damit dem Aufbaufonds einzulegen, blieb ohne Reaktion.

“Polens Veto-Drohung für NGEU erscheint wenig glaubwürdig, wenn man bedenkt, dass das Land Finanzierung über 13% des BIP erhalten soll,” so Christoph Rieger von der Commerzbank in einem Research vom Mittwochmorgen. “Da dies jedoch weniger als einige Peripherieländer sind (Griechenland kriegt fast 20%), könnten dennoch schwere Verhandlungen anstehen, so dass die Implementierungsrisiken der großen EU-Pläne fortbestehen,” führt der Leiter des Zins- und Kreditresearch weiter aus.

Die Staatsanleihen aus den Kernländern des Euroraums dürften kaum verändert in den Mittwoch starten. Auf dem nun erreichten Renditeniveau mit 10-jährigen Bundesanleihen bei rund -0,56% werden weitere nachhaltige, deutliche Renditerückgänge nur mit starken Katalysatoren möglich sein - unter anderem Zinssenkungsfantasie, Einbruch an den Aktienmärkten, massive Belastung der wirtschaftlichen Aktivität durch erneute Lockdowns.

Letzteres versuchen die Euroländer, zwar zu vermeiden. Die Zügel werden bzw. wurden jüngst in Belgien, Italien und den Niederlanden wieder angezogen. Und in Abhängigkeit von dem Ausgang der Gespräche zwischen Bundesregierung und Länderchefs könnte in Deutschland eine Verschärfung der Pandemie-Regeln erfolgen. Außerdem will auch Frankreich seine Corona-Regeln weiter verschärften. Sollten die verhängten Einschränkungen zu einer nachhaltigen Reduzierung der Wachstumserwartungen führen, könnten die Kernlandrenditen weiter sinken.

Der Tag mit Bloomberg: Corona-Maßnahmen, Herbstgutachten

Trotz der Fortsetzung der Renditerückgänge der italienischen und auch griechischen Staatsanleihen zeichnet sich abgesehen von potenziellen Gewinnmitnahmen keine Trendwende für die Bewegung ab. Die Chancen stehen am Mittwochmorgen also erneut gut für eine Fortsetzung der Outperformance.

Konjunkturdaten

Die Industrieproduktion im gesamten Euroraum dürfte sich im August nur wenig verbessert haben.Darauf deuten die bislang aus den vier größten Euroländer veröffentlichten Daten hin. Gerade die schwach ausgefallenen Produktionsdaten aus Deutschland dürften den Eurolandwert schwächen. Dennoch dürften die Daten nur wenig Einfluss auf die Rentenmärkte haben.

Außerdem wird das Herbstgutachten der Wirtschaftsweisen vorgestellt. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen könnten die Experten ihre Wachstumsprognose abgesenkt haben. Allerdings werden die Prognosen wohl auch keine Wirkung auf die Renditeentwicklung der Bundesanleihen haben.

Am Nachmittag stehen die US-Erzeugerpreise für den September auf der Agenda. Gemäß der Prognosen soll der Preisauftrieb sehr moderat ausfallen, im Jahresvergleich lediglich 1% - Gesamtrate - und 0,5% - Kernrate - betragen.

Der Preisauftrieb auf den Vorstufen soll sehr gering bleiben. Auswirkungen auf die Treasury-Kurse sind von den Daten nicht zu erwarten.

Während es an der Datenfront erneut recht ruhig zugeht, werden viele Notenbanker aus dem Euroraum und den USA Auftritte absolvieren. In Europa handelt es sich dabei um die EZB-Präsidentin Christine Lagarde, den EZB-Chefvolkswirt Philip Lane, das Direktoriumsmitglied Yves Mersch sowie die Zentralbankchefs der französischen Notenbank Francois Villeroy de Galhau und der spanischen Notenbank Pablo Hernandez de Cos.

Nach ihren Auftritten in den vergangenen Wochen dürfte es jedoch kaum noch Neuigkeiten geben, die die Rentenmärkte über kurzfristige Ausschläge der Renditen hinaus bewegen werden. Die Blicke der Investoren richten sich vielmehr bereits auf die in zwei Wochen beginnenden Tagung des EZB-Rats. Auf dieser sollte eine weitere Lockerung der Geldpolitik trotz weiterhin unterschiedlicher Einschätzungen zum künftigen Kurs vorbereitet werden.

Schließlich sind die Renditen der Staatsanleihen aus der Peripherie, angeführt von den italienischen Bonds, unter anderem wegen der Erwartung einer erneuten Ausdehnung der Anleiheankaufvolumina kräftig abgesackt. Enttäuschte Erwartungen dürften dagegen wieder für mehr Rendite- und Spreadvolatilität sorgen. Die EZB müsste dann unter Umständen wieder stärker in das Marktgeschehen eingreifen als in den vergangenen Wochen.

Mit Robert Kaplan, Richard Clarida und Randal Quarles treten drei stimmberechtigte Mitglieder im FOMC auf. Dazu wird sich der Präsident der Richmond Fed, Thomas Barkin, äußern. Sofern die Fed-Vertreter Aussagen zur wirtschaftlichen Entwicklung treffen, dürften sie vor allem auf die Risiken für den Aufschwung hinweisen und erneut fiskalische Unterstützung einfordern.

Die Bereitschaft der Fed, die Geldpolitik weiter zu lockern, dürfte ohne ein Fiskalpaket gering sein. So bezeichnete die nicht im FOMC stimmberechtigte Präsidentin der San Francisco Fed, Mary Daly, die aktuelle Geldpolitik als angemessen. Neue Impulse für Treasuries sind von den Auftritten der US-Notenbanker insgesamt nicht zu erwarten.

Primärmarkt

Die deutsche Finanzagentur und das portugiesische Schatzamt werden mit Anleiheaufstockungen aktiv.

Die geplante Anhebung des umlaufenden Volumens für die deutsche 30-jährigen Benchmark von 1 Milliarde Euro fällt überschaubar aus. Durch die Fälligkeit der Bundesobligation mit einem Umfang von 19 Milliarden Euro sollte die Platzierung Unterstützung erfahren, obwohl Renditen für den deutschen Langläufer um -0,13% wenig attraktiv sind. Nichtsdestoweniger dürfte die Nachfrage nach dem Bond das Angebot übersteigen, zumal das geringe Emissionsvolumen des Bundes im laufenden vierten Quartal Knappheitsprämien befördert.

Das portugiesische Schatzamt wird mit Fälligkeiten Oktober 2028 und April 2037 im mittleren und langen Segment mit seinen Aufstockungen aktiv. Das geplante Emissionsvolumen von zusammen bis zu 1 Milliarde Euro ist gering. Daher dürfte die Platzierung ohne nachhaltige Eintrübung der Aufnahmebereitschaft der Anleger und damit ohne Konzessionen möglich sein.

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©2020 Bloomberg L.P.