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Raus aus der Krise – Diese Persönlichkeiten geben uns Zuversicht für 2021

Kugel, Janina
·Lesedauer: 10 Min.

Ein turbulentes Jahr geht zu Ende. Nun sollten wir die Erkenntnisse daraus nutzen, um unsere Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zukunftsfähig aufzustellen.

  • 2020 sollte das Jahr der Superlative werden – im Positiven. Doch es kam alles anders als vorhergesagt. Covid-19 hat uns in diesem Jahr vieles gelehrt und zahlreiche unserer Schwachstellen aufgedeckt. Jetzt ist nicht nur die Zeit für eine hohe Staatsverschuldung, sondern auch für starke Reformen.

  • Die Corona-Pandemie dominierte in diesem Jahr in weiten Teilen unser (Wirtschafts-)Leben. Doch darüber hinaus gab es noch viele andere spannende Themen und prägende Persönlichkeiten.

  • Wer ist der Aufsteiger, was der Aufreger, welches das Start-up des Jahres? Zum 12. Mal in Folge hat eine Jury für das Handelsblatt die „Menschen des Jahres“ gekürt – und die Redaktion hat prominente Autoren gebeten, die Preisträger zu würdigen.

Was für ein Jahr. Mit großen Hoffnungen und großen Zielen waren wir ins neue Jahrzehnt gestartet. Die Rede ist nicht von den persönlichen Neujahrsvorsätzen der Silvesternacht, die wir spätestens Mitte Januar meist schon wieder aufgeben, sondern von den Erwartungen an die wirtschaftliche, technologische und gesellschaftliche Entwicklung unseres Landes. 2020, da waren wir uns sicher, würde das Jahr der Superlative werden.

Es wurde in vielerlei Hinsicht anders als vorhergesagt und anders, als wir uns vorgestellt hatten. Das Jahr war erst ein paar Wochen alt, als wir von einem schnell um sich greifenden Virus hörten. Kurze Zeit später erreichte Covid-19 auch Deutschland.

Eine Pandemie solchen Ausmaßes hatte fast niemand auf dem Schirm. Virolog*innen und Infektionsforscher*innen hatten zwar schon lange davor gewarnt, dass die Folgen des Klimawandels und unser stetiges Eindringen in die Lebensräume von Wildtieren die Wahrscheinlichkeit von Zoonosen erhöht, also von Viren, die von Tieren auf den Menschen überspringen. Wir ignorierten diese Gefahr aber weitestgehend.

Wir wollten nicht wahrhaben, was wir uns nicht vorstellen konnten, dass sich Zoonosen, wie wir sie bereits kennen – Ebola, die Schweine- oder Vogelgrippe – global ausbreiten und auch wir Opfer sein könnten. Das Leid der anderen interessiert eben nur am Rande, solange keine persönliche Betroffenheit besteht.

Und wer glaubt, wir hätten aus Covid-19 zumindest gelernt, möge sich vergegenwärtigen, dass wir die Warnungen der Wissenschaft vor den Gefahren des Klimawandels immer noch weitestgehend ignorieren.

Zumindest ließe sich das aus unseren Handlungen und Entscheidungen schlussfolgern. Die verwüstenden Naturkatastrophen finden in Deutschland (noch) nicht statt, die brennenden Wälder Kaliforniens oder verheerende Überschwemmungen auf anderen Kontinenten erregen einige Tage lang unser mediales Interesse, sind dann aber wieder schnell vergessen.

Es ist erstaunlich und gleichzeitig besorgniserregend, zu sehen, wie akzeptiert es in unserer Gesellschaft inzwischen ist, Fakten zu ignorieren. Die eigene Meinung oder die Haltung einer Gruppe rechtfertigt plötzlich alles.

Und hierbei handelt es sich keineswegs um eine Minderheit von Fanatiker*innen, welcher Couleur auch immer, sondern um eine breite Gruppe über alle Gesellschafts- und Bildungsschichten hinweg.

  • Angela Merkel – die Kämpferin des Jahres

  • Christian Drosten – der Erklärer des Jahres

  • Dietmar Hopp und die Gebrüder Strüngmann – die Hoffnungsträger des Jahres

Manchmal habe ich das Gefühl, dass diesen Stimmungsmacher*innen regelrecht zugejubelt wird. Endlich jemand, der der Ambiguität des realen Lebens mit einfachen Antworten begegnet. Das erspart die Mühe, sich mit unterschiedlichen Meinungen auseinanderzusetzen, wie es der Pluralismus, der Leitgedanke unserer Demokratie, erfordert. Frei nach Pippi Langstrumpf: „Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt.“

Für Veränderungen braucht es mehr als den kleinsten gemeinsamen Nenner

Dabei stehen wir an einem Wendepunkt. Die technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die Herausforderungen des Klimawandels und nicht zuletzt die Angriffe auf die freiheitliche Demokratie erfordern ein Umdenken und an vielen Stellen nachhaltige Reformen.

Wir können und dürfen nicht hoffen, dass es ausreicht, im gewohnten Tempo und mit den üblichen Kompromissen weiterzumachen. Das macht uns zu langsam – und der kleinste gemeinsame Nenner wird nicht genügen, um die notwendigen Veränderungen anzustoßen und umzusetzen.

Wir müssen erkennen, dass Demokratie kein Selbstläufer ist und dass es sich lohnt, totalitären Staaten zu zeigen, dass unsere Staatsform die erfolgreichere ist. Wenn Deutschland und Europa weiterhin wirtschaftlich, technologisch, politisch, sozial und gesellschaftlich zu den weltweiten Vorreitern zählen soll, dann müssen wir in diesem Wandel eine führende Rolle einnehmen.

  • Belén Garijo – die Aufsteigerin des Jahres

  • Elon Musk – der Stratege des Jahres

  • Jacinda Ardern – die Politikerin des Jahres

Nur so können wir nachhaltiges Wachstum, globale Wettbewerbsfähigkeit und soziale Gerechtigkeit auch in Zukunft garantieren. Doch es braucht den Willen, neu zu gestalten und aktiv zu verändern. Wir müssen lernen, nicht nur auf das zu reagieren, was andere vorgeben.

Covid-19 hat uns vieles gelehrt und auch zahlreiche unserer Schwachstellen schonungslos aufgedeckt. In Unternehmen, in Bildungseinrichtungen, an vielen Stellen der Gesellschaft und ja selbst im Privaten konnten Defizite nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden.


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Auch wenn das Virus grundsätzlich jeden treffen kann, so hat die Pandemie die soziale Ungleichheit in der Gesellschaft verschärft: Wer arm ist, wird ärmer – wer reich ist, hat zumindest keine Einkommenseinbußen. Dies sehen wir in Deutschland, und in anderen Ländern sind die Auswirkungen noch eklatanter.

Unsere Schulen sind nicht auf die Digitalisierung vorbereitet, daran hat selbst der Digitalpakt nichts geändert. Die Sommermonate, in denen vor einem zweiten Lockdown gewarnt wurde, sind ungenutzt verstrichen. Und wer die Hauptlast in den Familien trägt, sollte spätestens jetzt allen klar sein: Frauen sind überdurchschnittlich stark involviert und damit durch die Krise mehr belastet.

Auch dass Menschen in Pflegeberufen unterbezahlt und aufgrund des Personalmangels chronisch überbelastet sind, ist keine neue Erkenntnis – aber jetzt so deutlich wie selten zuvor. Diese und viele weitere Fachkräfte sind systemrelevant. Das sollte uns mehr wert sein als abendlicher Applaus auf den Balkonen.

Nach den ersten Wochen und dem ersten Schock war ich fest davon überzeugt, dass diese Veränderungen auf breiter gesellschaftlicher Ebene geschehen würden. Und natürlich gab es sie vereinzelt, aber reicht das wirklich aus?

  • Niklas Östberg – der Profiteur des Jahres

  • Reinhard Ploss – der Manager des Jahres

  • Michael Hähnel – der Familienunternehmer des Jahres

Einige Unternehmen und Organisationen scheinen eher im Fokus zu haben, den alten Status quo wiederherzustellen. Es hat fast den Anschein, als ob sie die Krise dazu nutzen wollen, zurück in die Vergangenheit zu springen.

Manchmal wurden bereits geplante Reformen wieder gestoppt – man habe jetzt Wichtigeres zu tun. Zurück in die Zeiten, in denen alles gut war; zurück in die Zeiten, die kontrollierbar schienen. Im Ernst?

Diese Haltung bewirkte Frustration bei denjenigen, denen die Pandemie am meisten zusetzt und deren Bedürfnisse in den Entscheidungsprozessen nicht repräsentiert sind. Und sie führte zu großem Unverständnis bei all denjenigen, die die Chance auf Veränderungen ergreifen wollen, die sich Fortschritt wünschen und nicht Stillstand.

Denn wir wissen, dass es manchmal ein Wachrütteln braucht, um Transformationen anzustoßen. Und wachgerüttelt sind wir jetzt, die Voraussetzungen sind also gegeben.

Die Herausforderungen sind groß, die Chancen größer

Wer gestärkt aus der Pandemie hervorgehen möchte, darf es nicht bei Maßnahmen für den aktuellen Krisenmodus belassen, sondern muss die Chance ergreifen, grundlegende und strukturelle Reformen anzugehen.

Wir müssen uns daher eingestehen, dass „einfach so weitermachen“ auch nach der Krise keine Perspektive ist. Diese Erkenntnisse in Tatsachen umzuwandeln ist schwierig, denn das heißt, sich von festgefahrenen Strukturen und Mustern zu verabschieden. Und manchmal auch, Entscheidungen zu treffen, die nicht leichtfallen. Doch wo es keine Hoffnung auf Erholung gibt, darf die Angst vor der Härte der Entscheidung nicht das Leitmotiv sein.

  • Verena Pausder – die Vordenkerin des Jahres

  • Celonis – das Start-up des Jahres

  • Werner Wenning – der Aussteiger des Jahres

Jeder Mensch geht mit Krisen anders um. Die einen resignieren, die anderen werden aktiv. Und so entstand aus Wut und Verzweiflung vielfach Energie. Energie, die sich in Tatendrang und Initiative umwandelte; getrieben von Menschen, die bereit sind, Dinge anzugehen, um neue, positivere Geschichten zu schreiben.

Ideen wurden einfach mal umgesetzt, bislang analoge Geschäftsmodelle in den virtuellen Raum verlegt – mit teilweise erstaunlichem Erfolg. Die Angebote an digitalen Formaten für Sport, Konferenzen oder Seminare nahmen stetig zu. Ja, die den Deutschen so ans Herz gewachsene Präsenzkultur wurde durch das Homeoffice ersetzt. Und welch Wunder, es funktioniert.

Wir mussten ohnehin improvisieren, denn gewohnte Routinen waren durchbrochen. Und das führte dazu, dass bei vielen eine ungewöhnliche Offenheit für Neues und auch für nicht Perfektes entstand. Ausprobieren war erlaubt, ja sogar vielerorts gewünscht und gefordert. Eine Offenheit, wie ich sie mir auch für die Zukunft wünsche.

Und es gab noch mehr: Vereine wurden gegründet, um diejenigen zu unterstützen, die keine Lobby haben. Die Initiative #elterninderkrise zum Beispiel: Sie bringt Eltern zusammen und fordert Lösungen, die sich an den realen Nöten und Bedürfnissen von Familien orientieren.

Und noch etwas anderes war zu spüren, was viele so nicht kannten: eine große Welle der Solidarität, sei es unter Nachbarn, sei es in der Belegschaft. Es zeigte sich also vielerorts, dass Neues möglich wurde. Es gibt sie also, die Energie, gestalten zu wollen.

Verhaltensänderungen bleiben nach der Krise nicht automatisch bestehen, eine Rückkehr in alte Muster kann schnell passieren – es sei denn, wir sorgen bewusst dafür, dass wir neue Denk- und Herangehensweisen beibehalten.

Es liegt also an uns, ob wir etwas verändern wollen, damit das Morgen besser wird als das Heute. Ob wir bereit sind, mutige Entscheidungen zu treffen, und die Zuversicht haben, dass dies gelingen wird.

Daher ist es richtungsweisend, wenn etwa bei den Regierungsbildungen in den USA oder Neuseeland klare Zeichen dafür gesetzt werden, die Zukunft anders zu gestalten als die Vergangenheit: Die Wahlsieger Joe Biden und Kamala Harris sowie Jacinda Ardern beriefen Menschen, die die Vielfalt der Gesellschaft repräsentieren und sie in ihren Entscheidungsprozessen berücksichtigen.

Es sind hochqualifizierte Persönlichkeiten, und dennoch sind sie „anders“ als ihre Vorgänger*innen. Sie geben den Bürger*innen die Zuversicht, dass der Aufbruch ernst gemeint ist. Denn wir dürfen diejenigen, die zweifeln, nicht an die Ränder unseres politischen Systems verlieren.

  • US-Wahl – der Politkrimi des Jahres

  • Wirecard – der Wirtschaftskrimi des Jahres

  • Wirtschaftsprüfer – die Enttäuschung des Jahres

  • Clemens Tönnies – der Aufreger des Jahres

Und es ist gut und richtig, dass Unternehmen die positiven Erfahrungen ihrer Mitarbeiter*innen aus der Krise nutzen und dafür sorgen, dass sie auch in Zukunft weiter beibehalten werden. Ein Signal, das wertgeschätzt wird und für den Aufbruch in eine andere Zeit steht. Das zeugt von Optimismus und dem tiefen Glauben daran, dass Veränderungen möglich sind.

Denn wir haben noch viel vor uns. Heute schon die ökonomischen Folgen der Krise bemessen zu wollen halte ich für verfrüht. Einzelne Unternehmen werden das für sich sicherlich recht schnell feststellen können. Aber die langfristigen Kosten der Staatsverschuldung und die Auswirkung auf die kommenden Generationen werden erst deutlich später abschätzbar sein.

Ist es dann fair, wenn wir versuchen, die notwendigen Änderungen auf diejenigen abzuschieben, die nach uns kommen – nur damit wir selbst nicht aus unserem Trott ausbrechen müssen? Damit wir nicht diejenigen sind, die auch bittere Wahrheiten aussprechen müssen? Ist es nicht unsere Aufgabe, Reformen anzustoßen, damit die Rahmenbedingungen in unserem Land auf die Zukunft ausgerichtet sind? Ich glaube schon.

Die Probleme, die die Corona-Pandemie schonungslos zutage gefördert hat, liegen jetzt offen vor uns. Aber es ist auch eine einmalige Chance, daraus wirklich etwas nachhaltig zum Positiven zu verändern. Die Herausforderungen sind groß, aber die Chancen sind so viel größer.

Wir stehen an einem Wendepunkt, und es ist an der Zeit, neue Wege zu gehen. Und zwar so, dass andere uns folgen können. Es ist möglich, wir brauchen nur Mut und Zuversicht.