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Raisin will dank ungewöhnlicher Vertriebskette weiter wachsen

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Die Zinsplattform Raisin startet mit ihrer Marke Weltsparen eine neue Vertriebspartnerschaft. Über viele Ecken sollen am Ende auch die Anleger profitieren.

Die Sparquote der Deutschen steigt und damit die Nachfrage nach verzinsten Konten. Foto: dpa
Die Sparquote der Deutschen steigt und damit die Nachfrage nach verzinsten Konten. Foto: dpa

Kooperationen zwischen jungen Finanz-Start-ups und etablierten Banken sind längst Normalität. Das Fintech Raisin, das in Deutschland unter der Marke Weltsparen bekannt ist, ist nun jedoch Teil einer ungewöhnlichen, da besonders langen Kette von Vertriebspartnern. Dabei sollen alle Beteiligten profitieren – inklusive der Kunden.

Die neue Vertriebskette funktioniert so: Eine Bank – zum Beispiel aus Schweden – braucht Liquidität, deshalb richtet sie sich an das Fintech Raisin. Dieses bietet über seine Zinsplattform Tages- und Festgeldkonten der schwedischen Bank an. Die Plattform können Kunden bislang direkt erreichen oder sie gelangen über einen von Raisins Kooperationspartnern dorthin, die von ihren Internetseiten auf die Plattform verlinken.

Neuerdings kommt die Vertriebsplattform Procheck24 als weiterer Akteur dazu. Die ehemalige Tochter des Vergleichsportals Check24 stellt Finanzprodukte für Versicherungsdienstleister, Anlagevermittler, Maklerpools, Banken und Versicherungen bereit und hat nach eigener Aussage 60.000 Partner. Über eine technische Schnittstelle stellt sie die Verbindung zwischen Weltsparen und ihren Partnern her. Umgesetzt wurde dies nun zuerst bei der Sparkasse Bremen.

Wie eine Sprecherin der Sparkasse dem Handelsblatt sagte, will das Institut seinen Kunden damit zusätzlich zu den eigenen Einlagenprodukten Alternativen von Drittbanken anbieten. „Die eigenen Konditionen führen manchmal dazu, dass Kundinnen und Kunden ihre Gelder nicht mehr bei der Sparkasse Bremen anlegen“, so die Sprecherin. Die Kooperation solle daher zur Kundenbindung beitragen.

Hohe Sparquote erhöht Druck auf Banken

Kunden Sparkonten zu bieten, für die sie Zinsen bekommen und nicht etwa Negativzinsen zahlen müssen, wird für Banken im aktuellen Marktumfeld immer wichtiger. Während der Coronakrise haben die Deutschen mehr Geld zur Seite gelegt und laut einer am Dienstag veröffentlichten Studie der DZ Bank dürfte die Sparquote auch in der zweiten Jahreshälfte hoch bleiben und im Gesamtjahr auf rund 16 Prozent steigen, verglichen mit 10,9 Prozent in 2019.

Einige andere Banken wie etwa die Commerzbank, Hauck & Aufhäuser, N26 sowie diverse Sparkassen und Volksbanken haben schon direkte Kooperationen mit Raisin geschlossen. Andere, wie die Deutsche Bank und die Hamburger Sparkasse setzen auf den Konkurrenten Deposit Solutions. Raisin hat seit seiner Gründung im Jahr 2013 bereits mehr als 26 Milliarden Euro von mehr als 275.000 Sparern vermittelt.

Die Sparkasse Bremen verweist darauf, dass sie bereits seit 2017 mit Procheck24 zusammenarbeite – unter anderem im Bereich Ratenkredit sowie Strom- und Gasvergleiche. „Unsere Beraterinnen und Berater kannten daher schon die Plattform sowie die dazu gehörige technische Infrastruktur“ – das sei der ausschlaggebende Grund für diese Form der Zusammenarbeit gewesen.
Banken gehören bei den Vertriebspartnern von Procheck24 noch zu einer „jungen Zielgruppe“. Doch Geschäftsführer Daniel Hering rechnet auch mit anderen Interessenten. „Auch für Versicherungsvermittler ist es interessant, ihren Kunden attraktive Tages- und Festgeldkonten zu vermitteln“, so Hering. „Wenn die Kooperation über uns läuft, können die Berater über unsere Plattform einsehen, welche Produkte die Kunden abgeschlossen haben und profitieren zudem von einer laufenden Vergütung.“

Technologische Unterstützung

Eine Partei mehr im Boot dürfte für das Fintech auch bedeuten, dass es einen größeren Teil der Provisionen abgeben muss, die Partnerbanken ihm für die Vermittlung ihrer Einlagenkonten zahlen. Benedikt Voller, Vice President Business Clients & Partnerships bei Raisin, gibt sich dazu auf Nachfrage bedeckt. Er stellt für Raisin jedoch den Vorteil der technologischen Unterstützung heraus. „Einzelne Vertriebspartner an unsere Plattform anzubinden kann sehr aufwendig sein, wenn uns Procheck24 diese Arbeit abnimmt, können wir unsere Reichweite noch schneller steigern“.

Welche Weltsparen-Produkte an die eigenen Kunden vermittelt werden, könne dabei jeder Partner selbst entscheiden. „Wir bieten drei Standardmodelle an: Alle Produkte, nur Produkte, die auch Finanztest empfiehlt und eine Produktauswahl abhängig vom Länderrating“, erklärt Voller. Aktuell stünden bei der neuen Partnerschaft nur Tages- und Festgeldkonten im Fokus, doch eine Vermittlung der ETF-Portfolios sei in Zukunft ebenfalls nicht ausgeschlossen.