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Quartalszahlen: Milliardengewinne und angehobene Prognosen

·Lesedauer: 9 Min.

Viele Unternehmen verkünden am Donnerstag ihre Quartalsergebnisse: Telekom, Varta und Merck heben ihre Prognosen an – und Siemens verbucht trotz Corona einen Milliardengewinn. Das sind die Quartalszahlen des Tages.

Berichtssaison in der deutschen Wirtschaft: Dutzende Unternehmen stellen am Donnerstag ihre Ergebnisse des dritten Quartals vor. Auch das stand ganz im Zeichen der Pandemie. Wie schlugen sich die Unternehmen in den vergangenen Monaten? Und wie blicken sie in die Zukunft? Immerhin machte in dieser Woche der Durchbruch bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff an den Märkten vielen Anlegern Mut und sorgte bei etlichen krisengebeutelten Unternehmen für Kurssprünge. Hier die wichtigsten Quartalszahlen des Tages:

Siemens steckt Coronakrise gut weg – doch Dividende sinkt

Siemens hat die Coronakrise vorerst glimpflich überstanden. Der Münchner Technologiekonzern holte im Endspurt des Geschäftsjahres 2019/20 einen großen Teil der Einbußen aus dem Frühjahr wieder auf. Das bereinigte operative Ergebnis aus dem Industriegeschäft (Ebita) lag per Ende September mit 7,6 (Vorjahr: 7,8) Milliarden Euro nur um drei Prozent unter dem Vorjahresniveau, wie Siemens am Donnerstag mitteilte. Umsatz und Auftragseingang gingen – die abgespaltene Energietechnik-Tochter Siemens Energy ausgeklammert – leicht zurück. Der scheidende Vorstandschef Joe Kaeser muss allerdings zum ersten Mal in seiner siebenjährigen Amtszeit eine sinkende Dividende verkünden: Die Aktionäre erhalten 3,50 (3,90) Euro je Aktie.

Denn der Nettogewinn sank um ein Viertel auf 4,2 Milliarden Euro. Dabei kam Siemens ein Buchgewinn von 900 Millionen Euro vor Steuern aus der Abspaltung von Siemens Energy zugute, der die operativen Milliardenverluste der ehemaligen Tochter zum Teil ausglich. Dem gegenüber standen rund 500 Millionen Euro Kosten für den laufenden Personalabbau. Unter dem Strich kämen die Siemens-Aktionäre trotz der geringeren Ausschüttung nicht schlechter weg als ein Jahr zuvor, argumentiert der Konzern: Die Differenz entspreche dem Wert der Siemens-Energy-Aktien, die man ihnen Ende September ins Depot gebucht hatte. Einen Teil der Dividende sieht Siemens auch als Ausgleich für das im Frühjahr auf Eis gelegte Aktienrückkaufprogramm.

„Nach der Abspaltung von Siemens Energy und der Veräußerung von Flender ist das neue Siemens hervorragend aufgestellt, um die gewaltige industrielle Transformation zu gestalten“, sagte Kaeser, der im Februar 2021 endgültig den Hut nimmt. Er hatte bereits im Frühjahr den Tiefpunkt in der Coronakrise im dritten Quartal (April bis Juni) vorausgesagt, aber das Tempo der Erholung offengelassen.

Fusion von T-Mobile und Sprint beflügelt Telekom

Beflügelt durch den Zusammenschluss der US-Tochter T-Mobile US mit dem kleineren Konkurrenten Sprint traut sich die Deutsche Telekom erneut mehr zu. „Wir erhöhen unsere Prognose dank guter Geschäfte auf beiden Seiten des Atlantiks“, sagte Telekom-Chef Tim Höttges am Donnerstag bei der Vorlage der Quartalszahlen. „Und wir können das, obwohl auch wir in einigen Bereichen die Auswirkungen der Pandemie spüren.“

Demnach rechnet Europas größter Telekomkonzern nun für 2020 mit einem bereinigtem Betriebsergebnis (Ebitda) ohne Leasingaufwendungen von mindestens 35 Milliarden Euro statt bisher rund 34 Milliarden Euro. Der Telekom kommt zu Gute, dass die Integration der ehemaligen Softbank-Tochter Sprint in den USA schneller voran geht als erwartet, was Geld spart. T-Mobile US zählte jüngst erstmals mehr als 100 Millionen Kunden und Firmenchef Mike Sievert kündigte an: „Wir fangen erst an.“

Von Juli bis September kletterte das bereinigte Ebitda des Bonner Konzerns um fast 50 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um fast 32 Prozent auf 26,4 Milliarden Euro zu. Damit übertraf die Deutsche Telekom die Prognosen von Analysten. Diese hatten in einer vom Unternehmen selbst in Auftrag gegebenen Umfrage im Schnitt Erlöse von knapp 25,8 Milliarden Euro und einen bereinigten Betriebsgewinn von 9,03 Milliarden Euro erwartet.

Laborsparte und Halbleiter geben Merck Schub

Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA nimmt trotz der Coronapandemie Fahrt auf und wird nochmals optimistischer für das Gesamtjahr. Die florierende Laborsparte gab dem Dax-Konzern im dritten Quartal weiter Rückenwind, aber auch das Halbleitergeschäft sprang deutlich an. Konzernweit kletterte der Umsatz zwischen Juli und September im Vergleich zum Vorjahr um 9,7 Prozent auf knapp 4,45 Milliarden Euro, wie der Dax-Konzern am Donnerstag in Darmstadt mitteilte. Damit habe sich das Jahresviertel stärker als erwartet entwickelt.

Wegen eines Sonderertrags wuchs das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) überproportional stark um 53 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Der Konzern hatte nach einem gewonnenen Patentstreit mit dem US-Konzern Biogen Rückstellungen in Höhe von 365 Millionen Euro aufgelöst. Nach Steuern stieg das Ergebnis von 342 Millionen im Vorjahr auf 806 Millionen Euro.

Für das Gesamtjahr peilt Merck nunmehr einen Umsatzanstieg auf 17,1 bis 17,5 (Vorjahr: 16,2) Milliarden Euro an. Das bereinigte Ebitda wird bei 5,05 bis 5,25 Milliarden Euro erwartet nach rund 4,4 Milliarden ein Jahr zuvor. Im Frühjahr übernimmt die Spanierin Belén Garijo die Führung von Merck.

Wachstum bei dm gebremst

Das Drogeriemarktunternehmen dm wächst auch während der Pandemie weiter. Allerdings war der Umsatzzuwachs im Geschäftsjahr 2019/20 (30. September) mit 2,9 Prozent auf 11,52 Milliarden Euro deutlich geringer als im Vorjahr (4,6 Prozent). Das Wachstum im Ausland war mit 5,3 Prozent stärker als in Deutschland mit 2,1 Prozent. „Wir bei dm können rückblickend für alle unsere Märkte in Europa festhalten, dass die Corona-Pandemie sich auf unsere täglichen Kundenbesuche ausgewirkt hat“, teilte Finanzgeschäftsführer Martin Dallmeier am Donnerstag mit. Angaben zum Gewinn macht dm nicht. Die Zahl der Filialen in Deutschland wuchs um 27 auf 2024. Insgesamt sind es in Europa 3765, 97 mehr als im Vorjahr. Das Unternehmen beschäftigt gut 62 600 Menschen.


RWE, Varta, K+S und Sixt

Wandel zum Ökostromriesen zahlt sich für RWE aus

Der Umbau zum Ökostromkonzern zahlt sich für den Energiekonzern RWE immer mehr aus. In den ersten neun Monaten konnte der Versorger dank Zuwächsen im Geschäft mit Erneuerbarer Energie und auch bei den Kohlekraftwerken zulegen. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei um 13 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro gestiegen, teilte RWE am Donnerstag mit. Die Essener bestätigten die Prognosen für 2020. Der Versorger kündigte an, sein Ökostromgeschäft kräftig ausbauen zu wollen. Bis Ende des Jahres sollen die Kapazitäten bei Wind und Solar zehn Gigawatt erreichen.

„RWE kommt wirtschaftlich gut durch die Coronakrise“, sagte Finanzchef Markus Krebber. Er soll im kommenden Jahr an die Spitze des Konzerns rücken. Die Sparte Offshore Wind konnte in den ersten neun Monaten ihr operatives Ergebnis dank günstigeren Wetterbedingungen um zwölf Prozent auf 738 Millionen Euro steigern. Auch die Windräder an Land samt Solar legten dank neuer Anlagen zu. Das klassische Geschäft mit Strom aus den Kohlekraft- und Kernkraftwerken profitierte von höheren Preisen und fuhr operativ 381 (Vorjahr: 205) Millionen Euro ein.

„Mit der Kapitalerhöhung im Sommer haben wir die Weichen gestellt, um unser mittel- und langfristiges Wachstum bei den Erneuerbaren Energien noch beschleunigen zu können“, betonte Krebber. In den ersten drei Quartalen 2020 habe das Unternehmen rund 500 Megawatt an neuen Windkraft- und Solaranlagen in Betrieb genommen, im vierten Quartal sollen rund 800 Megawatt hinzukommen.

Batteriefirma Varta hebt Prognose erneut an

Der Boom kabelloser Minikopfhörer für Smartphones von Apple und Samsung sowie der Rückkauf des traditionellen Batteriegeschäfts treiben das Wachstum von Varta. Der Batteriehersteller erhöhte daher am Donnerstag erneut die Prognose und erwartet für 2020 nun einen Umsatz von 840 bis 860 (bisher: 810 bis 830) Millionen Euro. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) werde zwischen 230 bis 250 (bisher: 210 bis 215) Millionen Euro liegen, teilte das Unternehmen aus dem schwäbischen Ellwangen mit. Eine Ursache für die höhere Gewinnprognose sind dabei auch geringere Kosten für den Ausbau der Produktion. Dafür sollen in diesem Jahr 290 bis 320 (bisher: 320 bis 360) Millionen Euro fließen.

In den ersten neun Monaten steigerte Varta den Umsatz um 159,7 Prozent auf 630,3 Millionen Euro. Das bereinigte Ebitda verdreifachte sich fast auf 176,8 (Vorjahr: 63,0) Millionen Euro. Die Umsatzschwelle von einer Milliarde Euro werde der Konzern bereits in 2021 nahezu erreichen, erklärte Varta weiter. Das bereinigte Ebitda solle auch im nächsten Jahr schneller als der Umsatz wachsen.

Schwache Düngerpreise belasten K+S

Niedrige Düngerpreise haben die Geschäfte von K+S auch im dritten Quartal belastet. Zudem musste das Unternehmen, wie bereits bekannt, unter anderem wegen langfristig vorsichtigerer Kali-Preiserwartungen rund zwei Milliarden Euro abschreiben, so dass unter dem Strich beim bereinigten Konzernergebnis ein dickes Minus in fast der gleichen Höhe steht. Bei der Restrukturierung sieht der Vorstandsvorsitzende Burkhard Lohr den MDax-Konzern derweil auf Kurs.

Der Umsatz fiel von Juli bis Ende September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 9 Prozent auf 822 Millionen Euro, wie K+S am Donnerstag in Kassel mitteilte. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg zwar um fast ein Fünftel auf 96 Millionen Euro, das lag aber an einem positiven Sondereffekt im Zusammenhang mit dem Konzernumbau. Der Umsatz lag damit etwas unter der durchschnittlichen Schätzung von Analysten, das operative Ergebnis auch wegen des Sonderbeitrags darüber.

Für 2020 stellt Lohr inklusive Restrukturierungskosten weiter einen operativen Gewinn von rund 480 Millionen Euro in Aussicht. Dabei setzt er auf eine leichte Erholung der Preise für Kali-Standarddünger im Vergleich zum dritten Jahresviertel sowie auf weitgehend stabile Preise für Spezialdünger.

Autovermieter Sixt sieht Ende des positiven Trends

Der Autovermieter Sixt rechnet aufgrund der neuen Einschränkungen wegen der Coronapandemie mit negativen Folgen für den weiteren Geschäftsverlauf. Das positive Momentum des dritten Quartals werde sich in den kommenden Monaten nicht fortsetzen, sagte Konzernchef Erich Sixt am Donnerstag bei der Vorlage ausführlicher Zahlen in Pullach bei München. Die Unsicherheiten seien weiter hoch. Das Management traut sich daher weiter keine Prognose für 2020 zu.

Dennoch zeigte sich Erich Sixt überzeugt, dass Corona den langfristigen Trend zu individueller Mobilität eher befördert. Sixt sei auf das Wiederanziehen der Märkte „bestens vorbereitet“.

Wie bereits bekannt, bekam das im Nebenwerteindex SDax notierte Unternehmen die Virus-Folgen auch im dritten Quartal deutlich zu spüren. Zwar erwirtschaftete Sixt trotz der schwierigen Bedingungen einen Vorsteuergewinn von 66 Millionen Euro, doch das war weniger als halb so viel wie ein Jahr zuvor. Der Konzernumsatz sackte um knapp 41 Prozent auf 462,6 Millionen Euro ab. Der Überschuss brach um rund ein Drittel auf 75,4 Millionen Euro ein.

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