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Eine Psychologin erklärt, warum ihr manche Kollegen einfach nicht leiden könnt — und wie ihr damit umgeht

·Lesedauer: 3 Min.
Nicht alle Kolleginnen und Kollegen finden einander sympathisch.
Nicht alle Kolleginnen und Kollegen finden einander sympathisch.

Man sagt, die Familie kann man sich nicht aussuchen. Wen ihr euch auch oft nicht aussuchen könnt, das sind Arbeitskolleginnen. In vielen Fällen entwickeln sich im Job gute Freundschaften oder romantische Beziehungen. Manchmal ist genau das Gegenteil der Fall. Doch was macht man, wenn man einen Arbeitskollegen oder eine Arbeitskollegin einfach nicht ausstehen kann?

Im Alltag kann es eine psychische Belastung sein, wenn ihr im Job mit einer bestimmten Person immer wieder Reibereien habt oder euch dauerhaft über jemanden ärgert. Ein klassisches Beispiel: die eine Kollegin, die in jedem Teammeeting immer als erste etwas sagen muss und sich bei jeder Gelegenheit in den Mittelpunkt drängt.

Wir projizieren unsere Unsicherheiten bei der Arbeit oft auf andere

Die Berliner Psychologin Nicole Engel rät, in so einer Situation gleich zu reflektieren, aus welchen Gründen euch die Person oder ihr Verhalten verärgert. „Meist kommt dabei heraus, dass die Person, die das stört, gern selbst zum Beispiel selbstbewusster wäre und auch einmal im Mittelpunkt stehen möchte, dazu aber gerade nicht in der Lage ist“, erklärt die Expertin.

Die Psychologin Nicole Engel ist Gründerin des Psychologicum Berlin
Die Psychologin Nicole Engel ist Gründerin des Psychologicum Berlin

Meist störe die Menschen genau das Gegenteil von dem, was sie selbst können oder wollen. „Häufig clashen aber auch zwei Menschen aufeinander, die das gleiche Bedürfnis haben und beispielsweise im Mittelpunkt stehen wollen“, sagt die Gründerin des Psychologicum in Berlin.

Deshalb solltet ihr euch, nachdem ihr das Problem erkannt und für euch benannt habt, die Frage stellen: Wie kann ich mit mir umgehen, um mit der Situation besser klarzukommen? Die Psychologin erinnert daran: „Wir können die anderen nicht ändern, sondern immer nur bei uns selbst ansetzen.“

Reflektiert über die Situation nachdenken und das Gespräch suchen

„Manchmal reicht auch schon eine Veränderung im Mindset. Also anzuerkennen, dass es einen gerade nervt, dass die Kollegin sich in den Mittelpunkt stellt, obwohl man das selbst gerne will und sie dann einfach mal zu lassen“, erklärt Engel.

Die Psychologin empfiehlt außerdem, das Gespräch zu suchen, um die eigenen Bedürfnisse mit dem Gegenüber abzustimmen. Damit könnt ihr in Zukunft bestmöglich zusammenarbeiten. Sie empfiehlt dabei die Methode der gewaltfreien Kommunikation: „Man sollte die Situtation neutral beschreiben, nicht vorwurfsvoll werden und Ich-Botschaften senden. Am besten beschreibt man einfach ganz ehrlich, was ein bestimmtes Verhalten mit einem persönlich macht und was man sich in Zukunft wünschen würde.“

Es sei zudem wichtig, das Gespräch wohlwollend zu führen und nicht einfach dafür zu nutzen, der anderen Person zu sagen, wie schrecklich sie ist, sagt Nicole Engel. Ein solches Gespräch könnt ihr zum Beispiel so beginnen: „In unseren regelmäßigen Teammeetings habe ich wahrgenommen, dass du häufig als erstes die Initiative ergreifst und sprichst, was generell sehr wertvoll für unser Team ist. Mich verunsichert das, da ich auch gern einmal zu Beginn ein Thema platzieren möchte. Daher freut es mich riesig, wenn die Möglichkeit bestünde, zukünftig abwechselnd einmal Leute aus dem Team als Erstes zu Wort kommen zu lassen.“

Wenn die Situation selbst nach einem solchen Gespräch und intensiver Selbstreflexion nicht besser wird, bleibt euch nichts übrig, als die nervige Kollegin oder den anstrengenden Kollegen „radikal zu akzeptieren“, erklärt die Psychologin. Dann solltet ihr versuchen, so neutral wie möglich mit der betroffenen Person umzugehen.

Wenn ihr allerdings merkt, dass euch der Arbeitsalltag mit dieser Kollegin krank macht und ihr neben Stress auch noch körperliche Symptome bekommt, solltet ihr überlegen, ob ihr eine Mediation oder ein Coaching in Anspruch nehmt. Die Expertin rät außerdem, mit einer Vertrauensperson in der Firma zu sprechen und gemeinsam zu überlegen, ob sich ein anderer Arbeitsbereich oder ein anderes Projekt anbietet.

Kündigung nur im äußersten Notfall

„Das sollte man alles erst einmal probieren und nicht direkt kündigen und somit fliehen. Denn so eine Situation kann einem im neuen Job auch wieder passieren, wenn man nicht an seinen Themen und somit an der eigenen Konfliktfähigkeit arbeitet“, sagt Engel. Deswegen sei es so wichtig, sich selbst zu reflektieren und einen Weg zu finden, damit umzugehen.

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