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Projekt "Amsterdam" gegen billige E-Autos aus China: VW-Aufsichtsrat gibt grünes Licht für ID. 1 für rund 20.000 Euro

Von links nach rechts: VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo, Volkswagen-Pkw-Boss Thomas Schäfer und VW-Konzernchef Oliver Blume: Die VW-Lenker wollen ein E-Auto für rund 20.000 Euro anbieten und China damit Konkurrenz machen - Copyright: picture alliance/dpa: Carsten Koall, Matthias Balk, Marcus Brandt / Volkswagen Newsroom / Getty Images: cherezoff

Bei VW in Wolfsburg steht eine der wichtigsten Produktentscheidungen der jüngeren Konzerngeschichte an. Nach Informationen von Business Insider diskutierte der Aufsichtsrat des größten Autoherstellers Europas am Dienstagnachmittag über das Projekt „Amsterdam“.

Hinter dem Tarnnamen steckt das Vorhaben, ein rein elektrisch angetriebenes Einstiegsfahrzeug zu entwickeln, das 2027 für nur rund 20.000 Euro auf den Markt kommen soll. Grünes Licht des Kontrollgremiums für den ambitionierten Plan des VW-Vorstands um CEO Oliver Blume galt als gesichert.

VW will Fahrzeug in Eigenregie bauen

Wie wir aus dem Umfeld der VW-Aufseher erfahren haben, soll das Projekt „Amsterdam“ in der Markengruppe „Core“ verankert werden. Diese umfasst das Hauptlabel Volkswagen Pkw sowie Škoda Auto, Seat/ Cupra und Volkswagen Nutzfahrzeuge. Chef des volumenstarken Markenclusters ist Volkswagen-Pkw-Lenker Thomas Schäfer, der dem VW-Konzernvorstand angehört.

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Demnach will VW den als ID. 1 angedachten Kleinstwagen nun komplett in Eigenregie konzipieren – unter intensiver Einbindung der tschechischen Konzerntochter Škoda Auto. Diese ist bekannt für vergleichsweise kostengünstige und geräumige Modelle und steht unter der Leitung des Ex-Porsche-Topmanagers Klaus Zellmer.

Vom Tisch sind damit Überlegungen einer „Amsterdam“-Allianz von VW mit einem Fremdkonzern wie Renault. Der Chef des französischen Unternehmens, Luca de Meo, hatte vor seinem Wechsel lange in VW-Diensten gestanden und sich offen gezeigt für eine projektbezogene Zusammenarbeit mit seinem früheren Arbeitgeber.

Hintergrund hierfür: Die Realisierung eines Einstiegsstromers für lediglich 20.000 Euro gilt vor allem als kaufmännisch überaus anspruchsvoll. Wie von Business Insider exklusiv berichtet, stuft es „Core“-Vormann Schäfer intern gar als „Königsklasse des E-Autobaus“ ein, mit solchen Mini-Stromern in die schwarzen Zahlen zu fahren.

Die Verteilung des milliardenschweren Aufwands einer Pkw-Neuentwicklung auf mehrere Schultern wie VW und Renault könnte in der grauen Theorie die Belastung der einzelnen Unternehmen spürbar reduzieren.

Warum das Projekt "Amsterdam" so wichtig für VW ist

In der betriebswirtschaftlichen Praxis allerdings steht VW in einem weltweit immer härteren Konkurrenzkampf mit europäischen Rivalen wie Renault oder Stellantis – und vor allem mit chinesischen Herausforderern à la BYD und Nio. Auch deshalb hat sich in der VW-Zentrale jene Denkschule durchgesetzt, derzufolge ein globaler Multi wie VW in der Lage sein sollte, auch schwierigste Hürden allein zu meistern, ohne externe Hilfestellung.

Als ein Schlüssel dazu gilt die geballte Inhouse-Kompetenz der sogenannten PowerCo von VW. In der von Konzern-Technikvorstand Thomas Schmall-von Westerholt und seinen Teams der Volkswagen Group Components aufgebauten Batteriesparte der Wolfsburger entstehen skalierbare Traktionsakkus, die vom Stadtflitzer bis hin zum Supersportwagen für elektrische Energie sorgen sollen.

Auf der jüngsten Autoshow in Chinas Hauptstadt Peking war der Elektroflitzer SU7 des aufstrebenden Herstellers Xiaomi einer der meistbewunderten Messe-Stars. Im Reich der Mitte ist der sportive Viertürer mit optischer Ähnlichkeit zum Porsche Taycan (in Deutschland ab 101.500 Euro teuer) für umgerechnet unter 30.000 Euro zu haben.

Zum Vergleich: Im Konfigurator für den deutschen Markt wird Volkswagens günstigster Stromer, der kompakte ID. 3, derzeit mit einem Grundpreis von 39.995 Euro ausgewiesen.

Zwar hegt auch VW-Vorstandsmitglied Schäfer Zweifel, ob chinesische Konkurrenten tatsächlich mit einer Vielzahl von Fahrzeugen für weniger als oder rund 20.000 Euro nach Europa drängen werden. „Es gibt viele Ankündigungsweltmeister“, gab er vor Vertrauten zu bedenken, „mal sehen, wie die abliefern werden“.

Dass eigene E-Auto-Angebote in niedrigeren Preissegmenten für VW perspektivisch unverzichtbar sind, gilt unter den Wolfsburgern Entscheidungsträgern jedoch als unumstritten.

Weitere E-Autos geplant

Eine wichtige Stimme in der langwierigen Diskussion um das richtige Aufsetzen des Projekts „Amsterdam“ gehört Daniela Cavallo. Die mächtige Chefin des VW-Betriebsrats fordert seit Langem für breitere Käuferschichten bezahlbare Elektro-VWs, will die damit verbundenen Arbeitsplätze aber möglichst am Standort Deutschland oder zumindest in Europa halten; und möglichst komplett innerhalb der Volkswagen-Gruppe sowie deren angestammten Zulieferern.

Einen ideellen Nachfolger für VWs Kleinwagen Polo, dann mit reinem Stromantrieb, haben die Wolfsburger in Form der Studie ID. 2all bereits präsentiert. Die Serienversion soll im kommenden Jahr vorgestellt werden und als Basismodell rund 25.000 Euro kosten.

Für 2026 ist ein SUV-artiges Derivat namens ID. 2X vorgesehen, quasi ein VW Taigo als Elektroauto. Mit dem 2027 startenden ID. 1 für rund 20.000 Euro will VW dann auch wieder jene Kundschaft locken können, die dem nicht mehr produzierten Kleinstwagen VW up! nachtrauert.

Dessen tschechischer Ableger war der (ebenfalls bereits eingestellte) Škoda Citigo. Im Rahmen des „Amsterdam“-Komplexes soll ausdrücklich auch ein Škoda-Stromer für rund 20.000 Euro entstehen.

Denkbar ist, dass die Tschechen ihr künftiges Elektro-Einstiegsmodell als erste „Core“-Marke in den Handel bringen dürfen, noch bevor VW Pkw seinen ID. 1 ausliefert. Nach ähnlichem Muster wird die Seat-Submarke Cupra ihren neuen Raval in Kundenhand geben – mit bewusstem zeitlichen Vorsprung auf VWs ID. 2all im finalen Trimm.

Letzteren hat Thomas Schäfer vor Vertrauten so selbstbewusst wie zuversichtlich beschrieben: Das Auto werde „sehr clean, aufgeräumt – das ist wieder Volkswagen“.

Für den Volkswagen ID. 1 und dessen technischen Škoda-Bruder, über die VWs Aufsichtsrat unter Führung seines Vorsitzenden Hans Dieter Pötsch jetzt entscheidet, dürften ähnlich hohe Ansprüche gelten.