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Potsdamer Diabetes-App bekommt 68 Millionen Euro

·Lesedauer: 3 Min.
Mark Jenkins, Kai Eberhardt und Manuel Baumann führen die 400 Mitarbeiter von Oviva.
Mark Jenkins, Kai Eberhardt und Manuel Baumann führen die 400 Mitarbeiter von Oviva.

Es ist eine der größten Summen im deutschen Healthtech-Bereich: Das Potsdamer Startup Oviva hat eine Finanzierungsrunde über umgerechnet 68 Millionen Euro (80 Millionen Dollar) abgeschlossen. Insgesamt steckten Investoren seit der Gründung 2014 knapp 100 Millionen Euro in den digitalen Ernährungsberater.

Neben Altgesellschaftern wie dem Berliner VC Earlybird, Eight Roads Ventures aus London und dem Schweizer Healthtech-Kapitalgeber MTIP beteiligten sich in der Series C vor allem zwei finanzkräftige Investoren: Temasek, die Beteiligungsgesellschaft der singapurischen Regierung, und Sofina, eine börsennotierte Investmentfirma aus Belgien. Beide Unternehmen finanzieren vor allem große, häufig auch börsennotierte Firkej, die mehrere Hundert Millionen Euro in einer Runde einsammeln. Davon ist Oviva zwar noch weit entfernt. „Aber mit den Finanzierungsrunden kommen die Erwartungen“, sagt Mitgründer und CEO Kai Eberhardt im Gespräch mit Gründerszene.

App von Medizinern verschrieben

Er hat das App-Startup 2014 gemeinsam mit Entwickler Manuel Baumann und Mediziner Yves Nordmann gegründet. Nordmann hat Oviva 2016 wieder verlassen, um zwei weitere Gesundheitsfirmen zu gründen. Stattdessen hat Mark Jenkins die Expertenrolle übernommen. Die App richtet sich an Nutzer, die ihr Ernährungsverhalten umstellen wollen, weil sie etwa an Intoleranzen, Adipositas oder Diabetes leiden. Rund 280 festangestellte Berater unterstützen die Patienten dabei mit persönlichen Empfehlungen. Seit dem Start vor sieben Jahren hat Oviva eigenen Angaben zufolge über 200.000 Menschen therapiert.

Bekommen sie eine Ernährungsberatung von ihrem Arzt verschrieben, können sie die Kosten von ihrer Krankenkasse erstatten lassen. Viele Versicherungen bieten die App außerdem als Präventivmaßnahme an. Für ein dreimonatiges Coaching zahlen Nutzer dann höchstens 80 Euro. Oviva finanziert sich über diesen Betrag und die Leistung der Krankenkassen. Die geben pro Behandlung etwa 100 bis 300 Euro, sagt CEO Eberhardt.

Über den Umsatz möchte er nicht sprechen. Er sagt lediglich, dass der Erlös sich in den vergangenen zwölf Monaten im Vergleich zum Zeitraum zuvor verdoppelt habe. Bei der letzten Finanzierungsrunde Anfang 2020 war noch von 90.000 Patienten die Rede. Mit über 100.000 neuen Nutzern in eineinhalb Jahren wäre das ein Umsatz im niedrigen siebenstelligen Bereich. Für Oviva sei das Jahr erfolgreich gewesen, da digitale Medizinanwendungen wie Videosprechstunden besser angenommen und der Fokus auf Long-Covid-Symptome gestärkt wurden, sagt der Mitgründer weiter.

Bald eine von drei zertifizierten Diabetes-Apps

Anfang dieses Jahres wurde die Oviva-App als Medizinprodukt zertifiziert – ein teurer und langer Prozess. Normalerweise werden Transplantate, Sehhilfen und eben auch Softwares als solches ausgezeichnet. Für Apps ist die Kennzeichnung ein nötiger Schritt, um vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) als digitale Gesundheitsanwendung (Diga) anerkannt zu werden. Das Konzept App auf Rezept hat die Behörde vor knapp einem Jahr zugelassen. „Wir haben eine Diga eingereicht und warten jetzt auf Rückmeldung“, so Eberhardt. „Hoffentlich wird unser Antrag in den nächsten Monaten genehmigt.“

Für Oviva wäre das eine zweite App und somit auch eine zweite Einnahmequelle. Das Tool Oviva direkt soll sich lediglich an Menschen mit Adipositas und Diabetes richten, also zielgerichteter beraten. Mediziner können dann konkret diese Anwendung verschreiben, das schränkt den Wettbewerb ein. Bislang gibt es laut offizieller Liste nämlich nur zwei Apps in dem Bereich, die vom BfArM zugelassen sind.

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