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Rakete russischer Produktion in Nato-Land Polen eingeschlagen – zwei Tote

Russlands Präsident Putin hat am Dienstag erneut einen Großangriff auf die Ukraine gestartet. Dabei haben sich offenbar zwei Raketen nach Polen verirrt. - Copyright: picture alliance / dpa | Nikolsky Alexei
Russlands Präsident Putin hat am Dienstag erneut einen Großangriff auf die Ukraine gestartet. Dabei haben sich offenbar zwei Raketen nach Polen verirrt. - Copyright: picture alliance / dpa | Nikolsky Alexei

Nun ist das passiert, was schon lange befürchtet wurde: In Russlands Angriffskrieg in der Ukraine ist eine Rakete russischer Bauart am Dienstag um 15.40 Uhr in Polen eingeschlagen. Zwei Menschen kamen nach Angaben des polnischen Außenministeriums in dem Dorf Przewodowums ums Leben. Polen versetzte einen Teil seiner Streitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft, die Nato kündigte eine Sondersitzung für Mittwoch an.

Bericht über zwei verirrte Raketen

Zuerst hatte der private polnische Sender Radio Zet über den Einschlag von zwei fehlgeleiteten Raketen am Dienstag in Przewodow berichtet. Die Nachrichtenagentur Interfax Ukraina in Kiew berichtete unter Berufung auf Militärexperten, es könnte sich um russische Marschflugkörper vom Typ Ch-101 gehandelt haben. Erste Fotos von Trümmerteilen an der Einschlagstelle deuteten für andere Experten auf die Raketen des Flugabwehrsystems S-300 hin. Dies System sowjetischer Bauart ist wesentlicher Bestandteil der ukrainischen Flugabwehr.

Wer hat die Rakete abgeschossen?

Polens Regierung bestätigte bislang den Einschlag von nur einer Rakete, bei der er sich wahrscheinlich um ein verirrtes Geschoss handelt. Unklar ist allerdings, wer sie abfeuerte: Nach Angaben von Polens Präsident Andrzej Duda gibt es bislang noch keine eindeutigen Beweise dafür. "Wir wissen, dass es praktisch den ganzen Tag über einen russischen Raketenangriff auf die Ukraine gegeben hat, aber wir haben derzeit keine eindeutigen Beweise dafür, wer die Rakete abgefeuert hat. Die Ermittlungen laufen", sagte Duda am frühen Mittwochmorgen. Russland hatte zuvor die Ukraine nach Kiewer Zählung mit mehr als 90 Raketen und Marschflugkörpern beschossen.

Nach Angaben von US-Präsident Joe Biden ist es unwahrscheinlich, dass die Raketen von Russland abgefeuert wurden. Es gebe entsprechende Informationen über die Flugbahn, die dem entgegenstünden, sagte Biden am Mittwochmorgen (Ortszeit) auf der indonesischen Insel Bali, wo der G20-Gipfel stattfand. Der US-Präsident betonte aber, dass die Untersuchung noch nicht abgeschlossen sei.

Krisentreffen am Rande des G20-Gipfels

Zuvor hatte Biden am Rande des G20-Gipfels zu einem Krisentreffen geladen. Daran nahmen die Staats- und Regierungschefs der sieben großen westlichen Demokratien (G7) teil. Am Tisch saßen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Olaf Scholz sowie die Regierungschefs aus Großbritannien, Italien, Kanada und Japan.

"In dem Moment, als die Welt beim G20 zusammenkam, um eine Deeskalation anzumahnen, entschied Russland, in der Ukraine weiter zu eskalieren", sagte Biden nach dem Krisentreffen. Es habe Dutzende Angriffe in der Westukraine gegeben. "Wir unterstützen die Ukraine in diesem Moment voll und ganz."

US-Präsident Joe Biden (Mitte), Bundeskanzler Olaf Scholz, EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und andere führende Politiker der Welt bei einem Dringlichkeitstreffen zum Raketenangriff in Polen am Rande des G20-Gipfels in Bali. - Copyright: picture alliance/ANP/Robin van Lonkhuijsen
US-Präsident Joe Biden (Mitte), Bundeskanzler Olaf Scholz, EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und andere führende Politiker der Welt bei einem Dringlichkeitstreffen zum Raketenangriff in Polen am Rande des G20-Gipfels in Bali. - Copyright: picture alliance/ANP/Robin van Lonkhuijsen

Was ist der Artikel 5 der Nato?

Weil Polen zur Nato gehört, sorgt der Angriff nun für besonders viel Aufregung: Nach Artikel 5 des Bündnisses gilt bei einem Angriff auf ein Nato-Land die Beistandspflicht anderer Nato-Staaten. Ob diese jetzt tatsächlich zur Anwendung kommt, ist zum jetzigen Zeitpunkt eher unwahrscheinlich. Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat den Ministerrat für nationale Sicherheit und Verteidigung einberufen.

Die Nato wird am Mittwoch auf einer Krisensitzung über den Vorfall beraten, wie ein Nato-Sprecher in Brüssel mitteilte. Zuvor hatte ein Sprecher der polnischen Regierung in Warschau erklärt, man habe mit den Verbündeten beschlossen, zu überprüfen, ob es Gründe gebe, die Verfahren nach Artikel 4 des Nato-Vertrags einzuleiten. Dieser sieht Beratungen der Nato-Staaten vor, wenn einer von ihnen die Unversehrtheit seines Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die eigene Sicherheit bedroht sieht.

Der Einschlag bedeutet das erste Übergreifen des fast neun Monate dauernden russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auf das Territorium von EU und Nato. Entsprechend angespannt wird in Washington, Brüssel und den EU-Hauptstädten die Lage verfolgt.

vib/kit