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Paypal investiert Millionen in Finanzguru – so viel ist das Fintech jetzt wert

Selbsternannte Finanzgurus: Alexander (links) und Benjamin Michel. - Copyright: Dwins
Selbsternannte Finanzgurus: Alexander (links) und Benjamin Michel. - Copyright: Dwins

In der zuletzt kriselnden deutschen Fintech-Szene bahnt sich eine prestigeträchtige Finanzierungsrunde an. Paypal Ventures, der Wagniskapitalarm des gleichnamigen US-Bezahlriesen, steigt beim Frankfurter Startup Finanzguru ein, wie Gründerszene aus Branchenkreisen erfahren hat. Der Deal sei bereits vor zwei Wochen beim Notar unterzeichnet worden.

Gründer lehnten höheres Angebot ab

Demzufolge fließen im Zuge einer Series-B-Finanzierungsrunde insgesamt 13 Millionen Euro in Finanzguru. Paypal Ventures führt die Runde gemeinsam mit dem französischen Frühphasen-Investor Scor Ventures an. Auch einige Bestandsinvestoren sollen sich erneut beteiligt haben. Aus Insiderkreisen heißt es, das Fintech werde nun mit einem Betrag in Höhe von 70 bis 80 Millionen Euro bewertet.

Auf Anfrage von Gründerszene wollte sich Alexander Michel, Mitgründer und CEO von Finanzguru, nicht zu den Details äußern. Nur soviel: „Es ist richtig, dass wir aktuell in einer Finanzierungsrunde sind. Ich bitte aber um Verständnis, dass wir dazu sowie zu Marktgerüchten nichts weiter kommentieren können“, so Michel.

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Aus dem Branchenumfeld heißt es, das Investoreninteresse an dem Fintech sei groß gewesen. Den Gründern soll sogar ein noch höheres Finanzierungsangebot über mindestens 20 Millionen Euro vorgelegen haben. Weil das Unternehmen auf diese Summe nicht angewiesen ist und die Gründer ihre Anteile nicht weiter verwässern wollten, hätten sie sich jedoch dagegen entschieden.

Bekannt aus „Die Höhle der Löwen“

Finanzguru wurde 2015 von den Brüdern Alexander und Benjamin Michel gegründet. Das Fintech agiert als Multibanking-Anbieter, führt also mehrere Bankkonten in einer App zusammen. Auf Basis der Kontodaten von Nutzern analysiert Finanzguru das Ausgabeverhalten und schlägt etwa einen günstigeren Stromtarif vor.

Geld verdient das Fintech über Provisionen, die Energieversorger oder Versicherer für die Vermittlung neuer Kunden zahlen. Obendrein können Finanzguru-Nutzer ein kostenpflichtiges Abo abschließen, um Zusatzfunktionen freizuschalten. Nach eigenen Angaben hat Finanzguru mehr als 500.000 registrierte Nutzer. Allerdings ist fraglich, wie aktuell die Kennzahl ist – bereits 2019 kommunizierte das Startup eine ähnlich hohe Ziffer.

Einer breiteren Öffentlichkeit ist Finanzguru spätestens seit 2018 bekannt. Damals stellten die Michels ihre Finanz-App in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ vor. Mit Erfolg: Investor und TV-Juror Carsten Maschmeyer beteiligte sich in der Folge mit rund einer Million Euro an dem Fintech. Im Gegenzug sicherte sich der Milliardär 15 Prozent der Unternehmensanteile. Bis dato war es das größte Einzelinvestment in der Geschichte der Sendung.

Finanzguru wächst „in fast allen Bereichen“

Wirtschaftlich lief es für das Fintech seitdem gemischt. Nutzerzahlen und Erträge entwickelten sich zwar positiv. Die ganz große Wachstumsstory blieb bislang jedoch aus, wie auch die Branchenbeobachter von Finance Forward feststellten. 2020 beliefen sich die Erträge aus Zinsen und Provisionen auf rund eine Million Euro, 2021 waren es laut aktuellem Geschäftsbericht immerhin rund 1,8 Millionen Euro. Nach Abzug aller Ausgaben stand unter dem Strich ein Verlust von 2,3 Millionen Euro zu Buche.

Zuletzt soll sich Finanzguru aber sehr positiv entwickelt haben. Es gebe Wachstum in allen Bereichen, heißt es aus dem Unternehmensumfeld. Dies betreffe sowohl die Nutzer- als auch Ertragszahlen. Dazu trägt neben einer stärkeren Präsenz der Finanz-App in sozialen Medien offenbar auch die Strategie bei, Nutzer vermehrt in das kostenpflichtige Abonnement ("Finanzguru Pro") zu überführen.

So müssen Kunden für Funktionen, die einst Teil der kostenlosen App waren, inzwischen rund vier Euro monatlich bezahlen. Dazu zählt zum Beispiel die Option, Budgets zu erstellen oder sich von der App daran erinnern zu lassen, wann die nächste Gehaltszahlung eingeht. Nicht jedem Nutzer gefällt das. In den App Stores von Apple und Google häufen sich seit Wochen die Beschwerden.

Für Finanzguru indes ist die Finanzierungsrunde eine gute Nachricht. Mit Paypal gewinnt das Fintech einen prestigeträchtigen Investor mit hoher Marktmacht. Zudem fällt der Deal in eine Zeit, wo es Fintechs schwer haben, neue Finanzierungsrunden abzuschließen. Vielerorts müssen Gründer sinkende Bewertungen in Kauf nehmen oder Beschäftigte entlassen, um die Gewinnzone zu erreichen.