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Pandemie könnte mehr globale Aktiva vernichten als Finanzkrise

Marion Halftermeyer
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Pandemie könnte mehr globale Aktiva vernichten als Finanzkrise

(Bloomberg) -- Die Reichen werden immer reicher, aber die Coronavirus-Krise könnte das rasante Tempo des Vermögenswachstums in den kommenden Jahren verlangsamen.

Laut einer Studie der Boston Consulting Group könnten die volatilen Märkte und die wirtschaftlichen Folgen des Virus in diesem Jahr bis zu 16 Billionen Dollar an globalen Vermögenswerten auslöschen und das Wachstum für die nächsten fünf Jahre beeinträchtigen. Zum Vergleich: Die Finanzkrise von 2008 hat die Aktiva um 10 Billionen Dollar gedrückt.

Ein seit zehn Jahren anhaltender Aufwärtstrend bei Aktien hat dazu beigetragen, dass Millionäre und Milliardäre weltweit ihr Vermögen doppelt so schnell steigern konnten wie Personen mit mittlerem Einkommen und arme Leute. Jetzt kann dieselbe Abhängigkeit von den Märkten ihr Vermögen gefährden, wenn die virusbedingte Volatilität jahrelang anhält.

Das persönliche finanzielle Vermögen erreichte im vergangenen Jahr weltweit 226 Billionen Dollar, ein Plus von 9,6% gegenüber 2018 und die stärkste jährliche Wachstumsrate seit 2005, so die BCG-Studie. Von 2019 bis 2024 könnte sich das weltweite Vermögenswachstum auf eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 1,4% abschwächen, sollte das Worst-Case-Szenario von BCG eintreten. Das Modell für eine schnelle Erholung geht von einer Zuwachsrate von etwa 4,5% aus.

“Das Segment, das in den Szenarien einer langsamen Erholung und einer dauerhaften Beeinträchtigung am stärksten betroffen sein wird, ist das reichste - die Millionäre und die Milliardäre, einfach aufgrund des hohen Engagements an den Aktienmärkten und der Marktvolatilität”, sagte Anna Zakrewski, globale Leiterin der Vermögensverwaltungspraxis von BCG und Hauptverfasserin des Berichts.

Die Zahl der Dollar-Millionäre weltweit hat sich in den letzten 20 Jahren auf 24 Millionen verdreifacht - davon mehr als zwei Drittel in Nordamerika - und sie halten zusammen mehr als die Hälfte des gesamten finanziellen Vermögens, heißt es in dem Bericht. Das bedeutet, dass ein Worst-Case-Szenario diesen Kontinent zusammen mit Japan am härtesten treffen würde. Beide Regionen würden im Fünf-Jahres-Zeitraum Rückgänge verzeichnen.

Kurzfristig werden die Reichen Vermögenswerte in vermeintlich sichere Häfen verlagern. Über einen längeren Zeitraum kann ein Teil davon zurückgeführt werden, um den Zugang zu Liquidität zu erleichtern, insbesondere wenn der Abschwung anhält. Davon würden Standorte wie Hongkong und Singapur aufgrund ihrer Nähe zu China und anderen schnell wachsenden Märkten Asiens profitieren.

Zwar bleibt die Schweiz das gefragteste Ziel für diejenigen, die Geld ins Ausland bringen möchten, aber Hongkong und Singapur holen auf. Beide werden voraussichtlich in den nächsten fünf Jahren das von ihnen verwaltete Vermögen mehr als doppelt so schnell steigern wie die Schweiz.

Die Pandemie könnte auch zu überfälligen Veränderungen bei den Verwaltern des weltweiten Reichtums führen. Laut BCG waren die Vermögensverwalter zu Beginn der Coronavirus-Epidemie in einer schlechteren Verfassung als vor der Finanzkrise, so sind die Kapitalrenditen niedriger und die Kosten höher als 2007.

“Wir sehen Covid-19 als Weckruf für die Branche”, sagte Zakrewski. “Die letzten 10 Jahre haben einigen Vermögensverwaltern eine recht sichere Performance beschert und den Druck, an Geschäftsmodellen zu arbeiten, verringert.”

Laut Zakrewski haben die Vermögensverwalter bei den Kosten nur "an der Oberfläche gekratzt“. Zwar haben aufsichtsrechtliche Anforderungen und Compliance-Vorschriften die Kosten aufgebläht. Jedoch sind die meisten Banken das Problem nur mit mehr Personal angegangen, statt die Betriebsmodelle neu zu definieren und digitale Optionen zur Kostensenkung zu erkunden, sagte sie.

Trotz eines deutlich größeren Vermögens- und Kundenstamms bleibt der Gewinnpool der Branche derselbe wie vor mehr als einem Jahrzehnt. Für 2019 erreichte der Gewinnpool 135 Milliarden Dollar, verglichen mit 130 Milliarden Dollar im Jahr 2007, als das globale Gesamtvermögen halb so hoch war wie heute.

Überschrift des Artikels im Original:Pandemic Could Erase More Global Wealth Than Financial Crisis

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