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Ottonova bekommt 60 Millionen Euro frisches Kapital

Das Münchener Start-Up erhält eine neue Finanzspritze. Die Geldgeber vertrauen dem ersten digitalen privaten Krankenversicherer Deutschlands weiter.

Ottonova ist auf private Krankenversicherungen spezialisiert. Foto: dpa

Das Münchener Insurtech Ottonova erhält eine neue Finanzspritze in Höhe von 60 Millionen Euro. Das teilte das auf private Krankenversicherungen spezialisierte Unternehmen am Montag mit. Demnach stocken die Beteiligungsgesellschaften von Holtzbrinck, Vorwerk, Tengelmann, BTOV, STS sowie die Debeka ihre Anteile auf. Im kommenden Jahr soll dann weiteres Kapital fließen. Die genaue Summe wurde noch nicht genannt.

Ottonova startete im Jahr 2017. Das Projekt, mit dem man den ohnehin schwierigen Markt für private Krankenversicherungen aufrollen wollte, galt von Anfang an als ambitioniert. Obwohl die Debeka als Deutschlands größte private Krankenversicherung mit eingestiegen war, lief das Geschäft anfangs schleppend an.

Zur Jahresmitte 2019 veränderte das Unternehmen dann sein Vertriebsmodell. Seither laufen Werbespots auf den Sendern der ProsiebenSat1-Gruppe, hier gibt es neuerdings auch eine Kooperation mit Seven Ventures. Außerdem arbeite Ottonova mit dem Vergleichsportal Check 24 sowie dem Telekomunternehmen Blau zusammen. Daneben ist man verstärkt auf Online- und Social Media-Kanälen aktiv.

Mehr als 5000 Kunden sollen es nun bis zum Jahresende werden, so das Ziel. Ende vergangenen Jahres waren es erst 406 Kunden. „Das Kapital fließt insbesondere in Vertriebs- und Marketinginitiativen, damit wir unseren Kundenstamm weiter vergrößern können“, gibt Gründer und Vorstandschef Roman Rittweger die klare Richtung vor.

Dabei betrachtet er speziell die Position als erster rein digitaler Krankenversicherer in Deutschland als Alleinstellungsmerkmal für sein Haus. Die Abwanderungsrate zu anderen Versicherern liege bei nahezu null.

Schwieriger Markt

Zuletzt hatte Ottonova auch neue Krankenversicherungstarife auf den Markt gebracht, was dem anfangs schleppenden Zuspruch der Kunden einen gewissen Schub verlieh. Generell ist der Markt für private Krankenversicherungen in Deutschland schwierig. Die Kundenzahl ist laut dem Branchenverband GDV seit Jahren rückläufig. Im vergangenen Jahr waren nur noch 8,736 Millionen Menschen im Land bei einer privaten Krankenkasse vollversichert.

Einer der Gründe dafür ist die jährlich steigende Jahresarbeitsentgeltgrenze. Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich die Mindestsumme, die ein Arbeitnehmer verdienen muss, ehe er von der gesetzlichen in die private Krankenkasse wechseln darf. In diesem Jahr liegt diese bei 60.750 Euro im Jahr. Im kommenden Jahr steigt sie auf 62.550 Euro.

Für Gutverdiener stellt sich damit meist im Alter zwischen 30 und 40 Jahren die Frage, ob sie in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben sollen oder in die private wechseln. Früher entschieden sich unter anderem wegen der bevorzugten Bedienung bei Ärzten viele für den Wechsel.

Heute verbleiben dennoch etliche Menschen lieber gesetzlich versichert. Gründe dafür sind unter anderem die veränderten Lebensentwürfe und die schwierigere Planbarkeit des Jobs, bei denen ein dauerhaft hohes Einkommen nicht dauerhaft zu erwarten ist. Zudem schreckt viele die Aussicht auf hohe Beitragszahlungen im Alter ab.

Stetiges Wachstum verzeichnen indes private Zusatzversicherungen, die gesetzlich Versicherte beispielsweise für Zahnschutz abschließen können. Die Zahl der Verträge ist hier im vergangenen Jahr auf über 26 Millionen in Deutschland gestiegen. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es laut GDV weniger als 14 Millionen.

Auch Ottonova will in diesem Bereich deutlich wachsen. Die Zahnzusatzversicherung wurde zuletzt Testsieger bei der Stiftung Warentest.