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Norwegen als Problemlöser bei CO2 und blauem Wasserstoff

Wie kein anderes Land der Welt arbeitet Norwegen daran, eine Infrastruktur zur Lagerung von CO2 unter dem Meeresboden aufzubauen. Das weckt das Interesse deutscher Unternehmen.

Noch vor ein paar Jahren waren die CO2-intensiven Branchen in Europa relativ gelassen. Das Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren, ließ genügend Spielraum: Der letzte Teil der noch zulässigen CO2-Emissionen würde am Ende sicher den Emittenten zugestanden, die kaum Möglichkeiten zu einer völligen Reduktion haben, so die Kalkulation in vielen Unternehmen.

Doch seit die EU, allen voran Deutschland, das Ziel ausgerufen hat, bis 2050 klimaneutral zu werden, wird es eng für die betroffenen Branchen, etwa Stahl, Chemie und Zement.

Doch Hilfe naht aus Norwegen. Wie kein anderes Land der Welt arbeitet Norwegen daran, eine Infrastruktur zur Lagerung von CO2 unter dem Meeresboden aufzubauen. Das Vorhaben firmiert unter dem Namen „Northern Lights“ und weckt das Interesse deutscher Unternehmen.

„Wir stehen bereit, die deutsche Industrie auf dem Weg zur Klimaneutralität zu begleiten. Die sichere Offshorespeicherung von CO2 in Norwegen kann dabei nach unserer Überzeugung eine wichtige Rolle spielen“, sagte Steinar Eikaas von Equinor, dem Zusammenschluss von Statoil und vor allem den Erdöl- und Erdgas-Aktivitäten von Norsk Hydro. Das Unternehmen, das seit 2018 unter diesem Namen firmiert, gehört zu 67 Prozent dem norwegischen Staat. 

„Das Interesse der deutschen Industrie ist groß. Wir haben bereits Absichtserklärungen mit namhaften Konzernen wie Thyssen-Krupp und Heidelberg-Cement unterzeichnet“, sagt Eikaas. Energieintensive Branchen investieren massiv in neue Verfahren, um ihre CO2-Emissionen zu reduzieren.

Die Stahlindustrie setzt dazu auf CO2-freien Wasserstoff. Völlig vermeiden lassen sich die CO2-Emissionen aber nicht. Auch der Weiterverwendung (Carbon Capture and Utilization, kurz CCU) sind Grenzen gesetzt. Am Ende bleibt ein Rest sogenannter prozessbedingter Emission. Für sie kommt die Speicherung in Betracht.

Regulatorische Hürden

Norwegen gehört zu den Pionieren der CO2-Speicherung. Bereits seit 1996 wird dort CO2 in sogenannte saline Aquifere tief unter dem Meeresgrund gepresst. In diesen porösen Gesteinsschichten wird es dauerhaft gebunden. Deutsche Umweltschützer warnen vor Gefahren durch Leckagen. In Norwegen dagegen unterstützen selbst Umweltschutzorganisationen die CO2-Speicherung als Beitrag zum Klimaschutz.

Der Transport des Kohlendioxids kann grundsätzlich über Pipelines erfolgen. In Betracht kommen dabei existierende Erdgasleitungen. In einer Hochlaufphase wird allerdings der Transport in Tankschiffen favorisiert. Derzeit ist der Schiffstransport noch nicht möglich, doch Steinar Eikaas ist zuversichtlich: „Es gibt noch regulatorische Hürden. Wir erhalten allerdings aus dem Bundeswirtschaftsministerium durchaus positive Signale. Wir sind daher optimistisch, dass wir unser Projekt zum Erfolg führen können“, sagt Eikaas.

Internationale Regeln verbieten den Schiffstransport von CO2 über Landesgrenzen hinweg, sofern das CO2 nicht genutzt, sondern gespeichert wird. Deutschland hat eine internationale Vereinbarung, die den grenzüberschreitenden Transport ermöglicht, noch nicht ratifiziert.

Das „Northern Lights“-Projekt steht in engem Zusammenhang mit einem weiteren Vorhaben, das gemeinsam von Equinor und dem deutschen Gas-Fernleitungsnetzbetreiber OGE betrieben wird. Die beiden Unternehmen arbeiten daran, eine Infrastruktur für Wasserstoff aufzubauen: Dabei soll aus norwegischem Erdgas Wasserstoff produziert werden. Das dabei frei werdende CO2 soll ebenfalls in Norwegen unterirdisch gespeichert werden.