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Die neuartige Technologie dieses Berliner Startups soll alle Produkte zum Leuchten bringen

Inuru stellt druckbare OLEDs her, die auf jeder Verpackung zum Einsatz kommen kann. - Copyright: Coca Cola/Inuru
Inuru stellt druckbare OLEDs her, die auf jeder Verpackung zum Einsatz kommen kann. - Copyright: Coca Cola/Inuru

Um im Einzelhandel mit einem Produkt hervorzustechen, muss die Verpackung knallen. Bunt, frech, auffällig. Wie wäre es, wenn die Cola-Dose, die Keks-Packung oder die Bierflasche nicht nur bunt wären, sondern richtig leuchten würden? Und die sonst langweilige Verpackung eher an einen Smartphone-Bildschirm erinnert? Das wäre ein richtiger Aufmerksamkeitswecker, so verspricht das Berliner Startup Inuru. Und laut dem Gründer ist die Technologie deutlich weiter und günstiger, als ihr wahrscheinlich denkt.

Das Tech-Unternehmen wurde von Marcin Ratajczack gegründet. Das Startup stellt OLEDs her, das sind die winzigen Leuchtmittel, die moderne Fernseher oder Smartphones wie das iPhone mit kleinen farbigen Pixeln versorgen. OLED-Displays haben kräftige Farben und ein tiefes Schwarz. Was sie allerdings nicht gut können, ist flexibel oder günstig für Massenprodukte zu sein, da die Herstellung aufwändig im Hochvakuum stattfindet.

Im Video: Die OLED-Technologie von Inuru bringt Schriftzüge auf Verpackungen oder die Star-Wars-Lichtschwerter auf Coca-Cola-Flaschen zum leuchten.

Inuru druckt leuchtende Oleds einfach auf Kunststoff

Doch genau das Problem will Inuru gelöst haben. Mit einem neuen patentierten Verfahren druckt das Berliner Startup die OLEDs in verschiedenen Schichten übereinander auf normalen PET-Kunststoff. An der Luft, ohne Vakuum. Die Druck-Präzision gibt das Unternehmen mit derzeit 50 Mikrometern an, was einer Pixeldichte von 250 DPI entspricht. Die Lebenszeit des Produkts gibt Inuru mit mehr als 2.500 Stunden an. Moderne OLED-Techniken kommen auf deutlich mehr Punkte pro Fläche und eine längere Haltbarkeit, haben aber auch andere Einsatzgebiete.

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Indem Inuru seine OLEDs nun also nicht aufwändig herstellt, sondern einfach druckt, soll eine Kostenersparnis von über 90 Prozent erreicht werden. Zudem macht der Druck Kleinstauflagen möglich und die Technologie plötzlich attraktiv für Zwecke, wo leuchtende Flächen bisher nicht denkbar waren – wie die oben genannte Vision von leuchtenden Verpackungen von Alltagsgegenständen. Denn die besonders dünnen OLED-Folien sind zudem biegsam und können damit leicht in bestehende Produkte und Produktionsprozesse integriert werden.

Die Leuchtelemente sind besonders biegsam und werden auf normalen Kunststoff gedruckt. - Copyright: Inuru
Die Leuchtelemente sind besonders biegsam und werden auf normalen Kunststoff gedruckt. - Copyright: Inuru

Einsatz der Technologie für Getränke, Medikamente und Berufsbekleidung

Für den Leuchteffekt der OLEDs benötigt es natürlich dennoch wie bei jedem Leuchtmittel Energie. Die Batterie ist ebenfalls in dem dünnen Streifen auf dem Produkt integriert. Durch die geringe Größe ist die Kapazität aber beschränkt. Der Gründer spricht davon, dass die OLEDs nach Aktivierung je nach Farbe zwischen einer und acht Stunden leuchten. Zuvor befinden sich die OLEDs bis zu sechs Jahre lang in einer Art Schlummerzustand. Zusätzlich verbaute und ebenfalls dünne Sensoren sollen den Leuchteffekt erst dann aktivieren, wenn er auch benötigt wird. So stellt Inuru etwa leuchtende Etiketten für Premium-Alkoholika her. Wird die Flasche aus der Verpackung genommen oder angehoben, beginnt das Label für ein paar Stunden zu leuchten. Hierfür arbeitet Inuru bereits mit der Champagne-Marke Cattier zusammen, oder mit Coca Cola.

Einen potenziell lebensrettenden Einsatz seiner Technologie sieht Ratajczack in der Pharmazie. Der Gründer spricht davon, dass die Mehrzahl der Patienten Medikamente falsch nutzt, weil sie schlicht die Gebrauchsanweisung nicht lesen. Mit den Leucht-Etiketten von Inuru könnten diese Anweisungen noch vor der Medikamenteneinnahme direkt auf der Verpackung aufleuchten und den Patienten zum Beispiel daran erinnern, das Medikament erst zu schütteln, oder die korrekte Dosierung anzeigen.

Im Video: Leuchtende Verpackungen für Medikamente erinnern Patienten an die korrekte Dosierung oder das überschrittene Ablaufdatum.

Inurus günstige Leucht-Technologie lässt sich für andere Einsatzgebiete aber auch dauerhaft mit einer externen Stromquelle mit Energie versorgen, einer ganz normalen Powerbank etwa. Damit ergeben sich neue Möglichkeiten: Wie Kleidung, die leuchten kann. Inuru ist dafür unter anderem in Gesprächen mit der Fashion-Industrie oder mit Herstellern von Berufsbekleidung. Eine aktiv leuchtende Sicherheitskleidung hätte Vorteile gegenüber einer, die nur durch Warnfarben oder fremde Lichtquellen durch Reflektoren sichtbar ist.

Inuru will den Verpackungsmüll beseitigen

Auch wenn das bereits nach Zukunft klingt. Ratajczack denkt eigentlich viel weiter, er will das grundsätzliche Problem des Verpackungsmülls lösen. „Wir glauben daran, dass Verpackungen nur deshalb weggeschmissen werden, weil es bereits bedruckte Oberflächen gibt“, so der Gründer. „Werden in diese Verpackungen Displays integriert, können sie nach der Nutzung zurückgebracht, ausgewaschen und neu bespielt werden. Wir entwickeln ein Produkt, dass die Zukunft braucht.“

Das Schwierige an dieser Vision sind unter anderem die Displays, denn bisher stellt Inuru quasi nur einfarbige Pixel her. In einem nächsten Schritt soll die Technologie von Inuru auch Animationen erlauben, wie die Anzeige von Temperatur auf einer Flasche oder den Herzschlag auf einer Smartwatch. Dafür müssen die einzelnen Pixel angesteuert werden können. Richtige HD-Displays mit unterschiedlichen Farben einfach zu drucken, wie wir sie heute von Smartphones kennen, sind dann das endgültige Ziel von Inuru. Damit können Hersteller dann neue digitale Inhalte für ihre Verpackungen einfach per Bluetooth auf ein Etikett streamen. Zu Ostern hoppelt plötzlich ein digitaler Hase über die Schoko-Verpackung, zu Weihnachten winkt ein Scheemann aus dem Regal im Einzelhandel.

10 Millionen Euro für eine langfristige Vision

„Das ist kein einfaches Projekt, wir reden hier nicht von drei bis fünf Jahren, sondern eher von zehn bis 20 Jahren“, so Ratajczack. Den Willen scheint der Gründer zu haben. Und finanziell ist sein Unternehmen bisher gut aufgestellt. Von Investoren bekam das Startup bisher rund 10 Millionen Euro. Mit seinem Investment baute das Unternehmen zuerst eine Pilotlinie in Berlin-Adlershof, dann jetzt die Massenfertigung für OLEDs in Wildau bei Berlin. Die Anlage sei jetzt in der Lage, acht Millionen OLEDs pro Jahr herzustellen. Das sind eine Menge Verpackungen.