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Nahles' Appell: Junge Leute, lasst Euch ausbilden!

Nürnberg (dpa) - Andrea Nahles hatte vielleicht etwas Glück: Bei ihrer ersten Pressekonferenz zur Vorstellung der Arbeitsmarktstatistik konnte sie robuste Zahlen und eine stabile Entwicklung verkünden. Und so nutzte die einstige SPD-Chefin und Bundesarbeitsministerin ihren Debütauftritt in Nürnberg auch angesichts des immer stärker spürbaren Fachkräftemangels zu einem Appell: Junge Leute, lasst Euch ausbilden! Es gebe noch gute Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden.

Nahles warb insbesondere für das Handwerk als Lehrmeister. «Es gibt tatsächlich gute Perspektiven, dass man heutzutage mit einem eingeschlagenen Weg als Handwerker sogar mehr verdient, als wenn man einen Bachelor-Studiengang macht», sagte Nahles. Jugendliche wie Arbeitgeber sollten den Sommer und Herbst nutzen. «Den Jugendlichen empfehle ich, sich auch für Ausbildungsberufe zu öffnen, die nicht ihr absoluter Traumberuf sind und darüber nachzudenken, ob eine Ausbildung auch in anderen, vielleicht benachbarten Regionen infrage kommt.»

Zahl der Bewerber um Lehrstelle rückläufig

An die Arbeitgeber gerichtet sagte Nahles: «Ich würde mir wünschen, dass sie sich noch mehr für junge Menschen öffnen, die nicht zu den optimalen Kandidaten gehören.» Die Bundesagentur halte viele Fördermöglichkeiten bereit, von der assistierten Ausbildung bis zur Einstiegsqualifizierung. Es sei belegt, dass diese Unterstützungen auch zum Erfolg der Ausbildung führen können.

Der flammende Appell hat einen Hintergrund: «Wir haben seit 2017 den Trend, dass immer weniger junge Menschen sich für eine duale Ausbildung entscheiden.» Diese sei aber ein Herzstück, um das Deutschland im Ausland beneidet werde. Es dürfe nicht weiter wegrutschen.

Die Zahl der Bewerber um eine Lehrstelle ist für das beginnende Ausbildungsjahr erneut zurückgegangen - um 13.000 auf 408.000. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze stieg dagegen um 20.000 auf 526.000. Trotz des Überhangs an Stellen gelingt es nicht, jeden Bewerber zu vermitteln. In Berlin und Teilen Nordrhein-Westfalens, beschreibt Nahles, gebe es etwa mehr Bewerber als Stellen. Dagegen kämen in Teilen Süddeutschlands auf jeden Bewerber zwei Stellen.

Mehrarbeit gehört für viele zum Alltag

Dabei ist die Zufriedenheit eigentlich gegeben: Fast drei von vier Auszubildenden in Deutschland sind mit ihrer Ausbildung zufrieden, zeigt ein am Mittwoch in Berlin vorgestellter Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Allerdings gebe es bei der Qualität große Unterschiede. «Auffällig ist dabei, dass anscheinend die Begeisterung vieler Auszubildender im Laufe der Ausbildung abnimmt», heißt es in dem Report.

Mehrarbeit gehört laut dem Report für etwa ein Drittel der Auszubildenden zum Alltag. Eine deutliche Verbesserung erkennen die Studienautoren bei minderjährigen Auszubildenden, die regelmäßig mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten müssen: Ihr Anteil sank um fast vier Prozentpunkte auf 6,6 Prozent.

Schlecht schnitt die schulische Berufsorientierung ab. Mehr als 72 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen an der Schule kaum bei der Berufswahl geholfen wurde. Rund 29 Prozent der Befragten haben die Berufsberatung der Agentur für Arbeit genutzt. Der Präsident des Zentralverbandes des deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, bezeichnete die Berufsorientierung als unzureichend. «Die Berufswahl darf nicht dem Zufall überlassen werden», sagte er. Eine systematische Berufsorientierung sei daher an allen Schulformen – insbesondere an Gymnasien - dringend notwendig.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack wies darauf hin, dass vergangenes Jahr nicht einmal 70 Prozent aller bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Jugendlichen einen Ausbildungsplatz bekommen hätten. «Nicht einmal mehr jedes fünfte Unternehmen bildet hierzulande noch aus.» Mehr als 220.000 Jugendliche steckten jedes Jahr in Maßnahmen zwischen Schule und Ausbildung fest. Hannack forderte die Regierung auf, die angekündigte Ausbildungsgarantie einzuführen. DGB-Bundesjugendsekretär Kristof Becker sagte: «Wer Fachkräfte will, muss gut ausbilden.»