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Wie MINT-Fachkräfte gewonnen werden

Düsseldorf (dpa) - Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - der Fachkräftemangel im sogenannten MINT-Bereich weitet sich aus. Unternehmen, Verbände und Hochschulen suchen händeringend nach Wegen, wie mehr junge Menschen für technikaffine Berufe begeistert werden können.

Nach Einschätzung des Unternehmerverbands NRW wird der Fachkräftemangel schon «zu einer echten Gefahr für den Wirtschaftsstandort, unseren Wohlstand und auch für die Transformation».

Einig sind sich alle Experten: Schon im Kindergarten müssen die Grundlagen dafür gelegt werden, dass Mädchen und Jungen sich später in der Schule und im Studium für MINT-Fächer entscheiden. Das geht aus den Stellungnahmen für eine am Mittwoch angesetzte Anhörung im NRW-Landtag zum Fachkräftemangel im MINT-Bereich hervor. Und klar ist auch: Es gibt keinerlei Beleg dafür, dass Jungen besser in Mathe oder Informatik sind als Mädchen.

  • Motivation: Immer noch hängt Informatik und Technik aber das Klischee «männlich geprägt» und «mit hohem Nerd-Faktor» an. Positive Darstellungen in Film, Serien, Social Media und Popkultur könnten Studien zufolge Berufsbilder langfristig verändern. Auch die Bedeutung von MINT-Studiengängen für die Nachhaltigkeit, wie etwa die Lösung von Menschheitsproblemen sollte mehr betont werden.

  • Kitas: «Frühzeitig begeistern» lautet die Devise. Eine grundsätzliche MINT-Förderung sollte nach Ansicht des Unternehmer-Verbands NRW in allen Kitas Standard sein, nicht nur in Kitas, die auf Forschung spezialisiert sind.

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Das sieht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ähnlich: Alle Kitas müssten entsprechend ausgestattet werden, um allen Kindern die gleichen Möglichkeiten zu bieten. Und die Erzieherinnen und Erzieher brauchten auch Zeit für die kleinen Forscher: «Da der Fachkräftemangel in den Kitas aktuell aber so hoch ist wie noch nie, ist gerade diese Zeit der absolute Mangel in den Einrichtungen.»

  • Schule: In allen Stufen muss nach Ansicht der Landesrektorenkonferenz erst einmal ein zuverlässiger und qualitatätsvoller MINT-Unterricht gewährleistet werden. Flächendeckend müssten Informatik und Technik an Schulen angeboten werden. Schon in der Schule müssten Schülerinnen und Schüler darin bestärkt werden, dass sie einen späteren MINT-Studiengang erfolgreich bewältigen könnten. Auch die Schülerlabore an den Universitäten sollten gestärkt werden, um Kinder und Jugendliche für Technik und Wissenschaften zu begeistern.

  • Studium: Viele Studienanfänger bringen die notwendigen Voraussetzungen etwa in Mathematik heute nicht mehr mit. Grund ist unter anderem die Verkürzung des Bildungsweges auf G8 in den Schulen. Nach Ansicht der Landesrektorenkonferenz müssen Vorkurse gestärkt werden. Denkbar sei auch ein sanfterer Einstieg ins Studium, etwa durch ein Orientierungssemester oder -jahr. Außerdem müssten mehr Stipendien besonders für sozial benachteiligte Studierende bereitgestellt werden.

  • Abbrecher: Die Abbruchquote in MINT-Studiengängen ist überdurchschnittlich hoch. Experten fordern eine bessere Berufsorientierung sowie gute Beratungsangebote für Studienzweifler. Sollte ein Abbruch unvermeidbar sein, müssten Alternativen gezeigt werden. Falsch wäre es aus Unternehmersicht aber, Zugangsbeschränkungen zu Studiengängen zu verschärfen.

  • Frauen: Um mehr Frauen zu gewinnen, ist für die Unternehmer eine geschlechterneutrale Berufs- und Studienorientierung zentral. Schon von der Kita an müssen Mädchen nach Ansicht der Landesrektorenkonferenz durchgehend gefördert werden, damit sie sich als junge Frauen für einen MINT-Studiengang entscheiden.

Für die Gewerkschaft GEW liegt die geringe Frauenquote im MINT-Bereich auch an einer «gesamtgesellschaftlichen Schieflage». Die Arbeitsbedingungen müssten so ausgestaltet werden, dass auch im MINT-Bereich Beruf und Familie unter einen Hut gebracht werden könnten.

  • Lehrkräfte: Der Fachkräftemangel betrifft auch die Ausbildung: Es gibt wie allgemein an den Schulen auch zu wenig Lehrkräfte im MINT-Bereich. Darüber fehlen Plätze an den Universitäten zur Lehramtsausbildung.

Viele Experten sprechen sich für mehr Seiteneinsteiger aus. Für sie braucht es aus Sicht der GEW aber einen qualitativ hochwertigen Quer- und Seiteneinstieg mit langfristigen Perspektiven im Schulsystem und einer angemessenen Bezahlung. Auch Coaching-Programme seien notwendig. «Derzeit werden sie ins kalte Wasser geworfen und mit den Herausforderungen des Schulalltags sich selbst überlassen.»

Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) plädieren für eine eigenständige Lehramtsausbildung für Berufskollegs an den HAW. Weitere Potenziale lägen in der Kombination einer großen und einer kleinen beruflichen Fachrichtung im Lehramtsstudium für Berufskollegs. Das sei an Universitäten bereits möglich, nicht jedoch an HAW. Der Vorteil sei, dass dafür kein allgemeinbildendes Fach studiert werden müsse.

  • Talentscouting: Bei dem von der Westfälischen Hochschule entwickelten Talentscouting werden inzwischen 70 hauptamtliche Souts an 17 Fachhochschulen und Universitäten in NRW eingesetzt. In den Ansatz werden in ganz NRW fast 400 weiterführende Schulen einbezogen. Fast 40.000 Schülerinnen und Schüler haben bereits von der Begleitung durch einen Talentscout profitieren können. Die Erkenntnis: Potenziale für mehr MINT-Fachkräfte sind vornehmlich unter Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien oder Elternhäusern ohne Kenntnisse des Bildungssystems zu finden.

  • Zahlen: Laut MINT-Report des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hat sich die Arbeitskräftelücke in Berufen rund um Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik von knapp 277.000 Personen im Herbst 2021 auf mehr als 320.000 im Herbst 2022 vergrößert.

Gründe seien unter anderem, dass mit den Baby-Boomern starke Jahrgänge die Arbeitswelt verließen und die Zahl der Studienanfänger in MINT-Fächern trotz sehr guter Berufsaussichten laut Statistischem Bundesamt deutlich zurückgegangen sei. Der Frauenanteil unter den Studienanfängern im MINT-Bereich steige zu langsam. 2001 waren es 30,8 Prozent und 20 Jahre später im Jahr 2021 erst 34,5 Prozent.