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Milliardäre retten selbst die Ultras

Die Coronakrise bestärkt die Befürworter des omnipräsenten Staates. Deren Aversion gegen die Marktfraktion beruht allerdings auf zwei Denkfehlern.

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„Ultras lesen leider keine WirtschaftsWoche“, hieß es kürzlich auf Twitter. An der Aussage könnte viel Wahres dran sein. Für die Hardcore-Fraktionen in den Fußballarenen scheint Kommerzialisierung schlimmer als jedes Virus zu sein. Folgerichtig gilt ihnen SAP-Gründer und TSG-Hoffenheim-Eigentümer Dietmar Hopp als die Inkarnation des Bösen.

Die Feindbilder Milliardär und Markt werden hierzulande zunehmend gepflegt – wenn auch meist subtiler als auf den Billigrängen der Kickerkathedralen. Die Coronakrise liefert dafür den jüngsten Anlass. Der Ruf nach Staatshilfen gilt manchen als Beleg für die Bigotterie der Wirtschaft. In normalen Zeiten würden ihre Vertreter die Deregulierung predigen, um dann in der Krise nach dem inzwischen zu Tode gesparten Staat zu schreien. Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren, lautet der gängige Vorwurf an die Adresse der „Neoliberalen“.

Corona treibt also die Systemdiskussion weiter auf die Spitze – selbst wenn die Krisenauslöser diesmal nicht wie beim Lehman-Crash in schicken Bürotürmen sitzen. Die Befürworter des omnipräsenten Staates fühlen sich in der Auffassung bestärkt, dass Markt und Wachstum weg können, zumal diese weder Klima noch das Leben der Menschen im Ernstfall retten.

Dabei unterlaufen ihnen jedoch zwei Denkfehler. Erstens glaubt außer Steinzeitkapitalisten keiner an den Segen eines dysfunktionalen Magerstaates – zumal der hiesige Finanzminister gerade im Geld schwimmt. Ein gesunder Staat ist die notwendige Bedingung für eine florierende soziale Marktwirtschaft. Die Frage ist nur, auf welchem Feld der Staat schlagkräftig sein muss? Ein funktionierender Seuchendeckel ist sinnvoller als ein Mietendeckel. Das eine sichert Wohlstand und Leben, das andere nur Wählerstimmen der Linken.

Zweitens leistet der Staat nicht dasselbe wie umstrittene Superkapitalisten. Der Popstar der Gerechtigkeitsökonomie Thomas Piketty möchte am liebsten das Vermögen der Reichen auf alle verteilen. „120.000 Euro für jeden „, meinte er kürzlich in der „FAZ“. Die Wirtschaft funktioniere auch ohne Milliardäre. Aber für Coronainfizierte wäre das eine schlechte Nachricht. Dietmar Hopp und Bill Gates pumpen seit Jahren ohne Rücksicht auf Verluste Millionen in die Biotechnologie. Ihre Firma Curevac könnte als erste den Impfstoff entwickeln. Mit einer Behörde hätte das nicht geklappt – mit Crowdfunding bei den Ultras übrigens auch nicht.