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Das Messegeschäft in Deutschland ist um 70 Prozent eingebrochen

Terpitz, Katrin
·Lesedauer: 4 Min.

Für 2021 ist fast jede dritte Messe abgesagt oder ins nächste Jahr verschoben. Hunderttausend Stellen sind dadurch direkt und indirekt gefährdet.

Wassersportfans müssen in diesem Jahr auf die Messe verzichten. Die Boot findet erst wieder 2022 statt. Foto: dpa
Wassersportfans müssen in diesem Jahr auf die Messe verzichten. Die Boot findet erst wieder 2022 statt. Foto: dpa

Die deutsche Messewirtschaft leidet wie kaum eine andere Branche unter den Folgen der Pandemie. Aufgrund von weltweiten Reisebeschränkungen und Verboten größerer Veranstaltungen konnten 2020 nur 114 von 355 geplanten Messen hierzulande stattfinden. Das ermittelte der Messeverband der deutschen Messewirtschaft Auma. Der Umsatz fiel fast 70 Prozent niedriger aus als die erwarteten vier Milliarden Euro.

Statt 248.000 Unternehmen konnten nur 70.000 Firmen auf Messen in Deutschland ausstellen. Normalerweise stammen 60 Prozent der Aussteller aus dem Ausland. Lediglich 4,3 Millionen Messebesucher kamen zu den Veranstaltungen – statt der erwarteten 15,6 Millionen Gäste.

Auch in diesem Jahr sieht es für die Branche nicht besser aus: Bereits jetzt sind rund 110 von 380 noch im vergangenen Herbst geplanten Messen abgesagt oder ins Jahr 2022 verschoben worden. Zuletzt wurde die Boot in Düsseldorf für dieses Jahr komplett abgesagt. Die größte Kunstmesse Art Cologne wird in den November verlegt. Die Hannover Messe findet im April rein digital statt. Die Photokina in Köln wird nach 70 Jahren gar nicht mehr stattfinden.

Weil sich die Corona-Impfungen weltweit verzögern und ansteckende Virusmutationen grassieren, ist allerdings nicht absehbar, wann Messen hierzulande wieder mit Präsenzveranstaltungen starten können.

Wegen der langen Vorlaufzeiten sollten solche Veranstaltungen mit der Öffnung des Einzelhandels wieder grundsätzlich zugelassen werden, fordert Auma-Geschäftsführer Jörn Holtmeier. „In beiden Branchen gibt es sehr ähnliche Geschäftsabläufe.“

Veranstalter hätten im Herbst erfolgreich unter Beweis gestellt, dass Messen unter hohen Gesundheitsstandards erfolgreich und sicher durchgeführt werden könnten. Im September hatte etwa der Caravan Salon in Düsseldorf als erste größere Publikumsmesse nach dem Lockdown stattgefunden. Allerdings kommen hier traditionell wenige Besucher aus Übersee.

Messestädten entgehen Einnahmen in Milliardenhöhe

Die Absage der Messen hat gewaltige gesamtwirtschaftliche Schäden hinterlassen. In „normalen“ Jahren tragen Messen rund 28 Milliarden Euro zur deutschen Wirtschaftsleistung bei. Es profitieren neben Messebauern und Spediteuren vor allem Hotels, Restaurants, Taxifahrer und der regionale Einzelhandel. Von dieser für die Messestädte so wichtigen „Umwegrendite“ sind 2020 nur sechs Milliarden Euro hereingekommen.

„Wenn sich die Entwicklung 2021 auch nur annähernd fortsetzt, dürften in den betroffenen Branchen mehr als 100.000 Arbeitsplätze gefährdet sein“, warnt Holtmeier. Nach Berechnungen des Ifo-Instituts sichern Messen direkt und indirekt mehr als 230.000 Stellen.

„Messen vor Ort haben weiter eine Zukunft“, betont Oliver Frese, Geschäftsführer der Kölnmesse. „Messen müssten sich aber schneller verändern und vor allem digitalisieren. Hybride Formate würden zum Standard“, sagte er am Montag auf der Pressekonferenz der Süßwarenmesse ISM, die erst wieder 2022 stattfindet.

Zugleich verweist Frese darauf, dass Aussteller mit rein digitalen Formaten bisher nicht annähernd den Messeerfolg erzielten wie auf Präsenzveranstaltungen. Das zeigt eine Umfrage des Auma und mehrerer Branchenverbände. Demnach haben die Aussteller mit digitalen Messen im Durchschnitt nur ein Viertel des Nutzens einer realen Messebeteiligung erreicht.

Auch den Messeanbietern haben digitale Ersatzveranstaltungen viel weniger Einnahmen gebracht als Messen vor Ort. Die meisten der großen Veranstalter haben deshalb 2020 hohe Millionenverluste eingefahren. Etliche Messegesellschaften von Hannover bis München müssen trotz Kurzarbeit massiv Stellen abbauen. Oft sichern Kredite der öffentlichen Gesellschafter die Liquidität. Private Anbieter und Zulieferer haben diesen finanziellen Rückhalt nicht.

Die EU-Wettbewerbshüter haben nun einen 642-Millionen-Rettungsschirm für die darbende deutsche Messe- und Kongressbranche genehmigt. Profitieren sollen Unternehmen mit Gewinneinbußen zwischen März und Dezember 2020 aufgrund von Corona-Beschränkungen, teilte die EU-Kommission am Montag mit.

Abgedeckt würden bis zu 100 Prozent der mit Einschränkungen verbundenen Gewinneinbußen. Der Schaden berechnet sich nach der Differenz aus dem durchschnittlichen Betriebsgewinn der entsprechenden Zeiträume der Jahre 2018 und 2019 (1. März bis 31. Dezember) und dem tatsächlichen Gewinn im selben Zeitraum 2020.

Es werden allerdings nur Verluste erstattet, wenn das jeweilige Bundesland ein Veranstaltungsverbot angeordnet hatte. Etliche Veranstalter hatten Messen auf Druck der verunsicherten Aussteller selbst abgesagt.

Der Fachverband Messen und Ausstellungen (Fama) begrüßte die EU-Hilfen grundsätzlich, übte aber auch Kritik. Private Messeveranstalter ohne eigenes Gelände blieben durch die aktuelle Regelung weiterhin ohne Unterstützung, um die Ausfälle der Coronakrise zu kompensieren.

Der Verband wirbt daher bei den politisch Verantwortlichen dafür, das EU-Rettungspaket auch auf privatwirtschaftliche Messeveranstalter ohne eigene Infrastruktur auszudehnen und, sofern erforderlich, aufzustocken.