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Mehr als 250 Festnahmen bei Protesten in Armenien

ERIWAN (dpa-AFX) - Nach Protesten mit mehr als 250 Festnahmen in der Südkaukasusrepublik Armenien warnt die Opposition vor Unruhen. "Die Unzufriedenheit im Land wächst von Stunde zu Stunde", sagte der Chef der Partei "Blühendes Armenien", Gagik Zarukjan, am Montag nach lokalen Medienberichten. Am Sonntag war es in der Hauptstadt Eriwan zu Demonstrationen gekommen, nachdem die Polizei die Wohnung und das Büro des Oppositionsführers durchsucht hatte.

Zarukjan selbst sprach von politischen Motiven für die Ermittlungen gegen ihn. Die Justiz wirft dem 63-Jährigen demnach vor, ein illegales Glücksspielgeschäft betrieben zu haben. Das Strafverfahren sei wenige Tage nach seiner Kritik an Regierungschef Nikol Paschinjan in der Corona-Krise eingeleitet worden, sagte Zarukjan.

Der Ministerpräsident galt lange als Hoffnungsträger in dem armen Land. Er hatte im Frühjahr 2018 wochenlange Straßenproteste gegen Korruption und Vetternwirtschaft in Armenien angeführt und den Regierungschef Sersch Sargsjan zum Rücktritt gezwungen. Beobachter befürchten nun erneut Massenproteste in dem Land.

In der Ex-Sowjetrepublik haben sich nach der offiziellen Statistik mittlerweile mehr als 10 400 Menschen mit dem Virus infiziert. Größere Menschenansammlungen sind wegen der Ansteckungsgefahr verboten. Auch deshalb nahm die Polizei am Sonntag Demonstranten fest, die aber wenig später wieder freikamen. Die Regierung nehme die Epidemie nicht ernst genug, meinte Zarukjan.