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Bei "Markus Lanz": Ökonom sagt China gewaltige Probleme voraus und warnt deutsche Unternehmen

Wirtschaftswissenschaftler Rüdiger Bachmann sprach bei mit Markus Lanz über die aktuellen Probleme in China und warum deutsche Betriebe ihren Fokus nicht mehr so stark auf den chinesischen Markt setzen sollten. (Bild: ZDF)
Wirtschaftswissenschaftler Rüdiger Bachmann sprach bei mit Markus Lanz über die aktuellen Probleme in China und warum deutsche Betriebe ihren Fokus nicht mehr so stark auf den chinesischen Markt setzen sollten. (Bild: ZDF)

Im ZDF-Talk "Markus Lanz" verteidigte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher den umstrittenen Hafen-Deal und kritisierte Wirtschaftsminister Habeck. Dennoch müsse man kritisch mit China umgehen. Ein Ökonom nannte zudem Gründe, warum man "nicht so sehr auf den chinesischen Markt setzen sollte".

Steigende Preise, Zinsentwicklung, Proteste in chinesischen Städten - bei "Markus Lanz" wurde am Mittwochabend ein großer Themenbogen gespannt. Spannend wurde es vor allem beim Komplex "Abhängigkeit von China". So ging es in der Runde nicht nur über den umstrittenen Hamburger Hafen-Deal, sondern auch um die Tatsache, dass immer mehr deutsche Industrien auf den chinesischen Markt setzen. Womöglich ein Fehler, meinte ein Experte im ZDF-Talk - nicht zuletzt, weil der asiatische Staat mit großen Problemen zu kämpfen habe.

Neben der chinesischen Null-Covid-Politik sorgen die politischen Spannungen zwischen Taiwan und der Volksrepublik für regelmäßige Proteste und Empörung seitens der Bevölkerung. Hinzu kommt die Sorge vieler Ökonomen, der hiesige Technologie-Sektor könnte unter allzu einseitigen Wirtschaftsbeziehungen weiter leiden.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher war ebenfalls zu Gast bei Markus Lanz und erklärte, dass Deutschland in den letzten Jahren zu "unkritisch" gegenüber China geweisen sei. Er betonte dennoch die Bedeutung Chinas für den Hamburger Hafen. (Bild: ZDF)
Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher war ebenfalls zu Gast bei Markus Lanz und erklärte, dass Deutschland in den letzten Jahren zu "unkritisch" gegenüber China geweisen sei. Er betonte dennoch die Bedeutung Chinas für den Hamburger Hafen. (Bild: ZDF)

"China bekommt ein riesiges Altersversorgungsproblem"

"Ich würde nicht so sehr auf den chinesischen Markt setzen", erklärte dazu bei Lanz der Wirtschaftswissenschaftler Rüdiger Bachmann. Tatsächlich aber sei Deutschland dabei, sich noch abhängiger von China zu machen, als das ohnehin schon der Fall ist.

Bachmann erklärte, China habe "uns gebraucht", um sich einen wirtschaftlichen Aufschub zu sichern, erst dann "war ein gegenseitiger Abhängigkeitsvertrag da". Inzwischen sei ein Ende des Wachstums abzusehen - auch weil China auf ein riesiges demografisches Problem zusteuere: "Ende dieses Jahrhunderts wird die Bevölkerungszahl um die Hälfte gesunken sein. Die werden dort den gleichen Anteil von Menschen über 65 haben wie von Menschen zwischen 24 und 65 Jahren, und das sind die Menschen, die arbeiten. China bekommt ein riesiges Altersversorgungsproblem."

"Markus Lanz": Eine überalterte Gesellschaft braucht weniger Autos

Das habe Folgen auch für die deutsche Exportwirtschaft. Schließlich benötige eine ältere Gesellschaft eher Dienstleistungen und Gesundheitsvorsorge - und weniger Autos. "Es ist nicht klar, ob die deutschen Unternehmen in Zukunft auf dem chinesischen Markt das verkaufen können, was sie verkaufen wollen", mahnte Experte Bachmann.

"Investitionen in China sollten sich deutsche Unternehmen sehr gut überlegen", findet auch Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher. Rückblickend betrachtet sei Deutschland zu leichtsinnig gewesen und habe keinen genaueren Blick auf China geworfen, übte der SPD-Politiker bei "Markus Lanz". Tschentscher sagte: "Wir waren in den letzten Jahren zu unkritisch gegenüber China."

Zugleich verteidigte er jedoch den umstrittenen Beteiligungsdeal an einem Terminal des Hamburger Hafens und kritisierte in dem Zusammenhang Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Insgesamt hatten sich sechs Bundesministerien, darunter auch das von Habeck geführte, gegen den ursprünglich Deal ausgesprochen, woraufhin eine Beteiligung des chinesischen Staatskonzerns Cosco bei strategisch weniger bedenklichen 24,9 Prozent beschlossen wurde. Tschentscher klagte im ZDF: "Mein Eindruck ist, dass dort eine nicht plausible Diskussion geführt worden ist zwischen den Ministerien."

Tschentscher kritisiert Habeck und verteidigt Hafen-Deal

Für Tschentscher sei die chinesische Beteiligung am Terminal Tollerort immer noch von wichtiger Bedeutung: "Die Reedereien bringen Ladungen dorthin, wo sie an Terminals beteiligt sind", erklärte er und lobte die Weitsicht des Bundeskanzlers. "Herr Scholz weiß, wie der Hamburger Hafen organisiert ist. Das unterscheidet ihn vielleicht von einigen Bundespolitikern, die sich dazu geäußert haben", sagte Tschentscher über seinen Parteifreund und Vorgänger im Amt des Hamburger Bürgermeisters.

"Es gibt viele Dinge, über die wir uns Gedanken machen müssen. Aber in der maritimen Schifffahrt, beim Transport von Containern über die Welt, haben wir keine systemische Abhängigkeit von China", erklärte der Bürgermeister. Laut ihm brauche es unbedingt eine neue China-Strategie, die man "europäisch machen" müsse. Chinesische Beteiligungen an europäischen Häfen seien "branchenüblich", wie die Besipiele Rotterdam und Antwerpen zeigten.