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Machtkampf um Francotyp-Postalia – Finanzinvestor will Chef loswerden

·Lesedauer: 2 Min.

Nach der Hauptversammlung soll Rüdiger Günther als Chef gefeuert werden. Einen nachvollziehbaren Grund liefert der Finanzinvestor Obotritia nicht.

Rüdiger Günther hat so manchen Kampf in seinem Leben ausgefochten. In früheren Jahren schlug er sich in Karate zum Deutschen Meister hoch, dann half er – wenn auch vergeblich – bei der Rettung des Warenhauskonzerns Arcandor. An diesem Dienstag muss er sich der härtesten Auseinandersetzung in seinem Berufsleben stellen: Er muss um seinen Job als Chef des Maschinenherstellers Francotyp-Postalia kämpfen.

Der größte Aktionär, der Finanzinvestor Obotritia mit Rolf Elgeti an der Spitze, will den Manager von seinem Posten entfernen lassen. Günther habe strategische Ziele nicht erreicht, außerdem handele er „intransparent“, lautet die Begründung. Auf der Hauptversammlung an diesem Dienstag sollen die Aktionäre daher über einen Misstrauensantrag von Obotritia abstimmen.

Es ist die jüngste Attacke des aktivistischen Fonds auf den Vorstandschef. Bereits seit Februar betreibt Obotritia die Demission von Günther, konnte sich bislang damit aber nicht durchsetzen. An dessen Amtsführung ist offensichtlich nichts auszusetzen, zumal Günther Erfolge bei der Umwandlung des Herstellers von Frankiermaschinen in eine Sicherheitsfirma mit digitaler Kompetenz vorzuweisen hat.

Am Montag erst hat Francotyp-Postalia seine Bilanz für die ersten neun Monate dieses Jahres vorgelegt – und die sieht überraschend gut aus. So schrumpfte der Umsatz lediglich um drei Prozent auf 148 Millionen Euro. Dazu konnte der Vorstand um Günther die Prognose für das laufende Jahr bestätigen.

Viele Maschinenbauer haben infolge der Einbrüche der Coronakrise ihre Erwartung für das laufende Jahr kassieren müssen.

Spekulation um Zerschlagung

Unternehmenskenner vermuten, dass die Vorwürfe gegen Günther nur vorgeschoben sind. Obotritia wolle vielmehr die Gesellschaft zerschlagen und über den Verkauf von Firmenteilen schnell Kasse machen, hieß es. „Günther steht da im Weg, da er die Firma nach vorn entwickeln will“, berichtete ein langjähriger Mitarbeiter. Elgeti schweigt sich dazu aus. Auf eine Anfrage reagierte er nicht. Zuvor hatte er einen Kommentar zu der Entwicklung von Francotyp-Postalia abgelehnt.

Günther jedenfalls will die Attacke nicht einfach hinnehmen. Der Misstrauensantrag sei abzulehnen, heißt es in einer Stellungnahme des Vorstands. In seiner Rede auf der Hauptversammlung dürfte Günther nun um das Vertrauen der übrigen Investoren werben. Noch darf er auf einen Verbleib auf dem Vorstandsvorsitz hoffen. Einige professionelle Aktionäre wollen laut Finanzkreisen dem Misstrauensantrag von Obotritia nicht zustimmen.

Allerdings seien es eher kleinere Investoren – daher dürfte Obotritia sich durchsetzen. Der Finanzinvestor kontrolliert 28 Prozent der Aktien und dürfte damit rund 45 Prozent der Stimmen stellen, die auf der Hauptversammlung präsent sein dürften. In der Regel nimmt nur ein Teil der Anleger an Aktionärstreffen teil.

Scheitert Günther auf der Hauptversammlung mit seinem Befreiungsschlag, dürfte er bald vom Aufsichtsrat zum Gespräch vorgeladen werden. Nach einem erfolgreichen Misstrauensantrag könnte das Gremium ihn von seinem Amt entbinden.

Dagegen könnte er anschließend gerichtlich vorgehen. Der Kampf ginge dann für Günther weiter.