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Machtkampf im Aufsichtsrat des VfB Stuttgart: Ex-Ministerin löst Claus Vogt ab – unterstützt von Porsche und Mercedes-Benz

Claus Vogt musste am Dienstag seinen Chefposten im Aufsichtsrat des VfB Stuttgart räumen. Die Investoren Porsche und Mercedes-Benz wollten einen Führungswechsel. - Copyright: picture alliance/dpa | David Inderlied/Getty Images / FotografieLink
Claus Vogt musste am Dienstag seinen Chefposten im Aufsichtsrat des VfB Stuttgart räumen. Die Investoren Porsche und Mercedes-Benz wollten einen Führungswechsel. - Copyright: picture alliance/dpa | David Inderlied/Getty Images / FotografieLink

Der VfB Stuttgart spielt in der Bundesliga die beste Saison seit Jahren. Die Schwaben haben sich auf dem dritten Tabellenplatz festgesetzt und dürfen von der Champions League träumen. Doch hinter den Kulissen des Traditionsclubs tobt seit Wochen ein Machtkampf, der die Euphorie spürbar dämpft. Im Fokus steht Claus Vogt, umstrittener VfB-Präsident und Aufsichtsrats-Chef der Aktiengesellschaft, in die der Club seine Profiabteilung einst auslagerte. Porsche drängte auf einen Führungswechsel im Aufsichtsrat. An diesem Dienstag kam es nun dazu.

Der Sportwagenbauer war erst im vergangenen Januar als neuer Investor bei der VfB-AG eingestiegen – wie zuvor schon Mercedes-Benz. Porsche-Finanzvorstand Lutz Meschke soll mit dem Spitzenamt geliebäugelt haben. Doch ein Konzernsprecher stellte nach einem Bericht von Business Insider klar, dass Porsche den Vorsitz nicht anstrebe. Vogt als Chefkontrolleur loswerden wollte Porsche allerdings schon. Der Funktionär habe einen "Neuanfang im Aufsichtsrat" zugesagt, ließ der Autohersteller öffentlich verlauten.

An diesem Dienstag kam der Aufsichtsrat zu einer Sondersitzung zusammen. Erstmals wählte das Gremium eine Frau an seine Spitze: Tanja Gönner. Die frühere CDU-Landesministerin in Baden-Württemberg ist Hauptgeschäftsführerin im mächtigen Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). 2022 entsandte sie der Mutterverein in den Aufsichtsrat der VfB-AG. Weshalb der Club nun erklärt, sie sei "in der Position, die Interessen der Vereinsmitglieder führungsstark zu vertreten".

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Die offizielle Pressemitteilung der Stuttgarter liest sich stellenweise wie eine Abrechnung mit Vogt. Darin heißt es, der Aufsichtsrat habe Gönner zur neuen Vorsitzenden gewählt, "um die Vorstandsarbeit professionell begleiten, kontrollieren und fördern zu können". Dazu muss man wissen: In der Vergangenheit hatte es immer wieder massive Kritik an der Amtsführung von Vogt gegeben.

"Ich versichere allen Mitgliedern, in engem Austausch mit ihnen die Interessen des Vereins bei allen wichtigen Entscheidungen zu vertreten", wird Gönner in der Mitteilung des Clubs zitiert. Mit den Aufsichtsratsmitgliedern von Mercedes-Benz und Porsche sei sie der Meinung, "dass in Zukunft die Idealbesetzung des Aufsichtsratsvorsitzenden ein Präsidiumsmitglied des Vereins sein sollte, das von den Mitgliedern direkt gewählt wurde", so die neue Aufsichtsratschefin.

Die Frage ist, was das bedeuten könnte. Denn: Gönner gehört dem Präsidium des Muttervereins bislang nicht an. Es besteht aus dem Präsidenten Claus Vogt, Ex-Trainer Rainer Adrion und Christian Riethmüller. Ob nun Gönner in den Führungszirkel strebt oder sich als Interimslösung betrachtet, blieb am Dienstag zunächst offen.

Nach Informationen von Business Insider wollten Porsche und Mercedes-Benz Gönner als neue Chefkontrolleurin. Zuvor hatte die "Stuttgarter Zeitung" berichtet, dass die 54-Jährige zumindest übergangsweise das Gremium leiten könnte.

Heikel ist der Wechsel, weil den VfB-Mitgliedern bei der Ausgliederung der Profiabteilung zugesagt worden war, dass der Vereinspräsident den Aufsichtsrat der AG führen soll. Festgeschrieben wurde das nicht, denn im Aktiengesetz ist geregelt, dass der Aufsichtsrat einen Vorsitzenden "aus seiner Mitte" zu wählen hat.

Klar ist: Alleine konnten Porsche und Mercedes-Benz die Personalie nicht durchsetzen, zusammen verfügt das beim VfB im vergangenen Jahr noch gefeierte "Weltmarken-Bündnis" nur über vier von elf Stimmen im Aufsichtsrat.

Porsche hält 5,49 Prozent an der VfB Stuttgart 1893 AG. Im Sommer könnte das Unternehmen weitere Anteile kaufen, dann auf 10,4 Prozent kommen und mit Mercedes-Benz gleichziehen. Doch: Auch dann lägen mehr als drei Viertel der Aktien beim eingetragenen Verein (e.V.). Dennoch: Insider berichteten vor der Aufsichtsratssitzung, dass Porsche und Mercedes sich ihrer Sache sicher seien, sonst wäre die Sondersitzung an diesem Dienstag nicht einberufen worden. Offenbar haben die Autobauer doch eine Mehrheit organisiert.

Trotz der Mehrheitsverhältnisse beim Aktienbesitz befürchtet die organisierte Fanszene einen Machtverlust der Basis, wenn der Vereinspräsident nicht auch dem Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft vorsteht. Am vergangenen Freitag entrollten die Ultras des Commando Cannstatt beim Heimspiel gegen Union Berlin (2:0) mehrere Spruchbänder, auf denen stand: "Meschke & Co. in die Schranken weisen – der AR-Vorsitz bleibt beim e.V.-Präsidenten."

Dieser Artikel erschien am 12. März 2024. Er wurde nach der Aufsichtsratssitzung aktualisiert und ergänzt.