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Macht euch auf Stromausfälle von Beverly Hills bis Berlin gefasst, denn es droht eine weltweite Energiekrise

In Spanien ist der Strom bereits sehr knapp und es kann wie hier zu kurzen Versorgungsengpässen kommen. Wer Kerzen zu Hause hat, ist im Vorteil. - Copyright: Getty Images/Enrique Micaelo Sanchez, EyeEm
In Spanien ist der Strom bereits sehr knapp und es kann wie hier zu kurzen Versorgungsengpässen kommen. Wer Kerzen zu Hause hat, ist im Vorteil. - Copyright: Getty Images/Enrique Micaelo Sanchez, EyeEm

Am besten wirft jeder einen Blick auf die Krisenversorgungsliste der Bundesregierung und legt sich dann einen Vorrat an Batterien, Kerzen und unverderblichem Essen an. Denn in der Zukunft sind weltweit Stromausfälle vorprogrammiert.

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten bereitet sich die westliche Welt auf eine ausgedehnte und anhaltende Energieknappheit vor. Die Vereinigten Staaten von Amerika, das Großbritannien und die Europäische Union wurden durch Russlands Einmarsch in die Ukraine und dadurch steigende Strom- und Brennstoffkosten in Bedrängnis gebracht. Der schlimmste Teil der Energiekrise steht uns wahrscheinlich noch bevor.

Hitze in Deutschland
Hitze in Deutschland

Selbst wohlhabende Länder werden nicht verschont bleiben, zumindest nicht ohne einen umfassenden politischen Wandel und scharfe Einschnitte in der Privatwirtschaft. Nimmt man die damit verbundenen wirtschaftlichen Kosten und die Gesundheitsrisiken hinzu, sieht die aktuelle Situation im Westen durchaus düster aus.

Unerträgliche Temperaturen werden normaler

In Europa und im Vereinigten Königreich werden Bewohner, die nicht an Hitzewellen gewöhnt sind, entweder mit exorbitant hohen Energierechnungen oder gesundheitsgefährdend heißen Sommern konfrontiert sein. Durch die Abhängigkeit von russischem Gas wird vieles noch verschlimmert, denn der Kreml hat die Lieferung über die Pipeline Nord Stream 1 vollständig unterbrochen.

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Im US-Bundesstaat Kalifornien wird sich die Lage durch Warnungen vor Stromausfall und dadurch eingeschränkte Nutzung von Klimaanlagen bemerkbar machen. Darauf werden sich in den kommenden Jahren voraussichtlich auch die Bewohner von Texas, Illinois und Missouri und Gegenden an der Westküste einstellen müssen.

Nicht mal die Nacht spendet mehr Abkühlung

Angesichts der rekordverdächtigen Temperaturen an der Westküste forderte der kalifornische Netzbetreiber ISO die Bewohner in dieser Woche auf, ihren Energieverbrauch einzuschränken. Zudem gab es eine Warnung vor Stromausfällen. Die wurde per SMS versandt. Die Notfallvorkehrungen wurden zwar bald darauf wieder aufgehoben, ohne dass es zu großflächigen Stromausfällen kam. Aber das Energieversorgungsunternehmen meldete, dass nur die Sparsamkeit der Einwohner die Stabilität des Netzes am Laufen gehalten hat.

Die Kalifornier waren aufgefordert, keine großen Geräte zu benutzen, nicht benötigte elektronische Geräte auszustecken und ihre Thermostate auf maximal 25 Grad herunterzuregulieren. „Ich kann so nicht weitermachen“, schrieb deshalb die Twitter-Nutzerin @sdfashionista3. „Ich lebe schon immer in San Diego und habe noch nie eine so hohe Temperatur in der Nacht gesehen.“ Obwohl die ISO-Warnung vom Dienstag dazu beigetragen hat, Stromausfälle zu verhindern, waren nach Angaben von poweroutage.us an diesem Nachmittag mehr als 50.000 Kalifornier in irgendeiner Form von Stromausfällen betroffen.

Die Überlastung des kalifornischen Stromnetzes kann auf den Klimawandel zurückgeführt werden. Die Durchschnittstemperaturen sind schneller gestiegen als die Hitzetoleranz der Einwohner, was bedeutet, dass die Einwohner dort ihre Klimaanlagen wesentlich länger laufen lassen als noch vor einigen Jahren. Doch die Versorgungsunternehmen und Regulierungsbehörden haben das Stromnetz nicht entsprechend ausgebaut. So hat die steigende Nachfrage nach Strom die Infrastruktur an ihre Grenzen gebracht.

"Elektrizität auf Basis fossiler Brennstoffe gilt traditionell als die zuverlässigste", sagt Romany Webb, Forschungsstipendiat an der Columbia Law School und Mitarbeiter am Sabin Zentrum für Rechtsfragen beim Klimawandel. "Aber die Kombination aus der Verknappung und Verteuerung von Gas in Verbindung mit den Klimaauswirkungen zeigt, dass dies nicht mehr der Fall ist."

Die Warn-Kurznachrichten unterstreichen, was Staaten wie Kalifornien, Spanien oder anderen Südstaaten mit vielen Sonnenstunden noch bevor steht. Rund acht Millionen US-Amerikaner werden im Jahr 2022 bereits Temperaturen von über 50 Grad erlebt haben. Das sind Höhen, die nach Angaben des Nationalen Wetterdienstes als "extrem gefährlich" gelten. Laut einer neuen Studie der First Street Foundation werden im Jahr 2053 bereits 107 Millionen Menschen davon betroffen sein.

Diese Auswirkungen hat die Stromknappheit

Ohne massive Investitionen in die Überholung des Energienetzes des Landes könnten solche Hitzewellen tagelang den Strom in mehreren Staaten ausfallen lassen. Das gefährdet die Leben von Millionen von Menschen, die es sich nicht leisten können, sich mit einem Dieselgenerator oder eigenem Pool abzukühlen. Der Stromausfall wird auch zu verdorbenen Lebensmitteln führen, da Gefriertruhen und Kühlschränke ausfallen.

Geschäftsinhaber werden gezwungen sein, ihre Läden zu schließen, und die, die noch geöffnet haben, werden kaum Kundschaft haben, da jeder nur versucht, die Hitze zu überstehen. Wer auf medizinische Geräte angewiesen ist, wird allerdings am unmittelbarsten gefährdet sein, besonders da die Stromausfälle plötzlich auftreten können.

Europas Abkopplung von der russischen Energie stellt eine unmögliche Wahl dar

Das Energieproblem der Europäische Union und Großbritanniens hat viel mehr mit ihrer Abhängigkeit von Russland zu tun. Während sich die USA trotz ihrer Probleme mit ihrem veralteten Stromnetz weitgehend auf ihre eigenen Rohstoffe verlassen kann, hängt Westeuropa bei Erdgas und Rohöl stark von Moskau ab. Dadurch blieben die Preise stabil.

Diese Beziehung war zwar steinig, hielt aber mehrere Jahrzehnte. Sie endete, als Russland im Februar 2022 in die Ukraine einmarschierte und damit heftige Gegenreaktionen des Westens auslöste. Die EU und das Vereinigte Königreich verhängten daraufhin Sanktionen gegen den russischen Energiesektor und kündigten Pläne an, den Einkauf russischer Waren rasch zu reduzieren. Man will diese Rohstoffe anderweitig beschaffen.

Die Umstellung war nicht einfach. Westeuropa hatte das ganze Jahr über mit Energieengpässen zu kämpfen, und die Sommerhitze verschärfte das Problem noch. Besonders stark betroffen war Großbritannien, Spanien, Portugal und Frankreich. Dort führten die Rekordtemperaturen zu großen Waldbränden und Tausenden von Toten.

Die Hitzewelle war besonders gefährlich, weil viele betroffene Länder "nicht wirklich auf den Umgang mit der Hitze vorbereitet sind", erklärte George Havenith, Professor für Umweltphysiologie und Ergonomie an der Universität Loughborough, zu Business Insider.

Firmen führen zur Vorbereitung Stresstests durch

Viele Unternehmen rüsten sich bereits für eine historische Energiekrise. Die europäischen Niederlassungen von JPMorgan haben in den letzten Wochen Stromausfallsimulationen durchgeführt, um sich auf Ausfälle vorzubereiten, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Die Deutsche Bank teilte der Nachrichtenagentur mit, sie habe das heiße Wasser in den Toiletten abgestellt und die Temperatur in den Büros geändert, um den Energieverbrauch zu senken. Die Euronext-Börse sagte, sie halte Notstromaggregate bereit, falls es zu Stromausfällen kommen sollte.

Auch für Deutschland warnt der Deutsche Städte- und Gemeindebund vor flächendeckenden Stromausfällen. „Die Gefahr eines Blackouts ist gegeben“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der „Welt am Sonntag“.

Die Hitzewelle hat sich inzwischen beruhigt, aber Russlands Vergeltungsmaßnahmen gegen die Energieembargos haben Folgen: Die Energieversorgung wird immer knapper wird, da der Kreml weiterhin die Lieferungen in den Westen unterbricht. Dadurch müssen die Bürger für ihren täglichen Strombedarf mehr bezahlen. Die britische Energieregulierungsbehörde hat die Obergrenze für jährliche Energierechnungen ab dem 1. Oktober auf 3549 Pfund – etwa 4054 Euro – angehoben, was fast einer Verdoppelung der bisherigen Obergrenze und einem Anstieg um 178 Prozent gegenüber dem letzten Winter entspricht.

Die Erhöhung stellt einkommensschwache Briten vor eine unmögliche Wahl: sich zu verschulden, um ihren Grundbedarf an Energie aufrechtzuerhalten, oder eben die Heizung auszulassen. Premierministerin Liz Truss kündigte deshalb an, dass die Regierung die jährlichen Energierechnungen der Haushalte ab dem 1. Oktober auf 2500 Pfund (2800 Euro) deckeln wird, um die Auswirkungen der steigenden Kosten etwas abzumildern. Die britische Regierung wird den Rest der Rechnung bezahlen, und obwohl die Regierung die Gesamtkosten der Maßnahme noch nicht bekannt gegeben hat, dürfte es sich um eine der teuersten Wirtschaftshilfen handeln, die das Vereinigte Königreich seit Jahrzehnten erlebt hat.

Erneuerbare als mittelfristiger Ausweg

Angesichts des fortschreitenden Klimawandels wird der Drang, die Stromnetze mit erneuerbarer Energie und effizienter Energiespeicherung zu verstärken, größer. "Wenn wir die Risiken des Klimawandels für unser Stromsystem nicht ausreichend zur Kenntnis nehmen, werden wir wahrscheinlich noch mehr solcher Stabilitätsprobleme erleben", sagte der Energieexperte Webb. "Regulierungsbehörden, Stromversorger und Netzbetreiber müssen unbedingt erkennen, dass der Klimawandel da ist".

Dieser Artikel wurde übersetzt von Christiane Rebhan. Das Original findet ihr hier.