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„Ihr müsst alles aufgeben und ein paar Jahre wie ein Hund leben“: Der „Elon Musk des Balkans“ über die Gründung von Rimac

·Lesedauer: 6 Min.

Mate Rimac muss nicht länger davon träumen, Superautos zu bauen. Für ihn ist sein Traum Realität geworden. Als Gründer und CEO von Rimac Automobili hat Rimacs 2009 gegründetes Unternehmen die Automobilwelt im Sturm erobert. Das Automobilunternehmen mit Sitz in Rimacs Heimatland Kroatien stellt nicht nur eigene Elektroautos her, sondern entwickelt ebenso EV-Technologien für Autohersteller auf der ganzen Welt.

Angefangen hat das Unternehmen mit dem Verkauf von elektrischen Umrüstungsteilen für reguläre Autos. Doch das Wachstum war schnell und groß. Das Unternehmen kann mittlerweile sowohl den Sportwagengiganten Porsche als auch den koreanischen Automobilkonzern Hyundai zu seinen Anteilseignern zählen.

Darüber hinaus arbeitet es für viele weitere größere und kleinere Autohersteller. Von den schnellsten Autos der Welt hin zu dem Auto, mit dem man zum Supermarkt fährt — Rimacs Technik ist entweder bereits dabei oder wird es eines Tages sein. In einem Gespräch mit Business Insider sprach der Gründer darüber, wie er sein Unternehmen und seine Kundinnen und Kunden bei Laune hält.

Der Rivac Nevera.
Der Rivac Nevera.

Als Unternehmer glaubt Mate Rimac fest daran, seine Versprechen zu erfüllen und die Erwartungen zu übertreffen. Um das zu verdeutlichen, erinnerte sich Rimac an die Zeit, als seine Firma ein Batteriepaket für den Aston Martin Valkyrie herstellen sollte. Der Valkyrie ist ein Hybrid-Supersportwagen mit eingebauter Formel-1-Technologie. Als Mate Rimacs Unternehmen den Auftrag erhielt, wusste der CEO, er muss beeindrucken. Und er wusste, wie man es macht.

„Bei unserem ersten gemeinsamen Meeting bauten wir ein skaliertes Akkupack für Aston Martin“, erzählte Rimac. „Wir haben alle Tests gemacht, haben alle Zyklen wie auf der Rennstrecke auf einem Dyno durchgeführt. Das ist ein Gerät, das die Motorleistung eines Autos misst. Wir haben dem Auftraggeber nicht nur Simulationen, sondern echte Testergebnisse gezeigt. Zusätzlich haben wir veranschaulicht, wie das Produkt aussehen wird. Mehr hätte man ihnen nicht zeigen können. Wir haben keine Fragen unbeantwortet gelassen.“

Rimac führte seine Erzählung über das Geschäft mit Aston Martin fort, indem er erzählte, wie erstaunt der Auftraggeber darüber war, dass Rimacs Unternehmen all diese Informationen bereits zum ersten gemeinsamen Treffen mitbrachte. „Wir haben alle Zweifel über die technischen Teile ausräumen können. Von da an war es nur noch eine bürokratische Angelegenheit.“

Der Aston Martin Valkyrie.
Der Aston Martin Valkyrie.

Den schnellen Erfolg und das starke Wachstum seines Unternehmens führt Mate Rimac auf eben jene Einstellung in Bezug auf die Arbeit zurück. „Das ist die Art und Weise, wie wir uns von kleinen Projekten und kleinen Kundinnen und Kunden zu großen Projekten und großen Kundinnen und Kunden hochgearbeitet haben“, sagte er.

Rimac betont auch, wie wichtig es ist, gepflegt und seriös auszusehen, wenn man ernst genommen werden möchte. Das sei vor allem bei denjenigen der Fall, die noch sehr jung sind. Junge Unternehmerinnen und Unternehmer werden häufig nicht ernst genommen. „Ich war etwa 20 Jahre alt und sah aus wie 14“, erzählte Rimac. „Also ließ ich mir einen Bart wachsen, um ein bisschen seriöser auszusehen. Ich glaube, das hat damals nicht viel geholfen. Ich nehme an, dass wir dadurch eine Menge Möglichkeiten verloren haben damals. Wir hätten sehr viel mehr erreichen können, wenn wir etwas glaubhafter und erwachsener gewirkt hätten.“

Gründer und CEO von Rimac Automobili, Mate Rimac (mittig).
Gründer und CEO von Rimac Automobili, Mate Rimac (mittig).

Abgesehen davon, dass Mate Rimac selbst sehr jung aussieht, besteht sein eigentliches Manko darin, dass sein Unternehmen noch sehr jung ist. Seine Firma mag zwar über die nötige Intelligenz verfügen, aber die Leute, mit denen er es zu tun hat, haben jahrzehntelange Erfahrung. Die etablierten Unternehmen haben Tausende von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Ländern, die viel stärker mit der Automobilindustrie verwoben sind und bereits viel erfahrener sind. Geholfen hat dem jungen Unternehmer dabei allerdings, dass er seine eigenen Autos gebaut hat.

Zuerst baute er einen BMW-Rennwagen zu einem Fahrzeug mit Elektroantrieb um. Anschließend entwickelte er den Supersportwagen Concept One EV und jetzt den kürzlich bekanntgegebenen Rimac Nevera, das stärkste Serienfahrzeug mit Elektroantrieb der Welt.

Doch obwohl Rimac Automobili weltweit führend in der Technologie für Elektrofahrzeuge ist, steht das junge Unternehmen nach wie vor unter starkem Druck. „Man muss sich ständig beweisen“, sagte Rimac. „Wenn beispielsweise Porsche investiert, ist das ein Gütesiegel. Aber dann sagen manche Leute immer noch: ‚Was sind denn schon 80 Millionen Euro von Porsche? Nichts.‘“

Der junge Unternehmer empfindet sich selbst als eine Art „Input-Output-Gerät“. Er übernimmt so viel Verantwortung wie möglich, damit sein Unternehmen so gut wie möglich funktioniert. „Mein Kalender diktiert mir jeden einzelnen Tag“, erzählte er. „Was nicht im Kalender steht, gibt es nicht. Das ist also ziemlich hart, wenn man nach einem solchen Zeitplan lebt. Der Tag ist wie ein zwölf-Stunden-Tagesplan. Dabei ist so viel zu tun, dass nicht Arbeiten eine Menge Schuldgefühle verursacht.“

Der Rimac Nevera.
Der Rimac Nevera.

Die Arbeit mit den Autoherstellern ist ein Teil von Rimacs Alltag. Der andere Teil besteht darin, sich um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu kümmern. Für den Geschäftsführer und Gründer von Rimac Automobili steht die Zufriedenheit seiner Angestellten an erster Stelle. „Ich sage immer: ‚Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die Nummer eins. Denn ein glücklicher Mitarbeiter oder eine glückliche Mitarbeiterin ist ein glücklicher Kunde oder eine glückliche Kundin. Die Kundinnen und Kunden sind die zweitwichtigsten Personen, um die es im Geschäft geht. Nummer drei sind die Aktionärinnen und Aktionäre. Denn eine glückliche Kundin oder ein glücklicher Kunde ist eine glückliche Aktionärin oder ein glücklicher Aktionär.‘ Das sage ich auch immer zu meinen Aktionärinnen und Aktionären. Wir kümmern uns wirklich sehr um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir glauben, dass das der Schlüssel zum Erfolg ist.“

Der Jungunternehmer betonte ebenfalls, wie wichtig es ist, sich auf das Umfeld für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu konzentrieren. Er verwies auf den neuen Hauptsitz des Unternehmens. Dort, so erzählte er, „ist alles um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herum gebaut“ — im Gegensatz zu vielen anderen Campus, die verstärkt für Besucherinnen und Besucher ausgelegt sind. „Jede und jeder in der Firma hat Anteile an Rimac, von den Reinigungshilfen bis hin zu den Managerinnen und Managern. Ich persönlich beaufsichtige, wer was bekommt. Die Aufteilung basiert dabei nicht nur auf einer abstrakten Formel, sondern auf den Individuen selbst.“

Mate Rimac weiß, dass die Verantwortung bei ihm liegt. Es gibt Aspekte der Unternehmensführung, mit denen er sich auskennt. Und es gibt andere Bereiche, mit denen er nicht so stark vertraut ist. Da kommt es darauf an, die richtige Person einzustellen, die diese Aufgabe übernimmt.

Wenn es darum geht, ein neues Unternehmen zu gründen, hat Rimac aber zwei wichtige Ratschläge. Der erste ist besteht darin, sich in die Arbeit zu hängen. „Zuallererst solltet ihr bereit sein, alles aufzugeben und ein paar Jahre wie ein Hund zu leben“, sagte er. „Für mich war das in den letzten zwölf Jahren so. Nur gelegentlich gönne ich mir mal ein nobles Hotel.“

Darüber hinaus sagte Rimac, müsst ihr bereit sein, „für eine sehr lange Zeit ein Leben zu führen, das nicht erstrebenswert ist. Ein, zwei oder drei Jahre würden nicht ausreichen. Um eine Firma aufzubauen, braucht ihr mindestens zehn Jahre, wenn ihr es richtig machen möchtet.“

Der Rimac C Two.
Der Rimac C Two.

Und der zweite Ratschlag? „Exzellenz in jeder Hinsicht“, sagte Rimac. „Nicht nur der Fokus auf das Produkt sei wichtig. Darüber hinaus müsst ihr verstehen, dass der Fokus auf allem liegen muss. Angefangen bei gut geschriebenen E-Mails, über seriös erstellten Webseiten und den richtigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern — ihr müsst auf alles Wert legen. Ihr müsst euch gegenüber Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartnern richtig verhalten, eine Finanzkontrolle haben und eure Finanzen verstehen. Einfach alles ist wichtig.“

Kümmert euch um eure Angestellten, arbeitet hart und ihr werdet Erfolg haben. Rimac hat das mit seinem Werdegang bewiesen. Er hat ein Unternehmen aufgezogen, von dem er hofft, dass es 100 Jahre überdauern wird. Und wie es aussieht, könnte er damit recht haben.

Dieser Artikel wurde von Julia Knopf aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.

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